Corona
Nur noch unter strengen Auflagen: Basel-Stadt schliesst Co-Working-Spaces

Findige Kaffeehäuser richteten temporäre Arbeitsplätze ein. Nun greift der Kanton durch: Das Angebot ist nur unter strengen Auflagen legal.

Helena Krauser
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Das «Klara» vermietet Arbeitsplätze auf Zeit.

Das «Klara» vermietet Arbeitsplätze auf Zeit.

Kenneth Nars (12. Januar 2021

Mit einem dampfenden Kaffee auf dem Tisch an der Masterarbeit schreiben und zwischendurch den Gesprächen am Nachbartisch lauschen; oder als Selbstständige für ein paar Stunden aus dem Homeoffice flüchten für ein bisschen Inspiration und einen Espresso: All das ist momentan nicht erlaubt. Aber der Bedarf an Arbeitsplätzen ausserhalb der eigenen vier Wände oder des Büros ist da. Und die Kaffeehausbetreiber in Basel suchen nach Möglichkeiten, ihre finanzielle Situation zu stabilisieren. Deshalb werden einige von ihnen kreativ und eröffnen einen temporären Co-Working-Space.

Damit begeben sie sich in einen heiklen Graubereich. Allen voran ging das Unternehmen Mitte. Für zehn Franken pro Tag konnte jede und jeder in der grosszügigen Halle arbeiten und mittags die frisch gekochten Menus der Kantine geniessen. Nach ein paar Wochen und einem Medienbericht stand allerdings das Gesundheits­departement vor der Tür. Der Co-Working-Space sei nicht zulässig und müsse wieder geschlossen werden, hiess es. Ein paar Wochen später kündet auch die Foodhalle Klara im Kleinbasel an, Co-Working-Plätze anzubieten, und auch im Unternehmen Mitte sind wieder Arbeitsplätze verfügbar, allerdings nur in der sogenannten Beletage im 1.Stock. Die Situation wird zunehmend verwirrend. Ist das Angebot nun erlaubt oder nicht?

Take-away-Bereich muss strikt abgetrennt sein

Valentin Kressler vom Gesundheitsdepartement erklärt: «Die Schutzkonzepte sind im Einzelfall zu prüfen. Das Geschäftsmodell Co-Working-Platz und Kaffeehaus mit Konsumation ist in der jetzigen rechtlichen Lage aber nicht zulässig.» Erlaubt sei Co-Working nur, wenn die Kontaktdaten erfasst werden, der Nutzer bezahlt hat, keine Konsumationsmöglichkeit geboten wird und keine Durchmischung des Take-away-­Angebots mit dem Co-Working-­Space entsteht. Möglich ist laut Kressler auch, eine Betriebs­kantine für die Co-Worker zu betreiben. Soweit die Theorie.

In der Praxis scheint die Sachlage etwas unklarer zu sein: «In der Weihnachtswoche haben wir die Kantine geschlossen, und in der Halle fand nur Co-Working statt. Aber auch da kam die Polizei vorbei und ordnete an, den Co-Working zu schliessen», sagt Pola Rapatt vom Geschäftsleitungsteam des Unternehmen Mitte.

Um nichts zu riskieren, trennt das Klara im Kleinbasel den Co-Working-Space strikt vom Take-away-Bereich und verbietet auch gleich, Produkte, die im Klara erworben werden, vor Ort zu konsumieren.

Studierende haben keinen Platz zum Arbeiten

Das Angebot im Klara richte sich vorwiegend an Studierende, welche seit der Schliessung der Cafés unter dem Arbeitsplatzmangel leiden, so Joshua Rössle vom Kommunikationsteam.

Insgesamt gibt es sieben Plätze, die hauptsächlich von einem treuen Kreis an Stammmietern genutzt werden. Die Miete kostet pro Tag zehn Franken. Auch das Café Finkmüller, das unter anderem Standorte an der Güterstrasse im Gundeli und der Klybeckstrasse im Klein­basel hat, versuchte, eine Lösung zu finden, um trotz Schliessung Geld zu verdienen. Angedacht war beispielsweise, eine Betriebskantine für Mitarbeitende des «SRF» im Gundeli einzurichten, sagt der Inhaber Simon Müller. Man habe aber dann davon abgesehen, da es ja darum gehe, die Ansteckungsmöglichkeiten zu reduzieren.