Eva Herzog

Eva Herzog

Eva Herzog: Zwischen Basel und Bern

Die Basler SP-Finanzdirektorin bleibt auch im neuen Jahr die prägende Figur in der regionalen Politik. Gleich bei mehreren Themen werden dieses Jahr die Weichen längerfristig gestellt. Nach jahrelangen Überschüssen und unzähligen politischen Vorstössen soll nun endlich entschieden werden, in welchem Umfang die Steuern im Kanton Basel-Stadt gesenkt werden.

Richtungsweisend werden die nächsten Monate auch für die Universität: Die Regierungen Basel-Stadt und Baselland müssen einen langfristigen Verteilschlüssel für die Kosten finden. Die letzten Sommer vorgestellten Sparmassnahmen und Kürzungen sind nur übergangsmässig geplant. Neben Erziehungsdirektor Conradin Cramer auf städtischer Seite die wichtigste Verhandlungspartnerin: Eva Herzog.

Gleichzeitig wird die 56-Jährige auch in der nationalen Politik ein gewichtiges Wort mitreden. Finanzpolitisch steht dieses Jahr im Zeichen der Steuervorlage 17. Der Nachfolger der gescheiterten Unternehmenssteuerreform III sollte im Sommer oder Herbst ins Parlament kommen. Herzog spielt bei der Ausarbeitung und der Behandlung der SV 17 eine wichtige Rolle; auch deshalb, weil das Geschäft überlebenswichtig für die Finanzlage des Stadtkantons ist.

Und nicht zuletzt wird sich in diesem Jahr entscheiden, ob und wie es für Herzog politisch weitergeht. Nächstes Jahr stehen die nationalen Wahlen an. Und dass Herzog gerne SP-Ständerätin Anita Fetz beerben würde, ist allgemein bekannt. Mit Nationalrat Beat Jans hat sie aber parteiintern einen prominenten Konkurrenten erhalten. (hys)

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Lukas Ott

Lukas Ott

Lukas Ott: Fokussierter Stadtentwickler?

Mit dem ehemaligen Stadtpräsidenten von Liestal, Lukas Ott, hat das Präsidialdepartement einen Stadtentwickler an Bord geholt, dem auch aufgrund seines Bekanntheitsgrades besonders auf die Finger geschaut wird. Er muss dafür sorgen, dass die Stadt prächtig gedeiht, man gern darin lebt, arbeitet, sich vergnügt. Diese Aufgabe zu meistern ist darum so wichtig, weil sie jeden Einwohner betrifft.

Otts Vorgänger Thomas Kessler war omnipräsent und hat so manche Debatte angezettelt – allerdings nicht immer zu Themen aus seinem Kerngebiet. Ott täte gut daran, sich voll und ganz auf seine Aufgabe zu konzentrieren und diese den Baslern näherzubringen. Er soll genauso präsent sein wie sein Vorgänger, aber fokussierter. Die Bevölkerung hat das Recht zu erfahren, was Ott und sein Team gerade wo entwickeln und warum – und was auf der Strecke bleibt. In seinem Departement treiben sich genug unsichtbare Leiter herum, da braucht es nicht auch noch einen Stadtentwickler, den niemand wahrnimmt. (rut)

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Mario Dolder

Mario Dolder

Mario Dolder: Internationaler Durchbruch an Olympia

2018 soll für den Biathleten Mario Dolder zum Jahr seines endgültigen internationalen Durchbruchs werden. Erstmals hat sich der 27-jährige Sissacher für Olympische Spiele qualifiziert. Diese finden im Februar in Pyeongchang (Südkorea) statt. Der mehrfache frühere Junioren-Schweizermeister hat zwar schon einige Erfahrungen an Elite-Weltmeisterschaften und im Weltcup gesammelt, doch ist Olympia für fast alle Sportlerinnen und Sportler der Karrierehöhepunkt schlechthin. Die grösste Herausforderung besteht für Dolder darin, bei seinen Auftritten im Fernen Osten sein ganzes Leistungspotenzial abrufen zu können.

Der Oberbaselbieter ist bisher immer wieder über sich hinausgewachsen, so auch vor einem Monat, als er sich beim Weltcup im schwedischen Östersund mit einem sensationellen sechsten Platz im Sprint seine Olympia-Teilnahme gesichert hat. Allerdings schwanken Mario Dolders Leistungen an Ernstkämpfen teils beträchtlich; im Stehend-Schiessen hat er noch Luft nach oben. «Ich war mehrmals unterwegs zu einem Top-10-Resultat, verbockte es aber im Schiessstand», resümierte der Spitzensportler im vergangenen November in der bz. Nun will der Biathlet seine Fangemeinde in Pyeongchang jedoch überzeugen – in der Loipe und im Schiessstand. Und für starke Schweizer Leistungen in dieser Wintersportart sorgen. (stz)

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Pascal Pfister

Pascal Pfister

Pascal Pfister: Auf stramm linkem Kurs

Die SP Basel-Stadt war noch nie eine Mitte-Partei. Aber mit ihrem neuen Präsidenten Pascal Pfister liegt sie auf strammem Linkskurs. Der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär setzt vermehrt auf die Konfrontation mit den Bürgerlichen, aber auch mit der rot-grün dominierten Regierung. Gerade in den Grundsatzpapieren, wie etwa jenem zur Wohnraumpolitik, schreckt die SP unter seiner Führung auch nicht vor provozierenden, teils extremen Positionen zurück. Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin ist Pfister öffentlich deutlicher wahrnehmbar und lauter. Von ihm wird 2018 sicher einiges zu hören sein. (dre)

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Peter Vanacker (links)

Peter Vanacker (links)

Peter Vanacker: CABB unter Druck

Das Chemieunternehmen CABB mit Werk in Pratteln ist in den vergangenen zwei Jahren kaum aus den Negativschlagzeilen gekommen: Grund waren mehrere Havarien auf dem Firmengelände, die zum Glück keine Verletzten gefordert, aber eine Strafuntersuchung und Debatten um den Entzug der Betriebsbewilligung nach sich gezogen haben. CEO Peter Vanacker wechselte am Standort Pratteln einen Teil der Führung aus, gelobte Besserung und versprach Investitionen über insgesamt 85 Millionen Franken in die Optimierung der Anlagen und der Sicherheit.

Alleine 2018 will CABB, die vor allem als Zuliefererin der Agro- und Pharmaindustrie tätig ist, hier 40 Millionen investieren. Kein Pappenstiel – CABB ist mit über 300 Mitarbeitenden alleine in Pratteln in der Baselbieter Wirtschaft ein wichtiger Player. 2018 wird Vanacker den Beweis antreten müssen, dass vom «Problemwerk» keine Gefahr mehr ausgeht. (haj)

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Brigitte Müller-Kaderli

Brigitte Müller-Kaderli

Brigitte Müller-Kaderli: Bewährungsprobe naht

Die im Frühling 2017 gewählte neue Präsidentin der Baselbieter CVP gab sich in den ersten Monaten im Amt zurückhaltend. 2018 steht die Bewährungsprobe für die 41-jährige Parteichefin an: Sie muss klären, mit welchen Partnern die CVP in die kantonalen und eidgenössischen Wahlen geht, die 2019 anstehen. Zur Erinnerung: 2015 schlossen die Christdemokraten bei den Regierungswahlen im Frühjahr mit SVP und FDP die bereits klassische Büza, um so die Wiederwahl von Regierungsrat Anton Lauber zu sichern. Im Herbst bei den Nationalratswahlen setzte die CVP indes auf eine Listenverbindung mit den Mitte-Parteien BDP und GLP; so konnte die CVP den Nationalratssitz von Elisabeth Schneider-Schneiter retten.

Die Gespräche zu den Wahlen 2019 werden für Müller-Kaderli zum Spagat: Sie wird Koalitionen schmieden müssen, die sowohl vom eigenen Parteivolk für erfolgsversprechend gehalten als auch von den Partnerparteien links und rechts goutiert werden. Müller-Kaderli hat bereits klargestellt, dass sie persönlich «eher rechts der Mitte» politisiert. Dies spräche für einen stramm bürgerlichen Kurs. Als ehemalige EVP-Politikerin im Aargau wird sie freilich über die nötige Offenheit verfügen, um auch mit den Mitte-Parteien zu verhandeln. Im Moment ist Müller-Kaderli eine Wundertüte. Das wird sich bald ändern. (haj)

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Raphael Wicky

Raphael Wicky

Raphael Wicky: Hoher Speed beim FC Basel

Er ist jung, und er ist ganz neu im Business. Seine Ernennung zum Cheftrainer des FC Basel in einer Phase des kompletten Umbruchs im vergangenen Jahr war ein Risiko. Vielleicht gar das grösste der vergangenen Jahre. Aber die Art und Weise, wie der eloquente, authentische und sympathische Walliser in den ersten sechs Monaten als Trainer der besten Schweizer Fussballmannschaft aufgetreten ist, gibt der neuen Führung und Sportchef Marco Streller Recht. Und obwohl die Leistungen der Mannschaft phasenweise nicht stimmten, hat sich der FC Basel zum Ende der Hinrunde hin auf wundersame Weise gewandelt. Die Basler spielen wieder jenen Fussball, der Funken sprühen lässt und der entsprechend auch das erfolgsverwöhnte Publikum in Basel begeistern kann. Dank Wicky in variablen Systemen, hohem Speed und Basler Jugend.

Vor allem auf internationaler Bühne gab es wieder magische Nächte, an denen man in Basel gemessen wird. Für Wicky liegt nun der ganz grosse Ruhm drin – durchaus auch national: Holt Wicky im Sommer den Meistertitel trotz anfänglicher Krise, wird er für lange vermisste und intensive Emotionen auf dem Barfi sorgen und die anfänglichen Nörgler Lügen strafen.
Damit, davon sind wir überzeugt, wird der 40-jährige Wicky 2018 deutlich mehr bewegen als Double-Trainer Urs Fischer in den beiden Jahren vor ihm. (CFE)

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Monika Roth

Monika Roth

Monika Roth: Richterin über Banken und Delinquenten

Für Banken ist sie ein rotes Tuch: Professor Monika Roth, Dozentin der Hochschule Luzern, Spezialistin für Compliance-Fragen und Anwältin in Binningen. Unzimperlich klopft sie Finanzinstituten auf die Finger, wenn diese sich nicht an die Regeln der Good Governance halten. Selbst Organisationen wie die Stiftung Ethos, die für Investitionen in nachhaltige Entwicklungsprojekte steht, sind vor ihrer Kritik nicht gefeit. Unter Protest trat sie vor Monatsfrist aus dem Verwaltungsrat der Ethos Services AG aus, weil sie den Gang auf dem schmalen Pfad der Tugend durch den Präsidenten Dominique Biedermann nicht mehr gewährleistet sah.

Für grosse Schlagzeilen sorgt Roth nicht, dazu sind ihre Themen meist zu komplex. So hat sie beispielsweise vor einigen Jahren nachgewiesen, dass die Atomkraftwerke keine nachhaltigen Werte in ihrem Stilllegungs- und Entsorgungsfonds haben. Greenpeace reichte Strafanzeige gegen die Kraftwerke wegen Bilanzfälschung ein. Mit dem Kunstmarkt legte sich Roth an, als sie während der Art Basel aufzeigte, wie Kunst und Geldwäsche Hand in Hand gehen. Sie ist jedoch nicht nur mit grossen, sondern auch mit kleinen Fällen befasst. Dies als Vizepräsidentin des Strafgerichts Baselland. 2018 wird sie wieder auf nationaler Bühne auftreten: Als Mitglied des Initiativkomitees wirbt sie prominent für die Konzernverantwortungsinitiative. (cm)

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Christoph Eymann

Christoph Eymann

Christoph Eymann: Von wegen altersmilde

Christoph Eymann stand in seiner Zeit als Gewerbedirektor und als Basler Regierungsrat immer für eine gewisse Zurückhaltung. Seine Lieblingsredewendung «Am Ende des Tages geht es doch darum, dass ...» zeigte, es geht dem Pragmatiker um die Sache und um Resultate. Stets gab er sich konziliant und vermittelnd. Doch nun sitzt Eymann im Nationalratssaal in Bern und taucht in Basel vor allem dann auf, wenn es um Themen geht, die ihm am Herzen liegen. Und plötzlich spricht der Doyen der liberalen Amtsträger eine ungewohnt klare, harte Sprache. Insbesondere, wenn es um die Universität geht. Und um die Begehrlichkeiten des Baselbiets, bei dieser zu sparen.

Breitseite um Breitseite feuerte das Schlachtschiff des Basler Bildungsbürgertums über die Birs ab. Und stiess damit den einen oder anderen Baselbieter vor den Kopf. Aber auch sprayende Studenten, die gegen Sparmassnahmen demonstrierten, gerieten ins Visier des Politikers. Eymann hat offensichtlich seine vornehme Zurückhaltung aufgegeben und sich entschieden, vermehrt auf Konfrontationskurs zu gehen. Im Spätherbst seiner politischen Karriere ist der Charmeur alles andere als altersmilde geworden. Das passt längst nicht allen, schadet aber dem generell eher zurückhaltenden Stadtkanton im neuen Jahr sicher nicht. (dre)

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Hannes Schweizer

Hannes Schweizer

Hannes Schweizer: Vor der Krönung

2019 ist für Hannes Schweizer Schluss: Dann darf er nach 16 Jahren nicht mehr zu den Landratswahlen antreten. Das Ende der politischen Karriere hat der Oberdörfer gut geplant: Ab Sommer 2018 wird er bis zum Legislaturende als Landratspräsident amten. Dass das Parlament ihm die Krönung zum «höchsten Baselbieter» verweigert, ist unwahrscheinlich: Als Coach und Captain des FC Landrat und Oberbaselbieter Landwirt in der SP nimmt er eine Brückenbauerfunktion wahr.

Der 65-Jährige ist ein Pragmatiker und Mann des Volks, der aus dem Bauch heraus politisiert. Das hat ihm schon Probleme bereitet: Als der Baukommissionspräsident den Vorschlag unterstützte, beim öV im Unterbaselbiet zu sparen, um so schlecht genutzte Buslinien im Oberbaselbiet zu retten, brandete ihm Kritik aus eigenen Reihen entgegen. Schweizer hat seine SPler nicht nur einmal verärgert. Doch mögen diese dem gmögigen Genossen jeweils nicht lange böse sein. (haj)

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Sandro Lunin

Sandro Lunin

Sandro Lunin: Südliches für die Kaserne

Die Kaserne Basel ist im Umbruch. Zumindest, was die künstlerische Leitung angeht. Carena Schlewitt, zehn Jahre lang Kaserne-Chefin, arbeitet ab dem neuen Jahr zu fünfzig Prozent für ihre neue Wirkungsstätte in Dresden. Jetzt gilt es ernst für ihren Nachfolger Sandro Lunin: Er ist dabei, sein erstes Programm zusammenzustellen. Ab Frühjahr wird er auch in Basel wohnen. Das Theaterfestival Ende August wird ad interim von Tobias Brenk kuratiert. Der Dramaturg wird danach seine Stelle freigeben. Lunin betont, dass es sich bei der Leitung der Kaserne um einen Traumjob handelt. Anders als beim Theaterspektakel in Zürich, das er zehn Jahre lang künstlerisch prägte, habe er nun mehr Zeit, Künstlerinnen und Künstler zu begleiten.

Der 59-jährige Zürcher gilt als ausgewiesener Kenner der internationalen Theaterszene, insbesondere seine jahrelange Förderung afrikanischer Künstler ist bemerkenswert. So darf das Basler Publikum einiges aus dem Süden der Welt erwarten. Normal wird Lunin das zurzeit bestimmende Genre der Freien Szene bedienen: das performative Theater. Inhaltlich darf man eine dezidiert politische Handschrift erwarten. (bal)

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Matthias Suhr

Matthias Suhr

Matthias Suhr: Kein angenehmer Flug

Halleluja, der Steuerstreit am Euro-Airport zwischen Frankreich und der Schweiz ist endlich Geschichte! Dass sich der Flughafendirektor Matthias Suhr nun auf ruhige Zeiten einstellen kann, ist indes reine Utopie. Suhr, der im September 2015 den Posten angetreten und sich bis anhin im Hintergrund gehalten hat, wird in diesem Jahr gezwungen sein, aus dem Schneckenhaus zu kommen: Der Druck, den Fluglärm über dem Dreiland einzuschränken, hat in den letzten Wochen enorm zugenommen. Es wird lauter denn je gefordert, die Betriebszeiten einzuschränken – was wirtschaftlich fatale Folgen hätte, da gerade Platzhirsch Easyjet auf diese Randzeiten besteht.

Wir sagen: Suhr wird es schaffen, die Betriebszeiten zu verteidigen. Ein angenehmer Flug wird das aber nicht. (RAK)

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Der Fasnächtler

Der Fasnächtler

Der Fasnächtler: Zurücklehnen gilt nicht!

Ohne ihn wäre die Unesco nie auf die Idee gekommen, die Basler Fasnacht zur Liste des
immateriellen Weltkulturerbes hinzuzufügen. Er ist es, dem Basel seinen schützenswertesten Anlass zu verdanken hat: der Fasnächtler.

Einen Oberfasnächtler gibt es nicht, auch das Comité ist nicht der Chef, selbst wenn es manchmal den Anschein machen könnte.

Nein, es ist jeder einzelne Teilnehmer, der die Chose ausmacht. Der Tambour im Grüppchen, jener im Stamm, der Waggis auf dem Wagen, der Pfeifer im Schyssdräggzüügli und jener in der Fasnachtsgesellschaft, der Schnitzelbänkler, der Helgenmaler, der Vorträbler, sie alle sind «der Fasnächtler».

Und dieser ist in der diesjährigen Ausgabe besonders gefordert. Erstmals wird im Februar eine Basler Fasnacht mit dem Unesco-Label über die Bühne gehen, Augen aus aller Welt werden mit aufmerksamem Blick den Anlass verfolgen und darüber urteilen, ob er diese Ehre auch wirklich verdient hat. Erst recht gilt jetzt, die Sujets mit viel Liebe, Hingabe und Leidenschaft auszuspielen, die Kostüme und Laternen prächtig zu gestalten, die Töne zu treffen.
Zurücklehnen gilt nicht: Fasnächtler, und natürlich auch Du, Fasnächtlerin, zeige der ganzen Welt, dass Du verdientermassen Unesco bist! (rut)