Lörrach
Oberbürgermeisterin von Lörrach plädiert für Flughafen-Bahnanschluss

Mit 49000 Einwohnern ist das südbadische Lörrach Basels grösste Nachbarstadt. Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm lobt die guten Beziehungen zu Basel, wobei das Spannungsverhältnis zwischen der Stadt und dem Umland bestehen bleibe.

Peter Schenk
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Gudrun Heute-Bluhm, Oberbürgermeisterin von Lörrach

Gudrun Heute-Bluhm, Oberbürgermeisterin von Lörrach

Kenneth Nars

Frau Heute-Bluhm, wie stehen Sie zum geplanten Bahnanschluss für den Euro-Airport (EAP)?

Gudrun Heute-Bluhm: Ich habe mich von Anfang an dafür stark gemacht. Zum einen ist es ein wichtiger Beitrag zur deutschen Infrastruktur und führt zu deutlich besseren Verbindungen zum Euro-Airport. Durch den Bahnanschluss wird das gesamte öV-Netz gestärkt. Zum anderen ist es eine Gelegenheit, sich beim binationalen Flughafen auch finanziell einzubringen.

Die rot-grüne baden-württembergische Regierung hat aber die Finanzierungszusage von zehn Millionen Euro für den EAP-Bahnanschluss zurückgezogen. Glauben Sie, dass das endgültig ist?

Ministerpräsident Kretschmann hat mir in einem Brief mitgeteilt, dass er am Sinn des Bahnanschlusses nicht zweifle. Es gebe aber finanzielle Engpässe und deshalb im aktuellen Haushalt keine Mittel dafür. Das müsse aber nicht immer so bleiben. Ich habe den Brief zur Sitzung der Vereinigung für den Bahnanschluss mitgenommen. Dort war man sehr erleichtert und hat darauf hingewiesen, dass die Mitfinanzierung des Landes Voraussetzung dafür wäre, dass auch die Region Elsass mitmacht, die die Hauptlasten der Verbindung tragen müsste.

Wenn der EAP-Bahnanschluss für Lörrach Sinn machen soll, müsste doch aber auch die S-Bahn-Verbindung aus dem Wiesental ausgebaut werden.

Dieses Thema verfolgen wir unabhängig vom EAP-Bahnanschluss. Es gibt dabei zwei Punkte. Erstens wollen wir eine Haltestelle beim Riehener Zoll mit einer Verbindung zum Tram und zum Weiler Bus; das wäre eine Art zusätzlicher grenzübergreifender Hub. Technisch hängt das eng mit dem zweiten Punkt zusammen, dem angestrebten Viertelstundentakt auf der S-Bahn-Strecke nach Lörrach.

Inwiefern?

Für die geplante Haltestelle Zollweg wie für den Viertelstundentakt braucht es zwischen Lörrach-Stetten und Riehen eine Doppelspurinsel. Wo genau, muss noch untersucht werden. Dafür benötigt man aber einen Auftrag der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) an die Deutsche Bahn; von alleine macht die nichts. Neben den Infrastrukturfragen liegt das Problem aber auch bei den Betriebskosten, da ein Viertelstundentakt deutlich teurer ist. Das wird das Land nicht so ohne weiteres bezahlen. Die sagen ja jetzt schon, wir hätten für unsere Grösse eine viel zu gute Infrastruktur.

Mit der Takterhöhung wäre die Stadt wegen der Bahnübergänge mit Schranken noch öfter in zwei Teile geteilt. Sie haben also auch ein lokales Problem.

Das stimmt. Das muss man abwägen. Wir träumen immer noch ein wenig davon, dass wir auf die Strassenbahnbetriebsordnung umsteigen und dann auf Schranken verzichten können.

Was halten Sie von der unteririschen Verbindung zwischen Bahnhof Basel SBB und Badischem Bahnhof durch die Basler Innenstadt, das sogenannte Herzstück?

Für uns wäre das ein Vorteil, weil wir schneller und direkter in die Basler Innenstadt und auch zum Bahnhof SBB kommen. Nach allem, was ich bisher gelesen habe, ist es besser, wenn man Umsteigeverbindungen im Zentrum realisiert. Basel leidet sicher darunter, dass beide Bahnhöfe eher peripher liegen.