«Normalerweise vertreten wichtige Leute wie Sie die Schweiz», erklärt Jael Bundespräsident Didier Burkhalter, warum sie so beeindruckt war. Am Freitag nahm sie in der Wiener Gustav-Adolf-Kirche stellvertretend für ihre Heimat die Flamme des Friedenslichts entgegen. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden Marko, Debby, Irina und Tim brachte sie es auf ihrer Kerze im Nachtzug in die Schweiz. Erst auf den Münsterplatz in Basel – und schliesslich bis nach Bern.

Das Friedenslicht wird in Liestal auf den Zug nach Bern getragen.

Das Friedenslicht wird in Liestal auf den Zug nach Bern getragen.

Umgehend erntet Jael für ihre Bescheidenheit ein Lachen vom Bundespräsidenten. «Alle Menschen sind wichtig», sagt Burkhalter. Nicht zuletzt deswegen steht Jael nun im Bundeshaus vor dem Magistraten. Auch Lichtträger aus der Romandie und dem Tessin sind gekommen.

Die Idee des Friedenslichts wurde 1986 im ORF Landesstudio Oberösterreich geboren. Seither entzündet jeweils kurz vor Weihnachten ein Kind in der Geburtsgrotte von Bethlehem ein Licht, das behütet von einer Laterne ins österreichische Linz geflogen wird – und in Wien ausschwärmt. Hier teilt es sich, um über 30 Länder Europas sowie Argentinien und die USA zu erreichen.

1993 leuchtete das Friedenslicht aus Bethlehem erstmals in der Schweiz. In diesem Jahr brennt es in mehr als 200 Schweizer Gemeinden. Das Friedenslicht soll einen motivieren, sich für Dialog und Frieden zu engagieren.

Zwei Bethlehem-Lichter in Bern

«Ich hoffe stark, dass diese Aktion etwas bewegt», sagt Marko im Zug nach Bern, «würden sich alle daran beteiligen, wäre die Welt bestimmt eine friedlichere.» Keine grossen Illusionen will sich Tim machen. «Wenn es aber nur schon wenige zum Nachdenken bringt, hat die Aktion etwas bewirkt», meint er. Für Thierry Moosbrugger, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche beider Basel sowie Begleiter der Gruppe, ist das Friedenslicht ein «tolles Symbol». Eines der besten, «weil man es nicht erklären muss». Gleich zwei Kerzen tragen das in Bethlehem entfachte Licht nach Bern. Damit das Echte erhalten bleibt, auch wenn eines davon erlischt.

Burkhalter beeindruckt seine Besucher. Er nimmt die jungen Lichtbringer persönlich in einem Seitenflügel des Bundeshauses in Empfang. Begrüsst jeden persönlich per Handschlag. Debby und Irina bestätigen, «es war schon ein kribbeliges Gefühl». Aber Burkhalter versteht es, mit seiner Gelassenheit den 14- und 15-Jährigen das Lampenfieber zu nehmen. Vor allem jenes von Jael, die von ihrem Erlebnis in Wien erzählt und jenes von Marko, der die besten Wünsche zu Weihnachten überbringt.

Der Bundesratsweibel schenkt im historischen Gehrock Süssmost aus. Alle kriegen eine kleine Samichlausen-Tüte und zum Schluss lädt der Bundespräsident seine Gäste auch noch ein, das Bundesratszimmer zu besuchen. Das Anliegen, welches das Friedenslicht zum Ausdruck bringe, «ist dem Bundesrat wichtig», sagt Burkhalter. Gerade jetzt «geht es darum, den Frieden zu bewahren». Damit spricht Bundespräsident Burkhalter mitunter die Lage in der Ukraine an. Moosbrugger erinnert sich: «Als in Wien die Delegation aus der Ukraine ihr Licht entgegen nahm, applaudierten die 1000 Anwesenden lautstark.» Eigentlich seien es sogar deren zwei Delegationen gewesen, eine habe die Grenze illegal überqueren müssen. Mit dem Ziel – Frieden.