Kulturpolitik
Obwohl sie selber darunter leiden: Basler Museen unterstützen Streikdrohung des Grossen Rates

Die fünf staatlichen Museen Basels unterstützen die Streikdrohung des Grossen Rats. Bis die Museumsstrategie vorliegt, soll alles still stehen – obwohl sie die Opfer sind, können es die Direktoren nachvollziehen.

Daniel Ballmer
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Die Museumsdirektoren wollen Klarheit.

Die Museumsdirektoren wollen Klarheit.

Kenneth Nars

Er könne die Streikdrohung aus dem Grossen Rat nachvollziehen, erklärt Andrea Bignasca. «Ohne genau zu wissen, was man politisch von den Museen verlangt, ob sich das mit den Realitäten vereinbaren lässt und in welche Richtung sie sich entwickeln sollen, sind zusätzliche Staatsausgaben vorerst ein Risiko», erläutert der Direktor des Basler Antikenmuseums. Ähnlich tönt es aus den anderen vier staatlichen Museen: Auch für sie sei es wichtig, dass in sämtlichen Problemzonen rasch Klarheit geschaffen werde. «Salamitaktik kommt auch hier nicht gut an», sagt Marc Fehlmann. Der Direktor des Historischen Museums spricht von einer «Geiselhaft einer bislang wenig erfolgreichen Museumspolitik».

«Mit dem Betriebsdefizit sind wir, seit der Neubau steht, ohnehin konfrontiert.» Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums

«Mit dem Betriebsdefizit sind wir, seit der Neubau steht, ohnehin konfrontiert.» Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums

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Es ist ein einmaliger Vorgang: Die Bildungs- und Kulturkommission (BKK) will zu den Museen keine regierungsrätlichen Vorlagen mehr verabschieden. Das Parlament droht mit Streik. Um zukunftsweisende Entscheide fällen zu können und nicht mehr nur Einzelmassnahmen treffen zu müssen, brauche es endlich Klarheit und einen Gesamtüberblick. «Uns fehlt schlicht die Grundlage für unsere Beschlüsse», hatte BKK-Vizepräsidentin Franziska Reinhard gegenüber der bz betont. «Aufgrund der regierungsrätlichen Museumspolitik sehen wir uns zu diesem Schritt gezwungen. Man lässt uns schlicht keine andere Wahl.»

«Wenn die Museumsstrategie bis Weihnachten vorliegt, haben wir nichts zu befürchten.» Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen

«Wenn die Museumsstrategie bis Weihnachten vorliegt, haben wir nichts zu befürchten.» Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen

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Negative Folgen zu befürchten

Die BKK steht damit nicht alleine da. In ihrem Jahresbericht fordert schon die Geschäftsprüfungskommission (GPK) das Parlament dazu auf, keine Beschlüsse zu den staatlichen Museen mehr zu fassen, bis die seit Jahren geforderte Museumsstrategie endlich vorliegt. Es brauche nun diese grosse Auslegeordnung. Immerhin gehe es um viel Geld. Zu viele Hiobsbotschaften rund um die Basler Museen haben für Unsicherheit und Unzufriedenheit gesorgt. So trat das Kunstmuseum wegen finanzieller Probleme mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit. Auch im Historischen Museum sind längst nicht alle Probleme gelöst. Daneben lässt die Neubesetzung der Abteilung Kultur sowie der Direktion des Naturhistorischen Museums weiter auf sich warten.

«Salamitaktik kommt auch hier nicht gut an.» Marc Fehlmann, Direktor des Historischen Museums

«Salamitaktik kommt auch hier nicht gut an.» Marc Fehlmann, Direktor des Historischen Museums

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Dass Museumsdirektoren die Streikdrohung unterstützen, lässt aufhorchen. Immerhin sind sie die Leidtragenden. Negative Folgen befürchtet Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann vorab für das Naturhistorische Museum, für welches gemeinsam mit dem Staatsarchiv ein Neubau beim Bahnhof St. Johann geplant ist. Zwar verspricht Ackermann regelmässig, dass die Strategie bis Ende Jahr vorliegen soll, für das Millionenprojekt aber dürfte das nicht reichen. «Natürlich würden wir uns wünschen, unser Projekt im geplanten Zeitrahmen und ohne grosse Verzögerungen weiter auszuarbeiten», sagen die beiden Interimsdirektoren Basil Thüring und David Alder unisono. Dennoch würden sie den Unmut der Grossratskommissionen verstehen, stünden bei den Museen doch einige entscheidende Fragen an.

«Natürlich würden wir uns wünschen, unser Projekt ohne grosse Verzögerungen weiter auszuarbeiten.» Basil Thüring, Interimsdirektor im Naturhistorischen Museum

«Natürlich würden wir uns wünschen, unser Projekt ohne grosse Verzögerungen weiter auszuarbeiten.» Basil Thüring, Interimsdirektor im Naturhistorischen Museum

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Auch für das mit Finanzproblemen konfrontierte Kunstmuseum könnte es unangenehm werden. Direktor Josef Helfenstein bleibt pragmatisch: «Mit dem Betriebsdefizit sind wir, seit der Neubau steht, ohnehin konfrontiert, und wir unternehmen alles, um mit dieser schwierigen Situation so gut wie möglich umzugehen.» Ähnlich tönt es von Anna Schmid: «Im Museum der Kulturen haben wir derzeit kein grosses Projekt anstehen. Wenn die Museumsstrategie bis Weihnachten vorliegt, haben wir nichts zu befürchten.» Anders sehe es aus, wenn der Grosse Rat hart bleibt und das Budget nicht verabschiedet.

Widersprüchliche Aufträge

Probleme sieht Direktor Fehlmann auch auf das Historische Museum zukommen: «Bei unserem Haus gibt es grosse Herausforderungen in der Infrastruktur.» Er spricht damit den Depotbereich an. «Die unmittelbaren Folgen aus dem Investitionsstau der letzten fünf Jahre sind besorgniserregend.» Als Leidtragender sieht Fehlmann aber gerade auch das Staatsarchiv, das jedes Jahr riesige Aktenvolumen übernehmen muss. «Hier vergrössert man mit dem Streik ein akutes Platzproblem, zwingt aber zugleich, in Alternativen zu denken, wenn es mit dem Neubau nicht vorwärtsgeht.»

«Ohne genau zu wissen, was man politisch von den Museen verlangt, sind zusätzliche Staatsausgaben vorerst ein Risiko.» Andrea Bignasca, Direktor des Antikenmuseums

«Ohne genau zu wissen, was man politisch von den Museen verlangt, sind zusätzliche Staatsausgaben vorerst ein Risiko.» Andrea Bignasca, Direktor des Antikenmuseums

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So sei die Museumsstrategie wegen der mehrschichtigen Unsicherheiten im Kultursektor entscheidend, betont Bignasca. «Aktuell ist der alte Auftrag widersprüchlich.» Die Museen sollten bei Infrastruktur und Programm ausbauen, die dafür nötige finanzielle Grundlage sei aber nicht gegeben, die Strukturen seien teilweise veraltet und personell bewegen sich die Häuser in gewissen Sparten am Rande der Möglichkeiten. Für Fehlmann ist die Streikdrohung der Grossratskommissionen denn auch ein Versuch, eine visionäre Gesamtlösung zu fordern und zu fördern «und bereits im Vorfeld lauwarme, nichtssagende Euphemismen zu verhindern».