Landhof

Öffentlichkeit ist nötig - das zeigt gerade die Verwirrung um die Landhof-Jury

Am Montag fand zum ersten Mal in Basel eine öffentliche Jurysitzung eines Projektwettbewerbs statt. Allerdings wurden die Regeln ständig verändert, so dass es zufällig war, wer auf welche Weise über die Jurysitzung berichten konnte. Öffentlichkeit heisst auch: Klare Regeln und vor allem gleiche Regeln für alle.

Es war eine Premiere für Basel: Zum ersten Mal konnte die Öffentlichkeit die letzte Jurysitzung eines Projektwettbewerbs mitverfolgen. Die Art und Weise allerdings, wie diese Schlussevaluation des Wettbewerbs für die Neugestaltung des Landhofs der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, ist bezeichnend und hinterlässt Fragezeichen.

Zunächst wollte das Baudepartement die Medien nur zulassen, wenn die Journalisten ihre Berichte der Jury zur Freigabe vorlegen. Die «Schweiz am Sonntag» titelte deshalb empört: «Basler Baudepartement greift zur Zensur wie im 2. Weltkrieg».

An der Jurysitzung selbst beruhigte Baudirektor Hans-Peter Wessels die Medien dann allerdings: Da sei die Verwaltung etwas übereifrig gewesen, er selbst habe an der Sitzung, an der das beschlossen worden sei, gar nicht teilgenommen. Der Journalistin der bz erklärte Wessels kurz und bündig: «Schreiben Sie, was Sie wollen.»

Das war allerdings nicht ganz einfach. Denn die Öffentlichkeit wurde auf eher zufällige Art und Weise hergestellt. Zunächst hiess es, die öffentliche Jurysitzung finde statt von 9.30-11.45 Uhr und von 14.00-17.00 Uhr. Während des Mittagessens scheint es den Juroren allerdings nicht mehr ganz geheuer gewesen zu sein. Sie begannen am Nachmittag früher als angekündigt und sperrten das Publikum um 15 Uhr wieder aus. Der Basler Blog Infamy beschwert sich ausführlich darüber.

Am Morgen lautete die Devise: Fotografieren verboten, auch nicht per Handy. Dieses Verbot wurde aber im Laufe des Tages gelockert, vergessen oder über Bord geworfen. Auf jeden Fall wurde die BaZ nicht daran gehindert, gegen die Regeln die Projekte abzufotografieren. Das Resultat: Die BaZ ist in der Lage, Fotos zu zeigen, der Fotograf der bz kam für die improvisierte Fotosession zu spät. Die bz muss sich mit einem Bild des realen Landhofs begnügen.

«Wir üben noch», erklärte Wessels gegenüber dem Regionaljournal von Radio SRF. Üben ist auch dringend nötig. Denn damit Öffentlichkeit hergestellt werden kann, benötigt es nicht bloss eine zu einem zufälligen Zeitpunkt offene Türe, sondern auch klare Regeln (und zwar für alle Medien dieselben Regeln).

Am Rand der Jury-Sitzung wurde auch klar, warum das Öffentlichmachen solcher Auseinandersetzungen heikel ist. Es kommt dabei nämlich zu einem Aufeinandertreffen von Fachleuten und Nutzern. Beide nehmen einander nicht für voll. «Während die Fachpersonen den gestalterischen Gesamteindruck sowie die Qualität der Idee und deren Umsetzung im Vordergrund sehen, betonen die Nutzervertreter eher praktische Aspekte», schreibt unsere Journalistin in der bz.

Genau da liegt wohl der Hund begraben: Fachleute müssten sich gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen, ihre Argumente erklären und erläutern. Und das wollen sie offenbar nicht. Die Nutzer andererseits sind nicht bereit, über den eigenen Nasenspitz und die eigene Nutzung hinaus zu denken und gestalterische Argumente zu berücksichtigen. Genau diese Auseinandersetzung zwischen Nutzung und Ästhetik ist es aber, welche für die Öffentlichkeit wichtig ist.

Wir wünschen uns deshalb weitere öffentliche Jurysitzungen in Basel - aber bitte das nächste Mal mit klaren Regeln, eingehaltenen Öffnungszeiten und gleichen Bedingungen für alle teilnehmenden Medien. Sonst besteht die Gefahr, dass jene teilnehmenden Fachleute, welche die öffentliche Diskussion scheuen, Recht erhalten und die Öffentlichkeit dem Prozess mehr schadet als nützt.

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