Basel

Oeri über FC Basel: «Bin wie Mutter, die ihr Kind zur Adoption freigegeben hat»

Die ehemalige FC-Basel-Präsidentin lebt heute auf Ibiza.

Die ehemalige FC-Basel-Präsidentin lebt heute auf Ibiza.

Gigi Oeri nimmt am Samstag die Einweihung des FC-Basel-Campus vor. Die heute auf Ibiza lebende Mäzenin und ex-Präsidentin des Fussballklubs sagt, wieso der neue Campus so wichtig ist für den Verein.

Frau Oeri, am Samstag ist die Einweihung des FCB-Campus. Vor zwei Jahren war der Spatenstich und im letzten Winter die Aufrichte. Ist dies nun für Sie der Höhepunkt?

Gigi Oeri: Das würde ich nicht sagen – ich bin ja heute nicht mehr unmittelbar am Puls des Vereins. Seit meinem Rücktritt als FCB-Präsidentin vor knapp zwei Jahren komme ich mir irgendwie vor wie eine Mutter, die ihr Kind zur Adoption freigegeben hat. Ich will nicht sagen, dass es mir weh macht. Der wahre Höhepunkt war für mich aber der Tag, an dem die Beteiligten ihre Unterschriften unter das Projekt setzten und klar war: Es steht dieser Vision nichts mehr im Weg.

Sie sprechen gerne von Visionen. Mit welcher Vision starteten Sie dieses Projekt «FCB-Campus»?

Für mich war wichtig, dass der FC Basel auch langfristig Spieler aus der eigenen Nachwuchsabteilung in der ersten Mannschaft integrieren kann. Selbstverständlich stehen meine Visionen heute nicht mehr im Vordergrund. Mittlerweile haben andere das Sagen. Aber ich hoffe natürlich, dass dieser Campus nicht umsonst gebaut worden ist. Für mich nahm die Juniorenförderung immer eine sehr wichtige Rolle ein. Ich wollte nicht, dass sich die Junioren zwischen Baracken hin- und herbewegen müssen. Auf einem solchen Campus, das ist ein Riesenvorteil, ist nicht nur alles moderner. Die Wege sind auch kürzer: Der Trainer, die Coaches und die Physios sind nah beieinander.

Mit 18 bis 20 Millionen Franken Baukosten hat der FCB nun auch beim Juniorencampus für Schweizer Verhältnisse neue Massstäbe gesetzt. Wie steht Basel im internationalen Vergleich da?

Nimmt man etwa den Campus des FC Barcelona, den ich übrigens sehr gut kenne, haben wir hier einen Vorteil: die Nähe zum Stadion der ersten Mannschaft. In Barcelona ist man nicht in Gehdistanz zum Stadion. Hier in Basel gibt dies den jungen Talenten die Möglichkeit, hautnah an ihren Idolen zu sein – und vielleicht mal einen Kaffee mit ihnen zu trinken. Gleichzeitig ist klar, dass die Infrastruktur nicht zu vergleichen ist mit derjenigen des FC Barcelona oder vieler englischer Clubs.

Es gibt ja auch die Kritik an einer derart intensiven Frühförderung. Wenn die Jugendlichen nur Fussball im Kopf haben, würde die Entwicklung der Persönlichkeit auf der Strecke bleiben.

Zum Glück geht der Trend ja wieder weg von der Idealvorstellung, dass die Jugendlichen 24 Stunden Gras riechen müssen. Wer auf dem Campus wohnt, besucht ja auch eine Lehre und hat ein Leben neben dem Fussball. Wer in unmittelbarer Nähe wohnt, bleibt zu Hause bei seinen Eltern.

Wird der FCB nun mit dem Campus zur internationalen Spitze aufschliessen, vielleicht sogar mal die Champions League gewinnen?

Jeder, der ein bisschen Grips hat, weiss, dass der FCB die Champions League nie gewinnen wird. Der Verein kann stolz darauf sein, was er in den vergangenen Jahren erreicht hat. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Verhältnisse in der Schweiz bescheidener sind. Wir können uns nun mal nicht mit Bayern messen.

Besuchen Sie eigentlich noch die Spiele des FC Basel?

Zunächst muss ich sagen, dass ich nach meinem Rücktritt als Präsidentin einen dicken Schlussstrich gezogen habe. Es waren 10 schöne Jahre. Aber ich bin der Meinung: Es gibt nichts Schlimmeres als ehemalige Chefs, die sich nach ihrem Rücktritt noch einmischen. Dass ich nicht mehr an die Spiele gehe, hat einen simplen Grund: Mittlerweile lebe ich auf Ibiza und habe ein neues Projekt.

Auch auf dieser Insel haben Sie einen Campus gebaut.

Genau, aber nicht für Fussballer, sondern für Tiere. Auf Ibiza gibt es rund 1500 heimatlose Hunde. Es gibt zwar auf der Insel Tierheime, aber die sind in einem schlechten Zustand. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, die Vermehrung dieser Tiere zu stoppen – denn das ist Hauptproblem. Viele können sich nicht leisten, ihre Hunde kastrieren zu lassen.

Was sich viele Fans fragen: Werden Sie den FCB wieder mal als Mäzenin unterstützen?

Im Moment gefällt es mir sehr gut auf Ibiza. Wir haben ja schliesslich 362 Tage Sonnenschein im Jahr. Nachdem, was Sie in der Schweiz im Frühling durchmachen mussten, sehne ich mich nicht zurück. Zum anderen engagiere ich mich nur dort finanziell, wo ich tatsächlich auch tätig bin und mich einbringe. Mit der FCB-Zeit habe ich abgeschlossen.

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