Am Mittwoch hat der Nationalrat 6,4 Milliarden Franken für Eisenbahnprojekte gesprochen, dies im Rahmen der Fabi-Vorlage. Beim vorgesehenen Ausbau des Eisenbahnknotens Basel liegen entscheidende Bauwerke auf Baselbieter Boden. Laut Jörg Jermann, dem öV-Beauftragen des Kantons, wurde die Region mit dem Fabi-Paket genügend berücksichtigt: In der Nordwestschweiz sind Projekte im Umfang von 900 Millionen Franken vorgesehen, hinzu kommt ein «Zückerchen» in der Höhe von 100 Millionen Franken – der Doppelspurausbau im Laufental hingegen lässt noch länger auf sich warten. (siehe Box)

Jörg Jermann, der Nationalrat sprach 6,4 Milliarden Franken für den Bahnausbau. Wann fährt die S-Bahn zwischen Basel und Liestal im Viertelstundentakt?
Jörg Jermann:
Laut dem jetzigen Stand wird das 2025 möglich sein.

Und wann kommt der Doppelspurausbau im Laufental?
Sie sprechen den einzigen Wermutstropfen an: Wir wollten den Doppelspurausbau in den ersten Ausbauschritt der Fabi-Vorlage integrieren, dieser wäre bis 2025 erfolgt. Das ist uns nicht gelungen. Der Ausbau ist in einem zweiten Schritt zwischen 2025 bis 2040 projektiert. Dafür sind 100 Millionen Franken vorgesehen. Wir brauchen den Ausbau aber früher. Das haben wir zusammen mit den anderen betroffenen Kantonen gegenüber dem Bund klar signalisiert.

In der Vergangenheit war die Region Basel bei Bahninfrastruktur-Projekten nicht gut vertreten – sie stand sprichwörtlich ein wenig auf dem Abstellgleis. Sind Sie mit der verabschiedeten Vorlage zufrieden?
Ja! Wir – und damit meine ich die ganze Region Basel – sind bei den Bahn-Ausbauplänen gut weggekommen. 900 Millionen sind für Projekte in der Region vorgesehen. Das ist adäquat.

Welche Projekte sind das?
Da ist einmal die Entflechtung der Ostausfahrt Basel SBB, das betrifft Muttenz. Dann ist das vierte Gleis im Bahnhof Liestal in der Fabi-Vorlage vorgesehen: Dieses ist Voraussetzung für den Viertelstundentakt Basel – Liestal. Dann wurde die Entflechtung Pratteln vorgezogen: Sie war ursprünglich erst in der Phase 2025 bis 2040 vorgesehen und kommt jetzt früher. Das freut uns besonders.

Das Bundesamt für Verkehr rechnet in den Agglomerationen mit einem Anstieg der Nachfrage in der Höhe von rund 60 Prozent im Vergleich zu 2007. Ist diese Zahl nicht zu hoch gegriffen?
Nein, wir rechnen ebenfalls mit den Zahlen des Bundes. Dieses Szenario umfasst natürlich auch den Ausbau des Angebots, wie es die Fabi-Vorlage vorsieht. Die Zahl ist zwar auf die ganze Schweiz hochgerechnet, aber auch wir hatten in der Region ähnliche Nachfragesprünge – oder sogar noch grössere.

Wo war das der Fall?
Im Jahr 2001 verdoppelten wir mit der Einführung des Halbstundentakts die Kapazität bei der S3 zwischen Basel und Laufen. Seither ist die Nachfrage um 150 Prozent gestiegen. Ein zweites Beispiel: Im Ergolztal hatten wir nach Kapazitätssteigerungen ein Wachstum im Rahmen von 50 bis 60 Prozent zu verzeichnen.

Der Nationalrat sprach am Mittwoch überraschenderweise zusätzliche 100 Millionen für den Ausbau der Hochrhein-Strecke zwischen Basel und Schaffhausen. Entlastet dies die Region?
Eine grosse Entlastung bringt das nicht, aber vor allem die Elektrifizierung der Strecke ist elementar: Wir wollen den Abschnitt Basel–Grenzach-Wyhlen–Waldshut in die Regio-S-Bahn integrieren. Ohne Elektrifizierung hätte das nicht geklappt. Insofern war dies das Zückerchen für die Region.

Apropos S-Bahn: Das Herzstück wird in der Fabi-Vorlage mit keinem Wort erwähnt!
Das ist korrekt. Zur Zeit rechnen wir damit, dass das Herzstück in das Agglomerationsprogramm des Bundes einfliesst. Wir hoffen natürlich, dass das Projekt prioritär behandelt und in die Fabi-Vorlage integriert wird. Wir erwarten in den nächsten Wochen vom Bund entsprechende Aussagen. Klar ist, dass sich der Bund erheblich beteiligen muss. Alleine können die beiden Basel den Tunnel nicht finanzieren.