Offbeat Basel
Franco Ambrosetti geniesst die Freiheit der zwei Wege

Der Tessiner Jazzer Franco Ambrosetti feiert bei Offbeat in Basel seinen 80. Geburtstag. Mit hochkarätigen Gästen.

Stefan Strittmatter
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Franco Ambrosetti war Industrieller von Beruf und bleibt Jazzer aus Berufung.

Franco Ambrosetti war Industrieller von Beruf und bleibt Jazzer aus Berufung.

Zvg

Franco Ambrosetti hat die Musik in die Wiege gelegt bekommen. Aber auch die Alternative dazu. Entschieden hat sich der 1941 in Lugano geborene Franco schliesslich für beide Wege, die ihm sein Vater Flavio vorgelebt hat: für den Jazz zum einen, für das geregelte Berufsleben als leitender Industrieller zum anderen. Beides mit Erfolg.

So hatte der Sohn im Familienunternehmen Ambrosetti Technologies, das er 1973 vom Vater übernahm und bis zum Verkauf 2000 leitete, mehrere hundert Angestellte unter sich. Zugleich war Ambrosetti junior, der an der Universität Basel Wirtschaft studiert hat, vorübergehend Präsident der Handels- und Industriekammer des Kantons Tessin.

Mehr als ein schönes Hobby

Ambrosettis Berufung hingegen war zeitlebens die Musik. Als Teenager genoss er eine klassische Klavierausbildung, wechselte später zu Trompete und Flügelhorn im Selbststudium und bestritt mit 20 Lenzen bereits seine ersten professionellen Konzerte in Mailand. Die 18 Alben umfassende Diskografie – nicht mitgezählt die Filmsoundtracks – ist ein Indiz dafür, dass der Jazz für Franco Ambrosetti mehr als ein schönes Hobby war. Vor allem, wenn man sich die Besetzung anschaut: Grössen wie Michael Brecker, John Abercrombie, John Scofield oder Jack DeJohnette sind nur eine kleine Auswahl der Stars, mit denen Ambrosetti sich das Studio oder die Bühne teilte.

Doch auch abseits des Rampenlichts machte sich Franco Ambrosetti um den Jazz verdient: So war er massgeblich an der Gründung des Jazzfestivals Lugano beteiligt und führte über drei Jahrzehnte lang durch eine eigene Jazzsendung beim Tessiner Radio RSI. Auch in Basel hat der Musiker, dessen Wege sich mehrfach mit jenen von George Gruntz kreuzten, Spuren hinterlassen. So prägte er in den Siebziger- und Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts die Konzertreihe «Jazz at Midnight» im Theater Fauteuill.

Ein Strauss Balladen

Suche nach dem perfekten Klang: Ambrosetti zelebriert heute vermehrt die stimmhaften und langen Noten.

Suche nach dem perfekten Klang: Ambrosetti zelebriert heute vermehrt die stimmhaften und langen Noten.

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Der Spieltrieb bleibt dem Tessiner kurz vor seinem 80. Geburtstag erhalten, wie man auf dem im vergangenen Jahr eingespielten Album «Lost Within You» nachhören kann. Die erneut hochkarätig besetzte dreitägige Session in New York hat einen Strauss Balladen hervorgebracht, in dem der Bandleader sein Flügelhorn erstrahlen lässt. Damit vollzieht Ambrosetti weiter die Abkehr vom Hard Bop, den er in jungen Jahren zelebriert hat. Zählten für den Instrumentalisten einst die Anzahl der gespielten Noten, so geht es ihm längst darum, einen gehaltenen Ton so stimmhaft erscheinen zu lassen, wie es unter anderem Miles Davis gelang. Sein Vorbild soll über ihn einst folgendes Urteil gefällt haben: «Er kann alles spielen. Ich mag ihn.» Aus dem Munde des notorisch kritischen Trompeters kommt dies einem Ritterschlag gleich.

Ein gutes Stück Zeit und Aufwand

Dass ihm die Geburtstagsgala zu Ehren Ambrosettis im Rahmen von Offbeat Basel eine Herzensangelegenheit ist, daraus macht Veranstalter Urs Blindenbacher auf Anfrage keinen Hehl. In die Organisation des «Franco Ambrosetti Birthday Gala Concert» hat Blindenbacher ein gutes Stück Zeit und Aufwand investiert. So lässt er mit John Scofield, Uri Caine, Scott Colley und Peter Erskine eigens ein paar Hochkaräter einfliegen. Für ein Exklusivkonzert, das sich ohne die Sponsoren nicht rechnen würde, wie er offen zugibt.

Selbst der Geehrte persönlich habe «wesentlich» zur Finanzierung des Abends beigetragen, heisst es. Das Doppelleben als Industrieller gewährt Ambrosetti nun also auch im Ruhestand gewisse Freiheiten, die er für seine Kunst zu nutzen weiss. Und wer herausfinden will, ob das Jazzgen den Ambrossetis wirklich im Blut liegt, der achte sich am Konzert auf den Saxofonisten: Mit Gianluca Ambrosetti steht nämlich Francos Sohn auf der Bühne.

«Franco Ambrosetti Birthday Gala Concert»
Volkshaus Basel, Donnerstag, 25. November, 20.15 Uhr.
www.offbeat-concert.ch

Franco Ambrosetti hat sich selber an der Finanzierung des Gala-Abends beteiligt.

Franco Ambrosetti hat sich selber an der Finanzierung des Gala-Abends beteiligt.

Zvg

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