Ozeanium
Offene Fragen: Das Basler Ozeanium löst nicht nur Euphorie aus

Seit gestern ist bekannt, wie das neue Ozeanium des Zolli Basel aussehen wird. In politischen Kreisen tauchen einige Bedenken gegenüber dem Projekt auf. Tiergerechte Haltung steht da weit oben auf der Liste.

Muriel Mercier
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Auf dieser Fläche der Heuwaage soll das Ozeanium ab 2016 gebaut werden.

Auf dieser Fläche der Heuwaage soll das Ozeanium ab 2016 gebaut werden.

Kenneth Nars

Ob das Ozeanium gebaut wird, steht noch in den Sternen. Zwar gibt es direkt keine Gegenstimmen, eine grosse Euphorie ist in politischen Kreisen auch nicht auszumachen. Kritische Fragen könnte man die Reaktionen nennen. Immerhin steht seit gestern fest, wie es in sieben Jahren daherkommen soll: Ein monolithartiges Gebäude soll es werden, ein Teil des Aquariums befindet sich unter dem Boden, der andere ragt in den Himmel. Nun muss zuerst das Architektenteam des «Seacliff» ein Vorprojekt erarbeiten. Danach muss der Regierungsrat einen genauen Bebauungsplan beschliessen, den drittens der Grosse Rat absegnen muss. Theoretisch wären ein Referendum und eine Volksabstimmung möglich.

Überfischung zum Thema machen

Mirjam Ballmer, Co-Präsidentin der Grünen und Mitarbeiterin von Pro Natura, zählt ihre Bedenken auf. «Der Zolli setzt mit dem Ozeanium auf Bildung und Nachhaltigkeit. Aber kann er die Tiere wirklich nachhaltig und artgerecht halten?» Sie spricht die Korallenfische an. «Es gibt Arten, die nur in der freien Natur entnommen werden können. Warum werden im Ozeanium nicht nur die Fische gezeigt, die man hier züchten kann?» Ballmer schlägt vor, nicht züchtbare Meerestiere den Besuchern anhand von virtuellen Installationen vorzustellen. «Ein Problem ist die Überfischung. Der Zolli soll das zum Thema machen und die Leute zum Handeln auffordern.»

Auch Grossrat Heiner Vischer (LDP) erkennt heikle Aspekte. «Es ist klar, dass eine Institution wie der Zolli wachsen muss. Ob ein Ozeanium das richtige Projekt ist, kann ich nicht abschätzen.» Der Meereswissenschaftler weiss, dass in der Zusammensetzung des Meerwassers kein kleiner Fehler auftauchen darf, da sonst die Tiere sterben. Des Weiteren spricht er die Kosten an - für den Bau des Aquariums sind laut Verwaltungsratspräsidentin Elisabeth Simonius bis zu 80 Millionen nötigt. «Sind die Unterhaltskosten inbegriffen?», fragt sich Vischer schulterzuckend.
Urs Müller ist ebenso verunsichert. Der Basta-Grossrat hatte sich gegen das Projekt «Multiplex-Kino» auf der Heuwaage gewehrt, über das das Volk 2003 abstimmte - und das bachab geschickt wurde. «Mein Problem beim Kinogebäude war ein architektonisches, denn es handelte sich um einen Klotz. «Jetzt geht es mir um artgerechte Tierhaltung. Das kann ich nicht abschätzen.»

Tiere werden gezielt gefischt

Zu all diesen Bedenken hat Ozeanium-Projektleiter Thomas Jermann Antworten. «Wir schleppen keine Korallen an, die wir nicht selber hier halten können.» 95 Prozent der Korallenstöcke werden im Vivarium gezüchtet. Zudem würden Händler nur genau so viele Fische aus dem Meer holen, wie bestellt werden. «Ausserdem schliessen wir uns einem Projekt in Ostasien an, wo Leute geschult werden, Korallen nachhaltig zu züchten, sodass sie vom Handel leben können.»
Einstimmig aber sind Mirjam Ballmer, Heiner Vischer wie auch Urs Müller nicht gegen das Projekt Ozeanium. «Ich gewinne dem Grossaquarium viel positives ab», fasst Müller zusammen.

Ohne 80 Millionen keinen Bau

Ob das Ozeanium 2019 eröffnet werden kann, liegt nicht nur in den Händen der Regierung. Die Kosten von bis zu 80 Millionen müssen zusammengetragen werden. Das Konto steht auf null - Verwaltungsratspräsidentin Elisabeth Simonius ist aber zuversichtlich: «Wenn wir den Betrag nicht zusammenkriegen, können wir nicht bauen. Aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen.»