Abstimmungskampagne

Offensive gegen Ozeanium: «Zolli ist keine Arche Noah für zerstörte Riffe»

Die Vertreter des Komitees «Nein zum Ozeanium» blasen zum Angriff. Am Donnerstag eröffneten sie offiziell ihren Abstimmungskampagne.

«Wir müssen die Meere dort schützen, wo sie sind», fordert Vera Weber mit fester Stimme. Die Präsidentin der Fondation Franz Weber und weitere Ozeanium-Gegner, zu denen unter anderem der VCS beider Basel gehört, luden am Donnerstag zum Auftakt ihrer Abstimmungskampagne. «Es handelt sich um ein veraltetes Konzept, Tiere tausende Kilometer um die Welt zu transportieren», meint Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher. Vielmehr sei es wichtig, die natürlichen Lebensräume dieser Tiere zu erhalten. Die 4649 Unterschriften für das Referendum gegen das Ozeanium hätten gezeigt, dass in der Basler Bevölkerung ein breiter Zuspruch für ihr Anliegen vorhanden sei.

Umstrittener Bildungsauftrag

Zum Argument der Befürworter, das Ozeanium würde einen Bildungsauftrag wahrnehmen, haben die Gegner eine ganz andere Haltung. «Der Zolli ist nicht die Arche Noah für zerstörte Riffe», so Grossenbacher. Schon seit fast fünfzig Jahren existiere das Vivarium im Basler Zoo.

Dennoch habe man es nicht geschafft, ausreichend auf die Bedrohung der Meere aufmerksam zu machen. «Wieso soll das beim Ozeanium der Fall sein?», fragt sich Grossenbacher. Ebenso sei der zu erwartende Energieverbrauch des Projekts nicht mit dem Energieziel der Basler Regierung zu vereinbaren. «Obwohl der Zolli seit einigen Jahren versucht, den Energieverbrauch zu senken, macht er mit dem Ozeanium all seine Bemühungen wieder kaputt.» Dennoch hebt Grossenbacher hervor: «Wir treten nicht gegen den Zolli an, sondern gegen das Ozeanium-Projekt.»

Für die Gegner des Grossaquariums spielt auch der Tier- und Umweltschutz eine grosse Rolle. «Die Meere sind durch den Klimawandel und menschliches Handeln stark gefährdet. Fast fünfzig Prozent der Korallenriffe sind in den letzten dreissig Jahren praktisch gestorben», sagt Meeresbiologin Monica Biondo. Bei diesen Riffen handle es sich um die Kinderstube für einen Drittel der Speisefische. Auch die Überfischung und die umstrittenen Fangpraktiken seien ein grosses Problem. Über vierzig Millionen marine Zierfische würden für die Aquarium-Haltung aus den Meeren gezogen. Dabei werden die Fische nicht dazugerechnet, die auf dem Transportweg auf der Strecke bleiben. Obwohl es schon lange verboten sei, würde man immer noch brutale Fischereipraktiken anwenden, so Biondo.

Problem mit dem Transportweg

Da der Handel nicht international überwacht und reguliert wird, kann man die genaue Herkunft und den Transportweg nur schwer nachverfolgen. «Auch wenn man einen Exporteur kennt, kann man nie sicher sein, was mit den Fischen auf dem Weg passiert und wie viele von ihnen beim Transport gestorben sind», so Biondo. Genau diese Mortalität in der Handelskette sehen die Ozeanium-Gegner als grosses Problem. «Bis zu achtzig Prozent der Fische können sterben, bevor sie im Aquarium ankommen», sagt Biondo.

Ebenso fragen sich die Gegner, wie der Verkehr rund um den Ozeanium-Grossbau geregelt werden soll. «Es muss dringend ein überzeugendes Verkehrskonzept her», fordert Nathalie Martin, Vizepräsidentin des VCS beider Basel. Das Ozeanium werde jedes Jahr 300 000 Besucher-Autofahrten auslösen, es belaste das Klima und die Basler Quartiere. «Wir wehren uns deshalb gegen das Projekt», so Martin.

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