Narrekappe

Oh, dieses Baseldytsch!

Comité-Schnitzelbängg 2019 im Stadttheater Stroossewischer.

Eigentlich ist diese Fasnacht ein grandioses Literatur-Festival. Übers Jahr ist unsere Muttersprache wohl hie da ein wichtiges Thema für Diskussionen und Kontroversen. So etwa, als es soeben darum ging, welches Deutsch in unserem Grossen Rat gesprochen werden soll. Und dass unsere Volksvertreter genötigt werden sollen, ihre schriftdeutschen Manuskripte in holprigen Dialekt vorzutragen. Aber wirkliche Urständ feiert das Baseldytsch/-dütsch/-deutsch seit Jahren an den drei schönsten Tagen.

Wobei man nicht vergessen sollte, dass noch vor nur hundert Jahren die Zeedel, Schnitzelbängge und Verse an den Monstre-Trommelkonzerten in rassenreinem Hochdeutsch – heute Standardsprache genannt – verfasst wurden. 

Auch in diesem Jahr sind gegen zweihundert Zeedel gedichtet worden. Etwa tausend Schnitzelbangg-Verse dürften es auch sein. Dazu kommen unzählige Verse oder Lieder an den Vorfasnachts-Veranstaltungen. Die Zahl der Laternenverse und der gereimten oder nicht gereimten Texte auf Wagen und Requisiten wagen wir gar nicht zu schätzen. Die Standardsprache, zu der unsere Kinder nach dem Willen mancher Bildungs-Gurus und Politiker am liebsten schon im Kindergarten durchgängig verdonnert werden sollten, ist ganz ausgeschlossen.

Was hingegen den Dialekt betrifft, so wünschen sich die Urbaslerinnen und –basler, oder jene, die es sein wollen, ein rassenreines Baseldytsch. Was immer das auch sein soll. Das ist eben gar nicht so einfach. Einerseits geht es um die Wortwahl. Gerne werden veraltete Ausdrücke aus jenem antiquierten Sprachschatz ausgegraben, der bestenfalls noch wenigen Angehörigen alter Basler Familien geläufig ist. Das Baseldeutsch-Standardwerk von Rudolf Suter wird nie so fleissig aus dem Bücherschaft geholt, abgestaubt, konsultiert und zitiert.

Hingegen wird dann aber die «Suter-Grammatik» vergessen. Dazu kommt noch das «Neue Baseldeutsch Wörterbuch» (2010). Dieses wird seit seinem Erscheinen missverstanden, da es nämlich anders als Suter’s Fibeln keine Anleitung zu tradiertem Baseldeutsch sein will, sondern einfach eine wissenschaftliche Auslegung ist, mit der zum Verständnis und für die Nachwelt festgehalten wird, wie heute tatsächlich bei uns gesprochen wird. Und so gerät die Fasnachts-Literatur halt immer wieder zum «Bahnhofbuffet Olten»-Dialekt.

Ein anderes Thema ist die Schreibweise. Jede Linguistiker-Generation erfindet, wie ja auch beim Duden, wieder neue Regeln um die Normalverbraucher verwirren. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wenn man möglichst viele «y» verwendet, so ist dies noch lange kein besseres Baseldeutsch. Da wird dann das «für» zu «fyr», was eben «Feuer» ist; und weshalb die schönsten Tage «drey» statt einfach «drei» sind, ist schwer erklärbar, auch wenn dies schon fast zu einem Markenzeichen geworden ist.

Seien wir aber an der Fasnacht nicht päpstlicher als der Papst (Boopscht nach Suter). Erstens ist auch beim Dichten kein Meister vom Himmel gefallen. Zweitens sollte man einfach so schreiben, dass man’s versteht. Und drittens ist allein schon die Tatsache Gold wert, dass unser Dialekt dank der Fasnacht bewusst gemacht, gepflegt, aber auch weiter entwickelt und erhalten wird.

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