Dieser Mann hat gut Lachen: Seit dem WM-Anpfiff vor bald einem Monat ist sein Laden rappelvoll, wenn ein Match läuft. Auf Leinwänden drinnen und draussen zeigt Bruno Zihlmann am Badischen Bahnhof alle Spiele – und zieht damit auch Leute an, von denen er selber nicht gedacht hätte, dass es sie in die Gare du Nord verschlagen würde.

«Fantastisch, ausgezeichnet, wunderbar», laufe es. «Über allen Erwartungen.» Und dann die Kolumbianer! 200 seien gekommen, aus dem nichts. «Es lief mir kalt den Rücken herunter, als sie die Nationalhymne sangen.» Auch nach den Spielen, selbst nach dem Ausscheiden, hätten sie getanzt, Musik gemacht, Party eben. Er müsse nicht in die Ferien fahren dieses Jahr, jeden Abend besuche ihn ein anderes Land. Besonders freut sich Zihlmann, wenn Deutschland spielt: «Ich liebe den deutschen Fussball.» Umgekehrt freuten sich deutsche Fans, dass sie in der Gare du Nord ein Zuhause gefunden hätten. Sie könnten «Schland, oh Schland» singen, solange sie wollten, sagt Zihlmann – «bei uns freut man sich sogar.» Die Deutschen seien gern gesehen Gäste. Eigentlich «meine Lieblingsgäste».

Fussball ermöglicht Konzerte

Warum ausgerechnet die Deutschen? Warum nicht die Italiener, die Spanier, die Griechen? Zihlmann relativiert: Als Spanien-Fan liebe er selbstverständlich auch alle anderen Gäste. Und die Stimmung sei gut, egal, wer spiele. Doch rein umsatzmässig betrachtet seien die Deutschen eben top. Deren Liebe zu Bier sei unerreicht und sie seien auch sonst sehr «anständig». Zihlmann rechnet vor: «Ein Deutscher trinkt im Schnitt drei grosse Biere pro Abend, ein Schweizer zwei, ein Italiener oder ein Spanier hingegen eine Stange.»

Bruno Zihlmann ist mit seiner Firma auf Public-Viewing-Abende angewiesen, um seine gut 100 jährlichen Konzerte quer zu subventionieren. Daher: «Es ist ein Glück, die Deutschen zu haben.» Wie lange er sie noch als Gäste haben wird, wird sich heute Abend zeigen, wenn der Schiedsrichter etwa um Mitternacht die Halbfinal-Partie gegen Brasilien abpfeift.

Als Zihlmann an der WM vor zwölf Jahren erstmals Spiele zeigte, war alles noch ein wenig handgestrickt. Inzwischen hat er in HD-Beamer und neue Leinwände investiert und sich einen Namen im Public-Viewing-Szene gemacht – auch ausserhalb der WM, wenn er die Spiele des FCB zeigt. Unterstützt wird er von seinem Freund und Ex-FCB-Trainer Christian Gross, der im Vorstand des Vereins «Les Copains du Nord» sitzt.