Rheinhäfen-Serie

Ohne die Hafenbahn würde der Basler Hafen nicht funktionieren

Massen- und Schüttgüter, wie beispielsweise Kohle für die Zementindustrie am Birsterminal, werden vorzugsweise mit der Bahn weiter transportiert.

Massen- und Schüttgüter, wie beispielsweise Kohle für die Zementindustrie am Birsterminal, werden vorzugsweise mit der Bahn weiter transportiert.

Die Hafenbahn Schweiz AG ist, seit vor zwei Jahren die beiden Hafenbahnen Baselland und Basel-Stadt fusionierten, eine hundertprozentige Tochter der Rheinhäfen. Sie bildet als 16-Mann-Betrieb die Nahtstelle zwischen Hafen und SBB Infrastruktur.

Aus der Diesel-Rangierlok, die ein Stockwerk tiefer vorbeirollt, grüssen die beiden orangen Männer im Führerstand zum Stellwerk herauf. Sobald der rote Koloss über die Weiche hinweg ist, zieht Fahrdienstleiter Frank Teichfischer an einem blauen Knopf, die Weiche 21 stellt von plus auf minus, von geradeaus auf Abzweigen. Die Lok setzt zurück und fährt ins Depot.

Mitten am Vormittag ist es ruhig bei der Hafenbahn in Kleinhüningen. Die Wagen wurden am Morgen den Verladern an die Quais gestellt und werden nun be- oder entladen und erst am Mittag oder Abend wieder abgeholt und durch die nächsten Wagen ersetzt.

Museumsreif, aber sicher

Das Stellwerk aus den 40er-Jahren mit seiner Technik aus den 1930ern dürfte jedes Hobbybähnlerherz höher schlagen lassen: Blanke Eisenlineale unter Glas sichern mechanisch die Fahrstrassen. Steht eine Weiche falsch, verhindern sie, dass Teichfischer das Signal auf grün stellen könnte. «Diesen Mechanismus in der Software für ein modernes Stellwerk abzubilden ist gar nicht so einfach», berichtet Teichfischer.

Der einzige Nachteil der alten Technik sei, dass er nicht sehen kann, ob etwas auf einer Weiche steht. Aber dafür gibt es das Funkgerät, denn überblicken kann er die weitverzweigte Anlage mit mehreren Dutzend Verladepunkten sowieso nicht: Jeder Quai hat mindestens drei Gleise, zwei zum Be- und Entladen der bereitgestellten Wagen, eines zum Rangieren.

Die Hafenbahn Schweiz AG ist, seit vor zwei Jahren die beiden Hafenbahnen Baselland und Basel-Stadt fusionierten, eine hundertprozentige Tochter der Rheinhäfen. Sie bildet als 16-Mann-Betrieb die Nahtstelle zwischen Hafen und SBB Infrastruktur und SBB Cargo und vernetzt an einem zentralen Knoten des Güterverkehrskorridors Rotterdam-Basel-Genua das Wasser mit der Schiene. Sowohl die Hafeninfrastruktur als auch die Hafenbahn sind daher vom Bund als «von nationaler Bedeutung» eingestuft worden.

Vom Bund finanziert

Die Hafenbahn Schweiz AG ist ausschliesslich für die Infrastruktur zuständig. Sie wartet also 350 Weichen, davon deren 149 im Auhafen und im Hafen Birsfelden, betreibt die vier Stellwerke und unterhält 59 Kilometer Gleise, davon 25 Kilometer in den beiden Baselbieter Häfen. Davon sind nur rund 5 Kilometer als Streckengleise taxiert, was gravierende Folgen hat: Nur auf diesen Abschnitten müssen die Züge für die Trassenbenutzung zahlen.
Die Hafenbahn AG unterhält also eine kostspielige Bahnhofinfrastruktur, ohne die der Hafen nicht funktionieren würde, kann aber selbst nur zwischen 8 und 10 Prozent der Kosten decken. Den Rest übernimmt - wegen der nationalen Bedeutung - der Bund.

60 Prozent der per Schiff ankommenden Güter werden auf der Bahn weiter befördert. Insgesamt hat die Hafenbahn Birsfelden, die auch den Auhafen bedient, mit 3,2 Millionen Tonnen (2012) gegenüber Kleinhüningen (1,5 Millionen Tonnen) die Nase vorn.Das macht jährlich 5300 Züge in Kleinhüningen und deren 8700 in Birsfelden.

Dabei fallen in Kleinhüningen wegen der Vielfalt der Güter vor allem «bunte» Züge an - Züge, deren Wagen mit unterschiedlichen Gütern für die verschiedensten Destinationen bestimmt sind. Diese werden dann im Rangierbahnhof Muttenz auseinandergenommen und sortiert. Aus dem Auhafen kommen dagegen viele Mineralöl-Ganzzüge, die ohne zusätzliches Rangieren direkt an den Zielort geführt werden.

Doch der operative Leiter der Hafenbahn, Kurt Keusch, berichtet von grossen Kraftwerksgeneratoren, die im Auhafen gelöscht und auf Spezialwagen weiter spediert werden: «Dann muss wegen der Überbreite an gewissen Stellen die Ladung durch das Begleiterteam verschoben werden und in seltenen Fällen werdn auch Signale demontiert. Solche Transporte finden nur auf vorher definierten Leitungswegen statt.»

95 Prozent des Hafenbahnverkehrs wickelt SBB Cargo ab. Insgesamt haben 25 Bahnunternehmen die Erlaubnis, die Einrichtungen die beiden Hafenbahnhöfe anzufahren.

Ausbau in Richtung Schweizerhalle

«Ein wichtiges Zukunftsprojekt ist, dass wir die Hafenbahn Birsfelden mit den Gleisen in Schweizerhalle verbinden», erklärt Florian Röthlingshöfer als Delegierter des Hafenbahn-Verwaltungsrats. Bisher sind die beiden Baselbieter Häfen nur über das Verbindungsgleis am Rand von Birsfelden erschlossen. «Damit werden wir Kapazitätsengpässe vermeiden und haben für die Landesversorgung eine Rückfallebene, wenn das Verbindungsgleis mal gesperrt sein sollte.» Weiter will die Hafenbahn die Stellwerke modernisieren.

Mit dem geplanten Terminal Basel Nord hat die Hafenbahn keine Verbindung: Dessen Gleise werden 13 Meter höher liegen. «Zum Nebeneinander von Wohnen am Westquai und Hafenbahnbetrieb gibt es aber noch einige offene Fragen», erklärt Röthlingshöfer.

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