Die Besucherzahlen der Kinos gehen schweiz- und europaweit zurück. Manche sehen darin bereits einen unumkehrbaren Trend, massgeblich beeinflusst durch neue Zugangsmöglichkeiten zum Medium Film und veränderte Konsumgewohnheiten des Publikums. In Basel traf der Rückgang im letzten Jahr die Mainstream-Kinos noch stärker (-15,9 Prozent) als die Kultkinos (-11,6 Prozent ). Ist der geplante Umbau des Kultkino Atelier beim Theater Basel als antizyklische Vorwärtsstrategie zu verstehen, geboren aus dem Mut der Verzweiflung?

Romy Gysin und Suzanne Schweizer, die Geschäftsführerinnen der Kultkinos, glauben felsenfest an die Zukunft des Kinos als kollektives Erlebnis. Und sie betonen, es gehe ihnen in erster Linie um eine Attraktivitätssteigerung und weitere Schärfung des Profils ihres Kulturbetriebs: als Ort der Begegnung, des direkten Austauschs und der vertieften Auseinandersetzung mit der lebendigen und anspruchsvollen Filmkunst in Basel. Dafür sollen durch den Umbau die Angebote noch vielfältiger gestaltet werden.

Fünf Säle, dafür Ende des Clubs

Zu den drei bestehenden Sälen im Kultkino Atelier kommen zwei neue hinzu, der eine mit 100, der andere mit 50 Plätzen. Das wird die differenzierte Programmierung erleichtern und hilft mit, zum Beispiel auch einen wichtigen Film für ein kleines Publikum im Angebot zu behalten. Erhöht werden so auch die Möglichkeiten für verschiedenste Spezialanlässe wie Seminare, Lesungen oder Publikumsgespräche zum Film sowie private Vermietungen. Zur Vergrösserung des Foyers werden die Glasfront um 1,2 Meter nach aussen verschoben und die Kassen- und Bartheke nach hinten versetzt. So entsteht Raum für loungeartige Sitzinseln zum geselligen Austausch vor und nach dem Film. Zudem werden die jetzigen Säle 2 und 3 neu bestuhlt. Das Kino Club am Marktplatz wird im kommenden Herbst geschlossen, das Duplex Camera im Kleinbasel bleibt aber in jedem Fall erhalten.

Das alles ist natürlich nicht ganz gratis zu haben. 3,7 Millionen Franken wird der Umbau kosten. Die Stadt als Eigentümerin der Liegenschaft übernimmt 2,5 Millionen, die Kultkinos müssen die restlichen 1,2 Millionen Franken beisteuern. Christian Mehlisch, Leiter Verwaltungsvermögen bei Immobilien Basel-Stadt, schreibt der Präsenz von Filmspielstätten in der Art der Kultkinos für eine Stadt wie Basel eine grosse Bedeutung zu. Ihr Programm sei auf ein kulturell vielseitig interessiertes urbanes Publikum ausgerichtet, das sich durch Filme nicht nur unterhalten lassen möchte, sondern daneben auch eine Auseinandersetzung mit inhaltlich und ästhetisch anspruchsvollen bis unbequemen Fragestellungen erwarte. Und er folgert: «Ohne ein solches Angebot wäre Basel kinomässig keine richtige Stadt.»

Gastgeber für Hirn und Herz

Auch der kulturinteressierte Normalbürger kann etwas zu diesem Umbau beitragen. Dafür haben die Kultkinos eine animierende Wunschliste mit Coupons kreiert: «Kaufen Sie ein Stück Kino!» Das könnte der Teil eines Projektors, ein Stück Leinwand, Mobiliar fürs Foyer oder ein Kinosessel sein, auf dessen Rückseite sich der Spender verewigen lassen kann. Romy Gysin und Susanne Schweizer verstehen ihr Kino als Gastgeber für Hirn und Herz. Diese emotions- und diskursfreudige Gastlichkeit soll mit dem Umbau noch gesteigert werden.

Anders als im Mainstream-Kino, wo Filme oft paketmässig eingekauft werden müssen – ein Renner, vier Stück Dutzendware –, pflegen die Kultkinos ein sorgfältig kuratiertes Programm, wo jeder Film einzeln ausgewählt und betreut wird. Im letzten Jahr stammten die Filme zu 80 Prozent aus Europa, zu 9 Prozent aus Nordamerika, zu 11 Prozent aus den anderen Kontinenten. Die Mainstream-Kinos unterliegen weitgehend der Dominanz von Hollywood. Aber nicht nur vom «Rest» der Welt bekämen wir ohne die Kultkinos filmisch kaum etwas mit, auch der Schweizer Film wäre völlig marginalisiert. Während in den Kultkinos zu 31 Prozent Schweizer Produktionen gezeigt wurden, machen diese in der übrigen Kinolandschaft gerade mal sechs Prozent aus.

So gesehen erscheint der Um- und Ausbau des Kultkinos Atelier als eine wichtige Massnahme zur Erhaltung und Weiterentwicklung der filmischen Artenvielfalt in Basel. Und: Die Besucherzahlen zeigen in diesem Jahr wieder einen erfreulichen Aufwärtstrend.

Die Broschüre zum Umbau und die Wunschliste liegen ab sofort an den Kultkino-Kassen auf.