Eine Autobahn, ein Tunneleingang. Ein Wagen nach dem anderen verschwindet im Tunnel. Und plötzlich – rollt ein Rad auf die Fahrbahn, Rauch steigt auf. Die Autos stauen sich. Wenig später geht auf der Zentrale ein Notruf ein. Innerhalb von zwei Minuten sind Polizei, Feuerwehr und Sanität startklar. Beim Stau vor dem Unfallort sind die Rettungskräfte gezwungen, anzuhalten. Trotz Blaulicht und Sirenen haben sie keine Chance, durchzukommen. 

In Deutschland und Österreich weiss jedes Kind, was eine Rettungsgasse ist. Dort werben die Behörden dafür, eine solche zu bilden, um bei Unfällen Einsatzfahrzeugen den Weg frei zu halten. Dort steht im Gesetz, dass in solchen Fällen Rettungsgassen gebildet werden müssen. Fahrzeuge auf den rechten und mittleren Spuren weichen nach rechts aus, jene, die links stehen, nach links. Voraussetzung ist genug Abstand zum Wagen davor.

Bern und Bund als Partner

In der Schweiz haben die Einsatzkräfte häufig Mühe, den Unfallort zu erreichen. Das führt zu lebensbedrohlichen Situationen. Entsprechend offen reagierte das Bundesamt für Strassen (Astra), als der Lehrling und Sanitäter Pascal Rey (20) seine Kampagne zur Sensibilisierung der Autofahrer präsentierte.

"Viele haben von der Rettungsgasse gehört, wissen aber nicht, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen. Oft ist den Leuten nicht bewusst, dass ohne Rettungsgasse Schwerverletzte sterben könnten, weil es zu lange dauert, bis die Rettungskräfte vor Ort sind." Rey hat bei seinen ehrenamtlichen Einsätzen schon manche heikle Situation erlebt. "Wenn dank der Kampagne auch nur ein Leben mehr gerettet werden kann, hat sich der Aufwand gelohnt."

Am kommenden Montag ist es so weit. Dann lanciert sein Verein "Helfen helfen" mit Videos, Fotos und Flyern die Kampagne, an der zahlreiche Leute stundenlang gearbeitet haben. Geld hatten sie praktisch keines zur Verfügung, dafür die fachliche Unterstützung der Berner Kantonspolizei. Auch das Astra ist mit von der Partie, es hat dem Team um Pascal Rey ermöglicht, für ein Fotoshooting die Autobahn in Biel zu benutzen.

Und Basel? Das Sicherheitsdepartement halte es für ein wichtiges Thema und begrüsse "private Initiativen", antwortete Vorsteher Baschi Dürr auf Reys Anfrage nach einer Partnerschaft. 

Alleingang der Basler Polizei

Aber: "Wir möchten uns vor allem auf die bereits initiierten oder geplanten Kampagnen der Behörden, sei es im Kanton, sei es im Bund, konzentrieren." Exakt dieselbe Antwort erhielt die bz auf die Frage, was in Basel bezüglich Rettungsgasse laufe. Allerdings mit dem Zusatz, man werde der nächsten MFK-Steuerrechnung eine selber gemachte Beilage zum Thema anfügen.

Da hat es die Berner Polizei einfacher: Sie wird die Kampagne von Pascal Rey und Team auch für sich selber nutzen – schliesslich hat sie jeden Satz der Kampagne abgesegnet.

 

Ab 9.10.: www.rettungs-gasse.ch