Wahlen Basel-Stadt

Ohne Riehen wäre Hans-Peter Wessels bereits gewählt

Im Jahr 2013 bot ihm Riehen noch Grund zum Strahlen: Hans-Peter Wessels und die deutsche Landrätin Marion Dammann an der Landesgrenzbegehung.

Im Jahr 2013 bot ihm Riehen noch Grund zum Strahlen: Hans-Peter Wessels und die deutsche Landrätin Marion Dammann an der Landesgrenzbegehung.

Ohne die Landgemeinde Riehen hätte Hans-Peter Wessels bei den Basler Regierungsratswahlen ein viel besseres Resultat erzielt und Conradin Cramer wäre nicht bereits gewählt.

Würde Basel nicht zu Riehen gehören und umgekehrt, wäre bei den Wahlen vieles anders gekommen. Aber von Anfang an.

Er war der Wahlgewinner schlechthin. Der liberale Neue Conradin Cramer wurde vor zehn Tagen auf Anhieb in die Regierung gewählt und liess sogar zwei Bisherige hinter sich. Diese müssen nun im zweiten Wahlgang bangen, wobei der Sitz von Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) stärker wackeln dürfte als jener von Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP). Schliesslich erlangte Rot-Grün Siege an allen Fronten: Die Wähler beförderten die neue Grüne Elisabeth Ackermann in die Regierung, und die Linke legte im Parlament zu.

Aber ist Cramer tatsächlich ein echter Superstar? Und Wessels ein Verlierer? Ein Blick auf die Resultate zeigt: nicht überall, in Riehen aber sicher. Bestünde der Kanton gar nur aus Riehen, wäre Cramer ein wahrer Megastar und Wessels ein ganz klarer Verlierer. Riehen und Bettingen haben Cramer an zweiter Stelle hinter dem bisherigen CVPler Lukas Engelberger gewählt, Wessels hingegen haben die Wähler weit hinter allen anderen gelassen. Nur Heidi Mück (Basta) schnitt schlechter ab.

Gegen Autopolitik und faule Eier

Aber Riehen stimmt und wählt immer konservativer als die Stadt. Zudem ist die christliche Fraktion dort gut vertreten, was Engelbergers Siegerplatz erklärt. In Basel kam der Gesundheitsdirektor nur auf Platz drei. Beim Riehener Cramer verhält es sich zudem wie bei Bundesräten: Gäbe es einen Basler Kandidaten, wären wohl auch jene Basler für ihn, die eigentlich nicht auf seiner Linie sind. Man könnte auch von einem Heimvorteil sprechen.

Die Gewinner-Verlierer-Rechnung gibt es aber auch umgekehrt: Würde Riehen nicht zu Basel-Stadt gehören, wäre Wessels bereits nach dem ersten Wahlgang wiedergewählt. An seiner Stelle müsste Cramer nochmals antreten. Und das, obwohl sich Cramer als Neuer noch nichts vorwerfen lassen kann. Wessels hingegen ist in den Augen vieler Bürgerlicher schuld am Abbau jedes einzelnen Parkplatzes und an vielem mehr. Trotzdem hätte er die Wahl in der Stadt gewonnen.

Aber Basel gehört zu Riehen und umgekehrt. Und Wessels hat es nicht geschafft, das Herz der Riehener zu erobern. Der parteilose Gemeindepräsident Hansjörg Wilde hat eine Erklärung: «Die Bürgerlichen haben in der laufenden Legislatur gute Arbeit geleistet, das wirkte sich wohl auch auf die Resultate aus.» Er macht aber auch Wessels’ Verkehrspolitik für sein schlechtes Abschneiden verantwortlich. «Riehener sind nun mal eher auf das Auto angewiesen, um in die Stadt zu kommen», sagt Wilde. Das sei mit der Einführung der autofreien Zonen schwierig geworden.

Von Cramers Glanzresultat in Riehen ist Wilde ebenso wenig überrascht, da dieser einen guten Wahlkampf hinter sich habe. Wessels hingegen habe er in Riehen schon lange nicht mehr gesehen. «Er könnte sich mal blicken lassen im Dorf», sagt Wilde – und garantiert, dass man ihn schon nicht mit faulen Eiern bewerfen würde. Davor hat Wessels keine Angst.

Wessels will besser kommunizieren

Erst vor wenigen Tagen sei er über den Kunstweg «24 Stops» von Riehen nach Weil spaziert. Beruflich sei er wegen des Landschaftsparks Wiese auch bald wieder dort. An mangelnder Präsenz kann es also nicht liegen. Wessels glaubt aber zu wissen, was schief lief: «Wir müssen unbedingt besser kommunizieren, dass auch Riehen von den wichtigsten Basler Verkehrsprojekten, dem Rheintunnel und dem Herzstück, enorm profitieren wird.»

Wenn die Riehener an ihrem Abstimmungsverhalten nichts ändern, wählen sie am 27. November Baschi Dürr und den Neuen Lorenz Nägelin (SVP) in die Regierung. Das wird Nägelin aber nicht viel bringen, da Basel weit mehr Wähler hat. Und diese wählen Dürr und Wessels, sofern sie gleich stimmen wie im Oktober.

Autorin

Martina Rutschmann

Martina Rutschmann

Meistgesehen

Artboard 1