Auf diese Geburt hat Friederike von Houwald lange gewartet. Elf Jahre ist es her, seit im Zoo Basel das letzte Okapi zur Welt gekommen ist. Seither hat von Houwald, Kuratorin im Zolli, mehrere Okapi-Bullen und -Kühe nach Basel geholt und zusammengeführt, in der Hoffnung auf ein junges Okapi. Am Morgen des 1. Oktobers wurden ihre Bemühungen belohnt: Das 29 Kilogramm schwere Bullenbaby Nuru erblickte das Licht der Welt.

Erst zehn Tage alt und schon ganz fest neugierig: Okapi-Bub Nuru interessiert sich unter anderem für die Zolli-Videokamera.

Erst zehn Tage alt und schon ganz fest neugierig: Okapi-Bub Nuru interessiert sich unter anderem für die Zolli-Videokamera.

Seither hat das kräftige Okapi-Junge bereits sechs Kilogramm Gewicht zugelegt. Wenn Nuru einmal nicht schläft, hüpft er in kleinen Bocksprüngen durch die Ställe der Antilopenanlage. Nach draussen darf er erst, wenn er etwas älter ist. Weil er seine Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren kann, ist er auf die Heizung im Innern angewiesen.

Okapis leben zurückgezogen

Begegnete man einem Okapi in der Wildnis, wäre das zum einen ein grosser Zufall, denn die Tiere leben laut WWF zurückgezogen im Kongo und sind zudem bedroht – gemäss von Houwald schätzt man den Wildbestand auf etwa 10'000 Tiere. Zum anderen könnte man bei einer Begegnung ein unfertig gestreiftes Zebra, ein Pferd mit Flatterohren oder eine kurzhalsige Giraffe vor sich vermuten. An Hinterteil und Beinen trägt das Okapi das Streifenmuster von Zebras, der Körperbau erinnert an ein Pferd und der Kopf an eine Giraffe. Mit Letzteren ist das Okapi nahe verwandt, man nennt es darum auch Waldgiraffe.

Das Okapi gab auch den europäischen Entdeckern anfangs des 20. Jahrhunderts Rätsel auf. Laut WWF war es der letzte Grosssäuger, der damals in den Wäldern Afrikas entdeckt wurde. Reisende sprachen von einem kryptischen, pferdeähnlichen Tier, erste wissenschaftliche Beschreibungen von einer neuen Zebraart.

Die Streifen helfen dem Tier gemäss von Houwald bei der Flucht im Wald. Dank des Musters sei es schon nach wenigen Metern im Unterholz nicht mehr zu sehen. Der ärgste Feind des Okapi ist der Leopard.

Alleine im Wald zurückgelassen

Wer Okapi-Baby Nuru in Basel sehen will, muss Geduld mitbringen. Die meiste Zeit verbringt das Junge in einem nicht einsehbaren Abteil neben den Ställen. Zweimal am Tag ruft Mami Mchawi ihr Baby zum Milchtrinken zu sich – wie in der Natur: Okapis sind sogenannte Ableger. Die Mutter lässt das Kind alleine im Wald zurück und geht auf Nahrungssuche. Dank der Streifen und weil es nicht riecht, ist das Junge im Wald vor Feinden relativ sicher.

In Basel geht es Nuru richtig gut. «Seine Mutter ist ausgesprochen charmant zu ihm», sagt von Houwald. Sie lecke ihn beim Trinken ab, um ihn zu säubern. Wenn sich Nuru zur Ruhe legt, lasse sie ihn aber in Ruhe. Das ist nicht selbstverständlich, wie von Houwald sagt: «Es gibt Okapi-Mutterkühe, die es mit Zärtlichkeiten übertreiben.»