Busbeschaffung
Ökonomie vs. Ökologie: Erneuerbare Energien sind den BVB zu teuer

Die BVB erklären den Kauf von 46 Dieselbussen mit ökologischen Argumenten. Im Vergleich mit modernen Gasbussen schneidet der Dieselbus aber schlechter ab. Experten sagen, Gasbusse, wie jene in Basel, stossen nur halb so viel CO2 aus, wie ein Dieselbus.

Sarah Serafini
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Was will die BVB? Erdgas, Biogas, Elektrobus oder doch lieber Diesel? Kürzlich wurde bekannt: Die BVB setzt auf den günstigeren Dieselbus.

Was will die BVB? Erdgas, Biogas, Elektrobus oder doch lieber Diesel? Kürzlich wurde bekannt: Die BVB setzt auf den günstigeren Dieselbus.

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Was wollen die Basler Verkehrsbetriebe? Wollen sie einen möglichst ökologischen ÖV? Oder doch lieber einen kostengünstigen? Was die Basler Bevölkerung will, ist klar: Im Juni 2007 sprachen sich die Stimmberechtigten dafür aus, künftig auf Gasbusse zu setzen. Sieben Jahre nach der Abstimmung ändern die BVB die Strategie. Dem Gasbus haben sie abgeschworen und kaufen stattdessen 46 neue Dieselbusse. Diese sind zwar zweifelsohne kostengünstiger, aber sind sie auch ökologischer?

«Auf keinen Fall», sagt Walter Lange, Geschäftsleiter der Gasmobil AG. Vergleiche man moderne Gasbusse mit neuen Dieselbussen sei völlig klar, dass die Gasbusse, ökologischer seien. «Beide erfüllen die Euro-Abgasnorm sechs und zusätzlich ist der CO2-Ausstoss bei den Gasbussen, die zu 43 Prozent mit Biogas betrieben werden, nur etwa halb so gross wie bei den Dieselbussen. Dazu kommt, dass Gasmotoren hörbar leiser sind als dieselbetriebene, was besonders im städtischen Betrieb ein wesentlicher Vorteil ist.»

Laut dem Argumentarium der BVB sind Dieselbusse aber nicht nur kostengünstiger, als Gasbusse, sondern auch ökologischer. Zudem reiche die regionale Biogasproduktion nicht aus, um die gesamte Busflotte in Basel zu 100 Prozent mit Biogas zu betreiben.

Eine Frage der Einstellung

Auch dieses Argument löst sich nach weiterem Nachfragen schnell in Luft auf. «Die ungenutzte Biogaspotenziale sind noch gross. Auch wenn sämtliche Verkehrsbetriebe in der Schweiz auf Gasbusse umstellen würden, könnte man diese immer noch mit schweizerischem Biogas versorgen», sagt Christian Bach. Er ist Abteilungsleiter bei der Empa, einem unabhängigen Forschungsinstitut des ETH-Bereichs, die sich unter anderem für eine nachhaltige Zukunft in den Bereichen Energie, Umwelt und Mobilität einsetzt. Bach kennt die Situation der Gasbusse bei der BVB und könne darum zum Teil nachvollziehen, warum sie sich für die Dieselbusse entschieden haben. Denn der Gasbus sei nicht nur die ökologischere sondern auch die teurere Variante. Zudem hinke die Technik der Gasbusse derjenigen der Dieselbusse noch ein paar Jahre hinterher. «Es ist eine Frage der Einstellung», findet Bach. «Will ein Verkehrsbetrieb auf erneuerbare Energie setzen, oder einfach nur auf kostengünstige und etablierte Technik?»

Für ihn ist die Antwort klar. Für die Basler Bevölkerung, die sich 2007 für die erneuerbare Energie ausgesprochen hatte, auch. Wer sich nicht mehr an den Wortlaut des Gegenvorschlags zur Initiative «Ja zum Trolleybus» erinnern kann, hier eine kurze Auffrischung: «Die alten Diesel-, Erdgas- und Trolleybusse sollen durch 26 moderne Erdgas-/Biogasbusse ersetzt werden. (...) Diese sollen zu 50 Prozent mit erneuerbarem und deshalb klimaneutralem Biogas aus regionaler Produktion (Biogasanlage Pratteln) betankt werden. Mit der übernächsten Busbeschaffung kann die BVB in den Jahren 2015/2016 ihre Flotte auf der Basis Erdgas/Biogas vereinheitlichen.» Damals hat das Volk gesprochen: Wir wollen erneuerbare Energie. Jetzt ist der BVB der Volkswille offenbar zu teuer geworden. In der Gesamtbetrachtung wurden die Trolleybusse mit Dieselbussen ersetzt, anstatt wie versprochen mit Gasbusse, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

Hinters Licht geführt

SP-Grossrat, Jörg Vitelli sagt, der Entscheid für die Dieselbusse sei noch damals gefallen, als Martin Gudenrath das Präsidium des Verwaltungsrates innehatte. Und der sei ein grosser Diesel-Freund gewesen und habe sich nicht für die Gasbusse stark gemacht. Hätte die Bevölkerung 2007 schon gewusst, dass sich die BVB nur sieben Jahre später eine neue Dieselbusflotte kaufen würde, hätten wohl so manche doch lieber die elektrobetriebenen Trolleybusse beibehalten. «Wir wurden damals mit dem Gasbus als Alternative hinters Licht geführt», sagt Vitelli. Auch der ehemalige Verwaltungsrat der BVB und SVP-Grossrat Patrick Hafner outet sich als Trolleybus-Fan. Er bedaure, dass die Stromnetze heruntergerissen wurden und nun bald nur noch Dieselbusse durch die Stadt kurven.