Trennung
Old Boys sind nicht mehr Talentschmiede für den FCB

Der FC Basel beendet die gemeinsame Talentförderung mit den Old Boys abrupt. Für den Old-Boys-Präsident Beat Fläcklin kam diese Meldung «wie ein Blitz aus heiterem Himmel».

Sébastian Lavoyer
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2005 spielte Massimo Ceccaroni als Spielertrainer von OB im Cup gegen den FC Basel, heute ist er technischer Leiter des FCB-Nachwuchs.

2005 spielte Massimo Ceccaroni als Spielertrainer von OB im Cup gegen den FC Basel, heute ist er technischer Leiter des FCB-Nachwuchs.

KEYSTONE

Was braucht es, um das Beste aus den Besten rauszuholen? Diese Frage steht am Anfang. Bis 2007 setzte der Schweizerische Fussballverband (SFV) auf nationale Ausbildungszentren zur Förderung der jüngsten Talente (12 bis 16 Jahre). Vier dieser Akademien gab es, eine in Emmen (Zentralschweiz), eine in Frauenfeld (Ostschweiz), eine in Payerne (Westschweiz) und eine in Tenero (Südschweiz). Der Erfolg der U17-Nationalmannschaft an der WM 2009 in Nigeria baute wesentlich auf diesen Strukturen.

Und das obwohl man sich ab 2007 langsam wieder von diesem System abwandte und bis auf die Akademie für Frauenfussball in Biel alle Zentren auflöste. SFV-Pressesprecher Marco von Ah erklärt: «Wir kamen zum Schluss, dass im Männer-Fussball bei den Top-Klubs bereits die notwendigen Strukturen für die professionelle Förderung der talentiertesten Spieler vorhanden sind.» Also regionalisierte man die Talentförderung in dieser Altersklasse wieder. Kurz erklärt: «Die grossen Vereine haben den Lead, die kleineren haben in der Talentförderung auf der jeweiligen Stufe ihren Platz und ihre Aufgaben.» Das mit dem Ziel, dass die jungen Fussballer, Kinder eigentlich, in ihrer Region bleiben können, nicht entwurzelt werden.

«Ein Blitz aus heiterem Himmel»

So funktionierte das auch in der Nordwestschweiz, mit dem FC Basel als «Lokomotive», wie es von Ah nennt, und den Old Boys und anderen Vereinen als Talentschmieden. Jeder Verein gab seine 60 talentiertesten Jungs in einen gemeinsamen Pool, rund 300 Talente waren es im Total. Die besten 60 kamen beim FCB unter, der Rest wurde auf die kleineren Vereine verteilt. So kamen beispielsweise Eren Derdiyok, Timm Klose oder Breel Embolo von den Old Boys in den FCB-Nachwuchs.

Doch die Old Boys gehören ab Ende Saison nicht mehr zu diesem Pool. Das teilte ihnen der FCB letzten Freitag mit. Old-Boys-Präsident Beat Fläcklin: «Für uns kam das wie ein Blitz aus heiterem Himmel.» Man sei stets in Kontakt gewesen, habe noch vor den Sommerferien eine Vertiefung der Zusammenarbeit diskutiert. Warum also die plötzliche Kehrtwende seitens des FC Basel? Adrian Knup, Vize-Präsident und Nachwuchschef bei den Rotblauen, schreibt auf Anfrage: «Um unsere hohen eigenen Ansprüche und jene des SFV erfüllen zu können, müssen wir in der Selektion und der Ausbildung der Nachwuchsspieler nach unseren eigenen Vorstellungen handeln können. Dies ist in der Zusammenarbeit mit Old Boys für uns nicht genügend gewährleistet.» Das sei nach internen Analysen klar zum Ausdruck gekommen.

Konsequenzen ungewiss

Fakt ist: Die Old Boys haben es sich rausgenommen, dem FCB bei gewissen Themen zu widersprechen. Deshalb hat man bewusst auf finanzielle Zuwendungen des Serienmeisters verzichtet, um die Eigenständigkeit zu wahren, wie Fläcklin erklärt. Das empfand man beim Erstligisten aber nicht als schlecht, sondern eher als bereichernd.

Der FCB akzeptiert diese Haltung, sieht aber unter diesen Vorzeichen keine Möglichkeit zur weiteren Zusammenarbeit – und wird dabei vom SFV gestützt. Der Verband will den klaren Lead bei den Grossen, sie sollen sagen, wer wann und wo eingesetzt wird. Doch Fläcklin behauptet, man habe sich stets an die Vorgaben des Verbands gehalten. «Auch wenn wir mal anderer Meinung waren, hatte immer der FCB das Sagen. Wir haben nie einem Spieler gesagt, dass er nicht gehen dürfe.»

Die Konsequenzen dieser Trennung sind für Fläcklin noch nicht absehbar. Was mit den 60 Talenten der Old Boys geschieht, bleibt für ihn unklar. Adrian Knup schreibt dazu: «Der FC Basel wird mit seinen bestehenden Partnern in der Region weiterhin die besten Nachwuchsspieler nach bestem Wissen und Gewissen ausbilden.» Es bleibt zu hoffen, dass Spieler mit Potenzial für den Spitzenfussball – es muss ja kein Breel Embolo sein – künftig nicht Opfer dieser Trennung werden.