«Ich unterlasse es mir, heute über Fussball zu sprechen. Die Zahl Sieben werden wir getrost ausblenden.» Mit diesen Worten begrüsste Oliver Pocher gestern Abend im Basler Stadtcasino sein Publikum.

Er unterliess es aber nicht, die Menge immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass da zwischen «Sechs» und «Acht» noch eine Zahl existiere. Obwohl diese Erinnerung Salz in die Wunden eines jeden Fans des FC Basel war, hatte Pocher mit seinen regionalen Bezügen sofort die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewonnen.

Das Improvisationstalent

Seine stärksten Phasen des Abends zeigte Oliver Pocher, als er in der Anfangsphase einen unvorbereiteten Teil zeigte, in dem er verschiedene Charaktere des Publikums befragte. Das Prinzip, auf welches er bereits in früheren Vorstellungen zurückgriff, funktionierte blendend.

Dass sich viele der befragten Zuschauer lächerlich machten und Pochers Kommentare zu den Aussagen der Anwesenden vor allem auf Vorurteilen beruhten, schien niemanden zu stören. Das ganze Programm durch schickte der Comedian dann immer wieder Seitenhiebe an die zuvor Interviewten.

Nutzung von neuen Medien

Zu Gute kam dem Deutschen, der im letzten Jahr Vater von Zwillingen wurde, dass er neue Medien in sein Programm zu integrieren wusste.

So bat er eine junge Dame aus dem Publikum, sich auf seinem Laptop auf Facebook einzuloggen, um sich dann mit unkreativen und eindeutigen Angeboten an deren Freunde zu wenden. Zum Dank erhielt sie ein Foto mit dem Komiker, welches es ihr erleichtern dürfte, sich bei ihren Freunden für das Malheur zu erklären.

Auch das Online-Portal «chatroulette», bei dem man mit wildfremden Menschen auf der ganzen Welt per Webcam kommunizieren kann, baute er in seine Show ein.

Es war zwar mit Glück verbunden, dass das System ihm an diesem Abend humorvolle Gegenüber zuteilte, doch konnte Pocher auch selber durch witzige Kommentare und spontane Reaktionen glänzen.

Das Spiel mit der Gürtellinie

Viele Kommentare Oliver Pochers waren hart an der Grenze und das Niveau erreichte zu einigen Zeiten Tiefpunkte, die sogar beim relativ anspruchslosen Publikum für Schreckensmomente sorgten.

Vor allem Vorurteile betreffend Nationalitäten und Religionen waren bei Pochers Bemerkungen hart an der Grenze. Doch die angesprochenen Zuschauergruppen wussten die Aussagen des Comedians einzuordnen und zeigten sich versöhnlich.

Und so kam jeder an diesem Abend voll auf seine Kosten. Pocher, der vom Publikum mit einer Standing-Ovation verabschiedet wurde sowie die Zuhörer, welche einfach und unkompliziert unterhalten wurden.