«Was habe ich eigentlich?», ist eine Frage, die nach dem Lesen eines ärztlichen Befunds oft nicht beantwortet ist und sich vielleicht sogar dann erst stellt. In ihrem langjährigen Studium und Berufsleben scheint vielen Ärzten die Alltagssprache abhanden gekommen zu sein. Ihre mit Fachwörtern gespickte Diagnosen können Laien oft nicht verstehen.

2011 beschlossen drei Dresdner Studenten, ihnen zu helfen: Sie gründeten die Online-Plattform www.washabich.de. Hier können Patienten ihre Arztbriefe einsenden, und erhalten sie kostenfrei «übersetzt» zurück. Freiwillige Ärzte und Medizinstudenten agieren dabei als Dolmetscher. So sollen ratlose Patienten auch davon abgehalten werden, auf Online-Medizinforen laienhafte und womöglich falsche Informationen zu suchen. Über 31 000 Arztberichte wurden so schon vereinfacht.

Seit diesem Jahr gibt es das Angebot auch in der Schweiz: «Was hab ich?» wird unter anderem von der «Insel Gruppe», der Schweizerischen Stiftung für Patientenschutz und der «Swiss Medical Students Association» unterstützt. Die Begeisterung am Projekt erreicht jetzt auch Basel: Unter den Schweizer Studenten, die für die Plattform aktiv sind, machen die der Universität Basel den grössten Teil aus.

Für spätere Ärzte ein Gewinn

Studenten ab dem achten Semester können sich am Projekt beteiligen. Zweitmeinungen oder Empfehlungen geben die Freiwilligen nicht ab, dennoch soll ihr Engagement die Ärzte in Ausbildung auch fachlich fördern. Mit ihrer Tätigkeit lernen sie nämlich, sowohl den Inhalt des «Ärztelateins» besser zu verstehen, als auch, sich für die spätere Praxis- oder Spitalarbeit das normale «Patientendeutsch» anzueignen.

Dabei werden sie von Ärzten unterstützt und beaufsichtigt. 2015 wurde «Was hab ich?» sogar zum Wahlfach an der Universität Dresden, und an verschiedenen Fakultäten bietet das Team Kommunikationskurse für Ärzte an. Mit der Expansion in die Schweiz könnten solche Angebote auch bald an Schweizer Universitäten denkbar sein.