Orangecinema
Open-Air-Kino: Zum letzten Mal «Piazza Münsterplatz»?

Die zweite Saison des Basler Orangecinema als Volkskino auf dem Münsterplatz läuft. Eine Petition will nun verhindern, dass es die letzte ist. Denn der Kanton streicht dem Open-Air-Kino die Subventionsgelder.

Pascale Hofmeier
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Auf dem Münsterplatz kann man bis Ende August verschiedene Filme schauen.
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Die Kinobesucher waren gut vorbereitet.
Alle warten im Regen gespannt auf die Vorpremiere.
Als Auftakt wurde am ersten Abend des Orangecinemas die Vorpremiere des Films «Les Vacances du Petit Nicolas».
Der Auftakt des Orangecinemas auf dem Münsterplatz

Auf dem Münsterplatz kann man bis Ende August verschiedene Filme schauen.

Juri Junkov

Über die Lausbubenstreiche des kleinen Nicolas hat sich gestern das Publikum im Orangecinema köstlich amüsiert. Mit der Vorpremiere von «Les Vacances du Petit Nicolas» hat auf dem Münsterplatz die zweite Saison des Open-Air-Kinos als Volkskino begonnen: Bis zum 31. August wird auf der riesigen Leinwand jeden Tag ein Film gezeigt; der Eintritt in die «Piazza Münsterplatz» kostet fünf Franken – ausser bei den Vorpremieren, da sind die Tickets teurer.

Weniger amüsiert sind aber die Organisatoren des Open-Air-Kinos über einen Entscheid der Basler Regierung: Diese hat im Juli beschlossen, das Orangecinema nicht mehr mit Geldern aus dem kantonalen Swisslosfonds zu unterstützen. 2013 flossen 25'000 Franken aus dem Subventionstopf ins Budget der Cinerent Openair AG, dieses Jahr waren es 50'000. Der Kanton begründet den Entscheid auf Anfrage damit, die Beiträge seien im Sinne einer Anschubfinanzierung für das neue Kino-Konzept gesprochen worden.

Ohne Sponsoren wirds teuer

Geändert hat die Veranstalterin das Konzept, weil der Kanton nach der Umgestaltung des Münsterplatzes eine Öffnung für ein grösseres Publikum gefordert hatte. Die Idee der «Piazza Münsterplatz» mit tiefen Ticketpreisen kam sehr gut an: Die Zahl der Eintritte stieg letzten Sommer auf 40'000 an, in den Vorjahren waren es rund 25 000.

Die Kürzung der Swisslos-Gelder könnte jedoch das Aus für das Volkskino bedeuten. «Wir müssen nun nach Sponsoren suchen», sagt Peter Hürlimann, CEO der Cinerent. Findet er keine Sponsoren, dann steigen die Eintrittspreise wieder auf das Niveau der Orangecinema in Bern und Zürich: 19 Franken pro Vorstellung. Denn: «Als wir das Konzept lanciert haben, haben wir mit den Beiträgen aus dem Swisslosfonds gerechnet.» Er kenne keinen anderen Ort, an dem diese Gelder so direkt den Konsumenten weitergegeben würden, sagt Hürlimann. Und eigentlich hofft er auf Gespräche mit dem Kanton. Denn: «Diskutiert wurde der Entscheid noch nicht.»

Unterstützung erhält das Volkskino auch aus den Reihen der lokalen Lieferanten. Weil er den Entscheid der Regierung nicht nachvollziehen kann, hat Luzius Bosshard, Geschäftsführer von Unser Bier, eine Petition für das Volkskino lanciert: «Die Regierung hat sich ein Volkskino gewünscht, die Organisatoren haben sich daran gehalten, und jetzt wird es gestrichen», sagt Bosshard. Er ist in der Debatte nicht ganz unparteiisch, versorgt er doch den Grossanlass mit Bier.

Nur wenn sich das Orangecinema ganz zurück ziehen würde, könnte ihm eine finanzielle Einbusse entstehen, hält Bosshard fest: «Bier wird sowieso verkauft, aber ich habe Mühe mit dem Regierungsentscheid.» Basel habe im Sommer nicht wahnsinnig viel anzubieten ausser den – finanziell unterstützten – Konzerten auf dem Floss und dem Sommerkino. «Das ist gut für die Gastronomie, es zieht Leute nach Basel.» Er hofft, dass die Petition im Grossen Rat auf offene Ohren stösst und die Regierung ihren Entscheid nochmals überdenkt.