Das Foyer am Theaterplatz brummt. Besucher strömen in und durch die Halle mit dem markant geschwungenen Dach, um ihr Theater zu sehen und zu erleben. Als Piazza für die ganze Stadt war es einst von Architekten konzipiert worden und am Samstag war es für einmal genau so.

Im Parterre luden Bar und Informationsstände das Publikum zum Verweilen ein, im Zwischenstock zeigte die Masken-Abteilung, wie vielfältig ihre Arbeit ist und zuoberst gelangte man auf den Werkhof, wo wiederum die Requisite kleine Geheimnisse verriet: Wie die verschiedenen Sorten von Nebel funktionieren, oder wie das Blut in und aus den Waffen kommt. Der Kostümfundus dagegen nutzte den Tag, um auszumisten und verkaufte Kleidung aus vergangenen Spielzeiten zu günstigen Preisen an die Fans.

In verwinkelten Gängen

Führungen sorgten dafür, dass niemand in den verwinkelten Gängen verloren ging. Man munkelte gar, der Hausdienst finde heute noch Türen, von denen niemand wisse, wohin sie führen. Die meisten Besucher waren regelmässige Theatergänger. Keiner, der in den Debatten der letzten Jahre gegen das Theater gewettert hatte, war zu sehen.

Dafür, welch seriöse Arbeit in diesem Haus geleistet wird. Für einmal bewiesen dies aber nicht die Werkstätten. Dort hatten Schlosser, Schreiner und Maler eine Bar eingerichtet, mit Bänken und Tischen und einem halben Holzschiff, in dem Mitglieder des Opern-Ensembles Auszüge ihres Könnens zum Besten gaben. Darüber entdeckte man mit Erstaunen die Innenseite der Glaspyramide.

Gearbeitet wurde dagegen auf den beiden grossen Bühnen. Die Oper gestattete einen Einblick in die nächste Premiere: «Les contes d’Hoffmann» in der Regie von Elmar Goerden. Eine ungeheure Menschenmasse bewegte sich singend über die Bühne, doch nicht so, wie der Regisseur sich das vorstellte. Also noch einmal zurück und von vorne, und dann noch einmal und noch einmal. Theater ist Detailarbeit, ist die Perfektionierung komplexer Abläufe.

Musikalische Schmankerl

Nicht nur mit und unter Menschen, das bewies die zweite Probe auf der Schauspielhaus Bühne. «Frankenstein» in der Regie von Philipp Stölzl. Frankenstein ist eine riesige Puppe, die von mehreren Spielern bedient wird, dazu gibts Livemusik und verstärkte Stimmen. Es zeigte sich, dass die Anwesenheit von Publikum dieses technische Gleichgewicht derart veränderte, dass Anpassungen nötig waren. Eine hilfreiche Erfahrung für die Premiere in zwei Wochen.

Die Kollegen aus anderen Inszenierungen präsentierten derweil musikalische Schmankerl im Eingangsbereich und bemühten sich um Lebensoptimierung. Schauspielchef Thomas Schweigen stand gar selbst an der Saftbar und auch Intendant Georges Delnon mischte sich im knallroten Theater-Basel-Shirt leutselig unter die Besucher.

So ein Tag ist immer auch eine Werbeveranstaltung. Noch immer wartet das Theater auf Geld von Baselland. Dass dieses nicht für einen Betrieb verschleudert wird, der Handgelenk mal Pi irgendwelche Kunst produziert, das zeigte dieser Tag eindrücklich. Und als auf dem Theaterplatz auch noch ein Flashmob des Kammerorchesters und des Chores des Gymnasiums Leonhard «Freude schöner Götterfunken» schmetterte, fügte sich alles zusammen: ein offenes Theater, eine offene Stadt und der Nachweis, dass Bühnenkunst tatsächlich harte Arbeit bedeutet.