Sinfonieorchester Basel

Optimistisch und gut unterwegs, trotz Exil

Das Sinfonieorchester Basel ist während der Umbauphase des Stadtcasinos im Exil.

Das Sinfonieorchester Basel (SOB) kommt in seiner ersten Exil-Spielzeit – während des Stadtcasino-Umbaus – gut zurecht: Die Konzerte im Theater, Münster und Musical-Theater sind besser ausgelastet. Entsprechend optimistisch blickt das SOB in die Spielzeit 2017/18.

Vor Umbaubeginn im quasi eigenen Haus Stadtcasino sei das SOB «sehr unsicher» gewesen, ob das Publikum an die sehr unterschiedlichen Ausweichorte mitzieht, sagte Geschäftsleiter Franziskus Theurillat am Dienstag vor den Medien. Doch «das Risiko hat sich gelohnt», denn die Auslastungszahlen im ersten der drei Exiljahre seien «sehr gut».

Zuletzt hatte das grösste Basler Orchester im Casino mit dessen 1300 Plätzen rund 75 Prozent Auslastung erreicht. Nun sind es bei eigenen Konzerten im Theater mit 1000 Plätzen und im kühlen Münster mit 1200 Plätzen je 85 Prozent und im Musical Theater mit fast 1600 Plätzen gar 97 Prozent. Auch kleine Besetzungen in kleinen Lokalen seien gut besucht.

Top-Chor und Orgel-Punk zu Gast

Entsprechend zuversichtlich kündigte Chefdirigent Ivor Bolton die Pläne für die kommende Saison auf den selben Exil-Bühnen an – seine zweite als Chef in Basel. Sein Programmschwerpunkt liegt bei französischer Musik sowie der klassizistischen Moderne. Indes hat auch modernes Platz; das Publikum ist denn auch jünger geworden.

Als eines der Highlights 2017/18 hob Bolton den 3. Aufzug von Parsifal unter Dirigent Mark Elder im Basler Münster und im Goetheanum Dornach hervor. Mario Venzago wird ferner ein Bruckner-Konzert im Münster dirigieren. Und der Freiburger Balthasar-Neumann-Chor gastiert für zwei Konzerte am Rheinknie.

Unter den Gast-Solisten dürften etwa die japanische Violinistin Midori oder der amerikanische Organist Cameron Carpenter herausstechen. Letzterer - laut Planungsleiter Hans-Georg Hofmann wegen wilden Auftretens als "Punk" apostrophiert - bringt seine riesige eigene Orgel mit für den Orchesterabend im Basler Musical Theater.

Orchestrale Grenzfälle

Das SOB plant gemäss Bolton heuer auch mindestens drei CD-Aufnahmen, darunter eine von Rossini-Werken. Zwar seien die Verkaufszahlen von Tonträgern nicht berauschend, aber sie seien wichtig für das Profil eines Klangkörpers - und er wolle am «Unique Basel Sound» weiter feilen. Zudem werde das SOB in Grossbritannien auf Tournee gehen.

Das SOB ist nicht nur in eigener Sache als Orchester oder in Kammerbesetzung zu hören, sondern auch in etwa gleichem Umfang bei Opern und Ballett im Basler Theater. Dazu kommen kleine weitere Verpflichtungen wie Chorbegleitungen oder das Coop-Abo. Auf eigene Abonnenten entfallen rund zwei Drittel der SOB-Konzertbesucher.

Das Sinfonieorchester erhält von Basel-Stadt jährlich 7,6 Millionen Franken und von Baselland zwei Millionen. Im Stadtcasino hatte das SOB zuletzt 46 Prozent der Abonnenten aus dem Stadtkanton ausgewiesen. 42 Prozent waren (Saison 2015/16) aus Baselland, 5 Prozent aus dem Aargau und 3,2 Prozent aus dem Solothurnischen.

Abonnenten aus der übrigen Schweiz waren es 1,3 Prozent und aus dem Ausland 2,5 Prozent. Dass aus dem direkt angrenzenden Elsass und Südbaden nicht mehr Stammpublikum kommt, erklärt Theurillat mit dem dortigen Preisniveau – Schweizer Konzerte sind deutlich teurer.

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