Glosse
Optische Enttäuschungen

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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So präsentiert sich die neue Basler Regierung

So präsentiert sich die neue Basler Regierung

Ursula Sprecher & Andi Cortellin

Regierungsfotos erfreuen sich als PR-Instrument wachsender Beliebtheit. Ausserdem lassen sich damit Jahresberichte optisch aufwerten. In der Schweiz setzt der Bundesrat die Benchmark. Gestern zog Basel-Stadt nach. Wer auf eine kecke Inszenierung gehofft hat, wird enttäuscht, die Basler Regierung ist eher sec denn sexy, lieber nautisch als naughty.

Zuerst gilt zu sagen: Das Bild ist eine Montage. Hätte man die Regierung tatsächlich im winterlichen Hafen abgelichtet, wären die magistralen Visagen röter als das Parteibüchlein der SP-Vertreter. Der Laie erkennt dies an den unterschiedlichen Lichtquellen. Das Schiff ist angestrahlt, die Hausfassade im Hintergrund auch, obwohl oben rechts ein Licht auszumachen ist. Den Regierungsmitgliedern scheint ohnehin die Sonne ins Gesicht. So werfen sie zwar Schatten voraus, wenn auch keine langen.

Womit wir schon bei der Interpretation wären. Die Regierungsräte begegnen dem Betrachter auf Augenhöhe, wobei Staatsschreiberin Barbara Schüpbach die grösste Weitsicht beweist. Conradin Cramer (steif) und Hans-Peter Wessels (nicht zugeknöpft) unterstreichen, wie sie wirken wollen, während sich Baschi Dürr forsch in den Vordergrund drängt. In der Mitte glänzt Lichtfigur Elisabeth Ackermann. Kleiner Wermutstropfen: Als einzige Politikerin bleibt sie farblos. Leicht linkisch linst Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin neben ihr in die Kamera – er sucht gerade sein Portemonnaie. Hingegen ist die inszenierte Ellenböglerei zwischen Lukas Engelberger und Neo-Mitglied Tanja Soland fast ein Trompe-l’œil: Schuhmässig ist er ihr einen kleinen Schritt voraus, dennoch hat sie oberhalb der Bildmitte die Nase klar vorne. Hat sich da der CVP-Regierungsrat etwas zu sehr zurückgelehnt?

Und dann der Ort. Zuletzt setzte sich die Regierung im entstehenden Biozentrum in Szene. Ein Schauplatz, der sich später in mehrfacher Hinsicht als eine der grössten Baustellen des Kantons herausstellte. Jetzt also das Hafenbecken 2. Die dunklen Wolken vom grössten Brand der letzten Jahre sind verzogen. Der Ort steht für Aufbruch, für Zukunft, für Internationalität. Diese Regierung ist fest hier verankert, sagt das Bild, ist der sichere Hafen in stürmischen Zeiten. Zumindest als Montage.