Dieser Fussgängerstreifen besteht nicht etwa aus Balken, sondern ist wie jeder andere auf die Strasse gemalt. Der einzige Unterschied: Mit einer ausgefeilten Maltechnik und Schattierungen scheint er aus der Strasse hervorzuragen – und damit die Aufmerksamkeit von Autofahrern auf sich zu ziehen.

Die Grüne Grossrätin Michelle Lachenmeier ist vom Konzept so begeistert, dass sie den 3D-Fussgängerstreifen auch in Basel testen will. Sie hat am Mittwoch einen entsprechenden Vorstoss zuhanden der Regierung eingereicht. Darin schreibt sie: «Dreidimensional aufgemalte Fussgängerstreifen wirken auf die Betrachter optisch wie ein Hindernis, sodass die Verkehrsteilnehmenden vorsichtiger und langsamer auf einen Fussgängerstreifen zufahren und Fussgänger die Strasse sicherer überqueren können.» Die Verkehrsstatistik 2016 zeige, dass die Anzahl schwer verletzter Fussgänger beim Überqueren eines Zebrastreifens in Basel wieder angestiegen sei. «Mit dieser kostengünstigen Massnahme wäre insbesondere in der Nähe von Kindergärten und Schulhäusern gleichzeitig mit einer optisch willkommenen Aufwertung der Strassen mehr Sicherheit zu erwarten», schreibt sie.

Vorbild aus Island

Weit verbreitet sind 3D-Fussgängerstreifen bisher nicht. Lachenmeier nennt in ihrem Anzug zwar zwei Städte, darunter Madrid. Die zweite Stadt ist aber genauer genommen keine Stadt, sondern ein isländisches 2600-Seelen-Dörfchen namens Ísafjörður.

Die Fussgängerstreifen-Illusion aus dem isländischen Dörfchen namens Ísafjörður.

Die Fussgängerstreifen-Illusion aus dem isländischen Dörfchen namens Ísafjörður.

Um auf dem Bild die optische Täuschung zu entlarven, braucht es einiges an Vorstellungsvermögen (oder Sie schauen sich das obige Video an) . Von oben betrachtet sind weisse Rechtecke auf den Asphalt gemalt, umrahmt von dunkleren, verzerrten Rechtecken (die aus der Fahrerperspektive als «Seitenwände» der imaginären Blöcke erscheinen). Dazu kommen perspektivisch versetzte, noch dunkleren Flächen, die als Schatten wahrgenommen werden. Besucher von Fussballstadien könnten das Phänomen von jenen Werbeblachen kennen, die am Spielfeldrand liegen und so auf die Kameras ausgerichtet sind, dass sie im Fernsehen als Schriftzüge erscheinen.

Die Entwickler des isländischen Zebrastreifens geben an, dass ihr Prototyp noch zwei Probleme habe: Die Illusion funktioniere nur aus einer Richtung und nur bei Tageslicht. Lachenmeier fragt deshalb die Regierung auch gleich nach Massnahmen an, um die 3D-Fussgängerstreifen auch in der Nacht gut sichtbar zu machen.

Einen idealen Ort für ein Pilotprojekt habe sie in ihrem Vorstoss bewusst weggelassen, sagt die Politikerin auf Anfrage. «Es müsste wohl eine etwas breitere Einbahnstrasse sein, da der Effekt nur von einer Seite her funktioniert, beispielsweise die Dornacher- oder Gundeldingerstrasse.» Bei der konkreten Umsetzung zähle sie auf die Kreativität der Spezialisten im Verkehrsdepartement.