Jürgen Klopp ist bekannt dafür, impulsiv zu sein und emotional zu reagieren. Dafür steht der Trainer des FC Liverpool wie kein anderer. So sagte er nach dem Einzug seiner Mannschaft in den Europa-League-Final: «Wir nehmen 50 000, 60 000, vielleicht 100 000 Leute mit, wenn auch nicht ins Stadion. Basel ist eine schöne Stadt, ganz in der Nähe meiner Heimat.»

Es ist eine typische Aussage des in Stuttgart geborenen Klopp. Doch ganz untypisch für ihn zog er seine Aussage am Sonntag nach dem Spiel gegen den FC Watford wieder zurück: «Das letzte Mal, als ich über Basel sprach, tat ich das wie ein Fan und habe alle Liverpool-Fans nach Basel eingeladen. Das war nicht sehr schlau», so Klopp.

Basel sei eine schöne Stadt, «aber Basel ist nicht bereit für uns.» Seine Einladung sei ein Fehler gewesen und er müsse sie zurücknehmen. Ausschliesslich Fans, die das Glück hatten, eine der 10 236 Eintrittskarten, die dem FC Liverpool zur Verfügung gestellt wurden, ergattert zu haben, sollen nach Basel reisen. «Alles andere würde Chaos bedeuten.» Klopp bat ausdrücklich darum, dass man dieses eine Mal auf ihn hören solle.

«Zehnmal lieber»

Der Liverpool-Coach hatte wohl nicht mir der positiven Reaktion aus Basel gerechnet. «Ich mag Klopps manchmal etwas gar spontane Art. Solche Trainer sind im Fussball rar und mir sind diese in der Euphorie geäusserten, pointierten Äusserungen zehnmal lieber als immer die gleichen Fussballerphrasen», sagt Peter Howald, Leiter der Abteilung Sport und des Sportamtes des Erziehungsdepartements Basel-Stadt auf Anfrage.

Zuversicht dank Erfahrung

Wie viele Fans effektiv aus Liverpool und der Stadt des Finalgegners, dem FC Sevilla, anreisen werden, ist noch nicht klar. «Wir werden bei den Vorbereitungsarbeiten mit den beteiligten Partnerorganisationen abklären, mit wie vielen Fans tatsächlich zu rechnen ist.» Auch von der Kantonspolizei Basel-Stadt ist zu vernehmen, dass es schwer abzuschätzen sei, wie viele Fans am Mittwoch in einer Woche tatsächlich in Basel sein werden.

Und auch wenn diese Unklarheit noch herrscht, macht sich Howald keine Sorgen ob Klopps ursprünglichen Ankündigungen: «Wir hatten während der Euro 2008 weit über 100 000 Holländer hier.» (Holland spielte damals im Viertelfinale in Basel gegen Russland, Anm. d. Red.) Und auch in der Champions League bei den Spielen gegen Celtic Glasgow, Manchester United oder eben Finalteilnehmer Liverpool oder aber beim Länderspiel der Schweiz gegen Irland habe es schon die Situation gegeben, dass sehr viele Fans ohne Tickets nach Basel gereist seien. «Wir denken», zeigt sich Howald zuversichtlich, «dass wir gerüstet sind und freuen uns auf ein Fussballfest.»

Einfacher ist der Besucheransturm insofern zu bewältigen, als dass die meisten Fans kein Zimmer benötigen, weil sie mit Charterflügen anreisen und in der Nacht nach dem Spiel wieder zurückfliegen, um den allfälligen Titelgewinn ihrer Mannschaft in ihrer Stadt zu feiern. Dennoch sind sämtliche 7000 Betten in den 4000 Hotelzimmern der Stadt am Abend des Spiels am 18. Mai bereits ausgebucht.