«Adieu Lukas», schrieb ich in einer Kolumne der damaligen «Nordschweiz» am 13. Mai 1980, weil Lukas Burckhardt am 15. Mai 1980 aus der baselstädtischen Regierung ausschied. Von 1960 bis zum 14. Mai 1980 sass ich mit Lukas Burckhardt jeden Dienstag im Rathaus zur Behandlung der vorliegenden Regierungsgeschäfte. Etwas überraschend demissionierte er auf das Ende der Amtsdauer des Jahres 1980.

Er war der Nachfolger des langjährigen liberalen Vorstehers des Erziehungsdepartements, Dr. Peter Zschokke. Seiner Wahl im Jahr 1966 gingen umfangreiche Sondierungen voraus, weil die Papabile seiner Partei unisono abgesagt hatten, und man schliesslich den relativ jungen Strafgerichtspräsidenten, der nie einem Parlament angehörte, auf den Schild hob. Weil mit Peter Zschokke gleichzeitig auch Dr. Alfred Schaller, Radikaldemokrat (heute FDP) demissionierte und an seiner Stelle alt Waisenvater Arnold Schneider in die Regierung gewählt wurde, kam es bei der Ämterverteilung zu einer Rochade. Dem Verstorbenen wurde das Finanzdepartement zugeteilt, und Arnold Schneider wurde Vorsteher des Erziehungsdepartements.

Er fasste in diesem Führungsgremium dank seiner raschen Auffassungsgabe sofort Tritt. Er war ein verlässliches Mitglied dieser Kollegialbehörde, weil ihn klar war, dass Erfolge nur erreicht werden können, wenn in schwierigen Fragen ein möglichst breiter Konsens erzielt werden kann. So hat er sich, ohne seine Selbstständigkeit und Originalität aufzugeben, bestens in das Gremium eingefügt. Nie versuchte er, seine starke Stellung als Finanzminister auszunützen oder alles nur aus dem Blickwinkel des Geldes zu beurteilen. Es kam bei ihm in erster Linie auf den Zweck und erst in zweiter Linie auf das Geld an. Das Notwendige musste immer möglich sein.

Aber Masshalten in allen Bereichen war eines seiner zentralen Prinzipien. In seine Zeit fiel die grosse Finanzknappheit anfangs der Siebzigerjahre, aber vor allem die Einführung des planmässigen Budgetierens, der elektronischen Datenverarbeitung oder pauschal ausgedrückt: die Modernisierung des damaligen Finanzwesens in fast allen seinen Facetten. Er war immer gesprächsbereit, originellen Lösungen zugetan und sah – auch bei bisweilen hitzigen Debatten um die finanziellen Mittel – stets die Sache. Er kämpfte gegen die Auswüchse des Staatsapparats und suchte die personelle Ausdehnung in Schranken zu halten. Wie jedem von uns blieben auch ihm die Misserfolge nicht erspart.

Er hat diese Prüfungen gemeistert und sich nie in den Schmollwinkel zurückgezogen. Zu schaffen machte ihm die «Küderli-Affäre», die den Staat viel Geld kostete, weil das Finanzdepartement der Stahlfirma relativ grosszügige und zu wenig gesicherte Kredite gegeben hatte. Obwohl er in dieses Geschäft nicht direkt involviert war, übernahm er die Verantwortung und klärte die Sache schonungslos auf. Freude bereitete ihm dagegen der positive Ausgang der legendären Abstimmung über die Picasso-Bilder, für die er sich persönlich stark engagierte.

Nach seinem Rücktritt war er einige Jahre Präsident der Basler Kantonalbank und widmete sich seinen vielfältigen Hobbys. Er moderierte jahrelang auf «Radio Basilisk» die Sendung «Jazz mit Cheese». Als begnadeten Trompeter traf ihn ein Unfall mit der Mähmaschine schwer. Wegen der havarierten rechten Hand musste er sein geliebtes Instrument für die linke Hand umbauen lassen. Er löste auch dieses Problem mit Erfolg.

Er war mit Marischa Ruperti verheiratet, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte. Die Tochter, Ariane Rufino dos Santos, trat in seine Fussstapfen und ist eine vielseitige Musikerin. Sie betreute in den letzten Jahren vor allem den Vater, der zunehmend intensive Pflege benötigte. Sie organisierte seinen 90. Geburtstag, den er in der «Mägd» mit wenigen Freunden feierte. Ich hatte das Privileg, dabei zu sein. Er trat voll motiviert im Frack auf und erfreute die Runde mit Klavier- und Trompetenspiel bester Qualität. Es kam mir vor wie das Aufleuchten der Abendsonne nach einem trüben Tag. Es war wohl sein musikalischer Abschied. Adieu Lukas.

* Eugen Keller sass von 1972 bis 1992 für die CVP in der Basler Regierung.