Baselbieter Spitalkrise
Orthopädie-Chefarzt: «Mehr Kooperation ist unausweichlich»

Victor Valderrabano, Chefarzt der Ortopädie-Abteilung des Uni-Spitals, will Kantonsgrenzen überwinden. Er setzt sich für den Zusammenschluss der vier öffentlichen Spitäler der beiden Basel ein, da die Grenzen keinen Sinn machen.

Benjamin Wieland
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Plädiert für ein Uni-Spital beider Basel: Victor Valderrabano.ken

Plädiert für ein Uni-Spital beider Basel: Victor Valderrabano.ken

Herr Valderrabano, wie gross ist die Konkurrenz zwischen dem Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel?

Victor Valderrabano: Ich würde das nicht Konkurrenz nennen, sondern aktiver Wettbewerb. Wir sind Mitstreiter, die aber seit längerem in verschiedenen Bereichen kooperieren.

Der Grund für die Frage: Ihr Spital hat eine «Erfolgsmeldung» an die Medien verschickt – just am selben Tag, als bekannt wurde, dass vier leitende Ärzte der Orthopädie des Bruderholz-Spitals dieses in Richtung Birshof-Klinik verlassen werden. War das ein Wink an weitere Abwanderungswillige?

Da muss ich vorausschicken: Ich bedaure den Abgang der Ärzte, denn sie verlassen ein öffentliches Spital. Unsere Mitteilung war sowieso geplant. Wir haben sie an jenem Tag veröffentlicht, um die Aufmerksamkeit zu nutzen, die dem Fach Orthopädie generell in der Region zugute kommt.

Stichwort Wettbewerb: Die ehemals staatlichen Spitäler verlieren an Boden, und das nicht nur in der Orthopädie. Sind die öffentlichen Spitäler zu wenig wettbewerbsfähig?

Das würde ich so nicht sagen. Öffentliche und private Kliniken haben nicht gleich lange Spiesse. Man darf nicht vergessen, dass wir in der Ausbildung von Nachwuchs tätig sind. In Privatkliniken werden keine Assistenzärzte ausgebildet.

Sie müssen zugeben: Mit ihrer Lohnstruktur haben die öffentlichen Häuser keine Chance gegen die private Konkurrenz!

Das ist korrekt. Wir müssen an einem besseren Entlöhnungssystem für das mittlere Kader, also für Oberärzte, arbeiten. Man muss aber auch das beachten, was wir ausserhalb des finanziellen Aspekts den Kaderärzten bieten: internationaler Austausch, die Nähe zu Forschung und Innovation, eine Notfall- und elektive Klinik mit aus medizinischer Sicht sehr interessanten Fällen.

Bessere Entlöhnung ist das eine. Ihre Strategie zielt aber vorerst in eine andere Richtung. Sie propagieren den Zusammenschluss der vier öffentlichen Spitäler der beiden Basel.

Ja. Die engen Grenzen, die wir hier in der Nordwestschweiz kennen, machen keinen Sinn. Das Ziel der Einführung der DRG, also der Fallkostenpauschalen, war das Aufheben von Grenzen. Wir müssen darauf reagieren. Das können die öffentlichen Spitäler am besten, indem sie eng kooperieren – oder sich zusammenschliessen.

Ihre Aussage wird vielen Baselbietern nicht gefallen. Sie sehen dahinter einen feindlichen Übernahmeversuch ihrer Kantonsspitäler!

Diese Angst sollte man nicht entwickeln. Das Universitätsspital ist, wie der Name schon sagt, eng mit der Universität verflochten. Und der Kanton Baselland ist Träger der Uni. Das enge Kooperieren oder Zusammenkommen unter einem Dach könnte – zumindest für Fachbereiche wie die Orthopädie – ein national und international betrachtet sinnvoller Weg sein.

Heute zeigt der Trend aber eher in Richtung Spezialisierung. Ein neuer Koloss mit vier öffentlichen Spitälern wäre zu wenig wendig.

Das muss nicht sein. Sehen Sie die Orthopädie am Unispital an: Wir sind bereits heute an drei Standorten tätig: Hier am USB, aber auch am Bethesda-Spital und im Spital Samedan, für welches wir seit 2012 mit einem Team von uns die Orthopädie und Unfallchirurgie betreiben. Mit genügend Absprache funktioniert das gut.

Genau die Absprache scheint am Kantonsspital Baselland der Knackpunkt gewesen zu sein: Die Ärzte am Bruderholz wollten nicht in einer Orthopädie Baselland aufgehen.

Ich will die Vorgänge am Bruderholz nicht kommentieren. Aber es führt kein Weg an mehr Kooperation vorbei. Das zeigen auch Besuche im Ausland. Zurzeit besuche ich einen Kongress in den USA. Meinen Auftritt dort sehe ich als Fachvertreter Orthopädie der gesamten Nordwestschweiz. Wenn ich meinen amerikanischen Kollegen erzähle, dass wir hier zwei öffentliche Kliniken haben, die drei Kilometer voneinander entfernt liegen, aber jeweils einen anderen Kanton als Träger haben, dann können die das nicht verstehen. Und so ergeht es auch mir.

Victor Valderrabano ist Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Universitätsspital und Professor an der Universität Basel.

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