Gesundheit

Orthopädie im Überfluss: Spitäler beider Basel rüsten sich für den Verdrängungskampf

Mit der neuen Spitalliste wollen beide Basel ab 2021 orthopädische Eingriffe beschränken. (Archivbild)

Mit der neuen Spitalliste wollen beide Basel ab 2021 orthopädische Eingriffe beschränken. (Archivbild)

Bevor die beiden Basel mit der neuen Spitalliste das Überangebot in der Orthopädie bekämpfen, spitzt sich der Konkurrenzkampf zu.

Bis zu 30 Prozent der orthopädischen Eingriffe in Basel-Stadt und Baselland sind für die Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (BS) und Thomas Weber (BL) unerklärlich, also vermutlich unnötig. Das belegt ein Bericht, den die beiden Anfang September präsentiert haben. «Gegen diese Überversorgung wollen wir vorgehen», sagte Engelberger damals. Das Instrument dafür soll die neue gemeinsame Spitalliste sein, die ab 2021 gilt.

Doch im Moment scheint es eher, dass das Wettrüsten weitergeht, so lange es möglich ist. Schon im Sommer verkündete das Basler Universitätsspital (USB) den Ausbau der Kooperation mit dem Bethesda-Spital im Bereich der Orthopädie. Dagegen kämpft Mitkonkurrentin Merian Iselin, weil das Bethesda gar nicht über die entsprechenden Leistungsaufträge verfügt, wie die bz vor einem Monat offenlegte.

Kantonsspital baut in Liestal «Center of Excellence» auf

Und Ende September vermeldete das Kantonsspital Baselland (KSBL), dass der renommierte Orthopäde Beat Hintermann die Leitung der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates per 1. Oktober abgebe. Er wird mit der Aufgabe betreut, die bisherige Abteilung für Fuss und Sprunggelenk zum «Center of Excellence» in Liestal aufzubauen. Neu fungiert es als «eigene ausgegliederte Organisationseinheit mit explizit zugeteilten Ressourcen», wie das KSBL auf Anfrage präzisiert.

Am 9. Oktober dann doppelte das KSBL mit der Meldung nach, für den zum USB/Bethesda abgewanderten Karl Stoffel einen mehr als valablen Ersatz gefunden zu haben: den eigentlich am Kantonsspital Schaffhausen 2018 pensionierten Hüftchirurgen Karl-Heinz Widmer.
«Der Verdrängungskampf geht weiter», kommentiert Roman Lusser die Bewegung auf dem Markt. Der Allschwiler ist Präsident des Vereins der Basler Orthopäden, dem gut 30 Belegärzte angehören. Kein Anbieter wolle in dieser entscheidenden Phase an Boden verlieren.

Das Kantonsspital wehrt sich auf Anfrage vehement dagegen, dass Stärkung und Umstrukturierung der Abteilung Fuss und Sprunggelenk einen Ausbau in der Orthopädie darstelle: «Mit dem Aufbau des Center of Excellence wird in keiner Weise das Angebot erweitert», schreibt Sprecherin Anita Kuoni. Gleichzeitig hält sie fest, dass sich Beat Hintermann, der in zwei Jahren pensioniert wird, nun «zu 100 Prozent auf sein Spezialgebiet konzentrieren kann». Ausserdem werde ein auf Fusschirurgie spezialisiertes Operations-Team permanent dem neuen Center zugeordnet. Kuoni bucht dies unter Verlagerung bestehender Ressourcen ab. Die Personalie Karl-Heinz Widmer wiederum sei eine Ersatzanstellung, die das Angebot in der Hüftchirurgie sichern solle.

Auch die anderen regionalen Orthopädie-Player stärken sich

Tatsächlich geht es nicht unbedingt darum, stetig Personal aufzustocken oder neue Leistungen anzubieten. Das Beispiel KSBL zeigt, dass eher im Zentrum steht, die erarbeitete Position zu zementieren. Für Lusser ist es aber «eine verpasste Chance, auf das Überangebot in der Orthopädie zu reagieren und tatsächlich auch eigene Leistungen zu überdenken».

Das macht freilich keiner der Player auf dem Markt. Auch die Hirslanden Klinik Birshof in Münchenstein oder das Merian Iselin achten darauf, ihre Leistungen zu konsolidieren, bevor 2021 mit der neuen Spitalliste der grosse Umbruch kommt. Die Regierungen beider Basel haben betont, stärker als bisher bei der Vergabe der Leistungsaufträge einzugreifen. Heute haben über beide Kantone gesehen zehn Kliniken die Bewilligung, Eingriffe am Bewegungsapparat vorzunehmen. Die neue Liste sieht aber unter anderem Mengenbeschränkungen vor.

USB/Bethesda-Deal: Baselland bemängelt Ausbau des Angebots

Noch bis Ende Oktober können sich Kliniken für Leistungsaufträge bewerben. Olivier Kungler, Generalsekretär der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, möchte zum laufenden Verfahren keinerlei Angaben machen. Die Veränderungen am KSBL hält er aber für unproblematisch: «Es wird kein neues Angebot aufgebaut.» Spannend ist Kunglers schriftliche Klammerbemerkung «im Gegensatz zur Situation USB/Bethesda». Ob dies ein Indiz ist, dass die Regierungen der Kooperation den Riegel schieben, wird erst die neue Spitalliste zeigen.
Aber auch das Kantonsspital darf sich seiner Sache nicht zu sicher sein. Denn noch diesen Herbst wird die Baselbieter Regierung die Vorlage zur Zukunft des Kantonsspitals präsentieren. Sie könnte alle Pläne auf den Kopf stellen.

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