Basler Grosser Rat
«Osi» Inglin will sich zu Schulthemen äussern solange sie ihn nicht selbst betreffen

Oswald Inglin ist als Konrektor des grössten Basler Gymnasiums und Präsident der Bildungs- und Kulturkommission in einer heiklen Konstellation. Er könnte in Interessenskonflikte geraten, war die Befürchtung.

Valentin Kressler
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Mann der Projekte: Konrektor Oswald Inglin (59)

Mann der Projekte: Konrektor Oswald Inglin (59)

Nicole Nars-Zimmer

Die Schalthebel der Macht sind im neuen Basler Grossen Rat neu besetzt. In Szene gesetzt hat sich von den «Neuen» bisher vor allem einer: Oswald «Osi» Inglin (59), seit Anfang Februar Präsident der Bildungs- und Kulturkommission (BKK). Fast täglich ist der CVP-Politiker im Zusammenhang mit der Schliessung des Kunstmuseums in den Medien präsent.

Novum

Die Rolle des Kommissionspräsidenten interpretiert Inglin weit aktiver als seine Vorgängerin Christine Heuss (FDP) und scheut auch nicht davor zurück, die Regierung in markigen Worten zu kritisieren. Die Kunstmuseums-Schliessung bezeichnete er etwa als «absoluten Skandal». Er lud Regierungspräsident Guy Morin (Grüne) vor und verschickte im Anschluss an die Aussprache eine Medienmitteilung. Ein Novum.

«Einiges bewirkt»

Inglin heische um Aufmerksamkeit, heisst es in der Politszene. Er habe diese Auftritte «nicht gesucht», sagt Inglin. Abgesehen von der Mitteilung sei er «nicht aktiv» an die Medien gelangt. Er habe die Mitteilung zudem auf Wunsch der Kommission verfasst und damit «einiges bewirkt». Am Mittwoch hat Morin im «Regionaljournal» doch noch ein Alternativprogramm während der Museums-Schliessung angekündigt.

Er verfolge nun aber nicht die Absicht, bei jedem x-beliebigen Geschäft eine Mitteilung zu verschicken, sagt Inglin. Er wolle dieses Mittel dosiert einsetzen. Inglin sieht seine Kommission als «Partner» der Regierung. Für die Kontrolle sei die Geschäftsprüfungskommission zuständig. «Ich setze mich dafür ein, dass wir möglichst gute Entscheide fällen, die im Grossen Rat Bestand haben.»

«Um gewisse Neutralität bemüht»

Vorgängerin Heuss sagt, sie habe Inglin als «sehr engagiert, intelligent und mit profunden Sachkenntnissen» erlebt. Aus ihrer Zeit als Kommissionspräsidentin wisse sie, dass es manchmal schwierig sei, nur moderierend zu wirken. «Oft hätte ich gerne meine Meinung kund getan», sagt Heuss. «Ich habe mich aber meist um eine gewisse Neutralität bemüht.»

Inglin verfolgt eine andere, forschere Strategie, seine Vorschläge sind aber nicht immer ausgegoren. Die Forderung, die Werke während der Kunstmuseums-Schliessung in der Voltahalle auszustellen, hat in der Kulturszene für Irritationen gesorgt, da dies aus sicherheitstechnischen und konservatorischen Gründen gar nicht möglich sei.

Denkanstösse geben

Seinen Vorschlag hat Inglin aber durchaus ernst gemeint. «Wenn man etwas wirklich will, ist es auch machbar», sagt er bestimmt und nennt neben der Voltahalle auch die Markthalle und das Gundeldinger-Casino als mögliche Provisorien. Er wolle Denkanstösse geben, damit die Verantwortlichen nach «originellen Lösungen» suchen würden.

Der frühere Major Inglin, der bisher als engagierter, aber nicht besonders auffälliger Grossrat galt, aspirierte schon länger auf einen höheren Posten. 2002 wollte er Rektor des Leonhardsgymnasiums werden. Inglin, seit 1988 Konrektor, unterlag aber gegen Peter Litwan. Eine bittere Niederlage, da sich die Inspektion des Gymnasiums erst für Inglin ausgesprochen hatte, Erziehungsrat und Regierung den Entscheid aber noch zugunsten von Litwan korrigierten.

Vortritt lassen

Auch beim Grossratspräsidium musste Inglin einem anderen den Vortritt lassen, dem früheren Parteipräsidenten Markus Lehmann. 2007 wurde Inglin zwar ins Büro des Grossen Rats gewählt, deren Mitglieder früher oder später das Grossratspräsidium übernehmen. 2009 wurde er hier aber von Lehmann verdrängt, der sich 2011 als «höchster Basler» im Hinblick auf die Nationalratswahlen profilieren konnte.

Inglin, früher im Pfarreirat der Pfarrgemeinde Heiliggeist und in der Synode der Römisch-Katholischen Kirche aktiv, zählt zum christlich-sozialen Flügel der CVP. Dieser ist in der Partei in einer Minderheitsposition und hat unter Lehmann weiter an Einfluss eingebüsst. Frühere Exponenten waren etwa Hugo Wick, Peter Schai oder Beatrice Inglin-Buomberger, Inglins Frau. Inglin stand bisher im Schatten seiner Frau Beatrice, mit der er seit über dreissig Jahren verheiratet ist und drei Kinder hat.

2004 war sie Grossratspräsidentin und wurde früher auch als Regierungsratskandidatin gehandelt. 2005, nachdem sie vom Grossen Rat zur Ombudsfrau gewählt worden ist, zog sie sich aus der Politik zurück. Im gleichen Jahr startete Inglin seine Politkarriere, seit Februar 2005 ist er im Grossen Rat.

Könnte in Interessenkonflikte geraten

Die Wahl des leutseligen, im Parlament geschätzten Inglin zum neuen BKK-Präsidenten war umstritten. Als Konrektor des grössten Basler Gymnasiums könnte er vor allem bei Schulthemen in Interessenkonflikte geraten, lautete die Befürchtung. Sie finde diese Konstellation «nach wie vor problematisch», sagt Kommissionsmitglied Martina Bernasconi (Grünliberale).

Inglin ist sich der Problematik bewusst. Als Konrektor sei er aber «kein Chefbeamter», sondern nur ein «persönlicher Mitarbeiter des Rektors». Er sei der Ansicht, dass er sich zu Schulthemen äussern dürfe, solange diese ihn nicht direkt betreffen würden. Falls er in einer Sache befangen sein sollte, werde er das Geschäft an seinen Vizepräsidenten Martin Lüchinger (SP) übergeben.

Mann der Projekte

Inglin muss sich nun in der unspektakulären Alltagspolitik beweisen. Bisher hat er vor allem im Zusammenhang mit Utopien für Schlagzeilen gesorgt. Er ist treibende Kraft im Initiativ-Komitee für den Central-Park, der ohne die Unterstützung von SBB und Regierung keine Realisierungschance hat. Inglin sitzt zudem im Vorstand des Vereins Basler Geschichte, der sich eine neue Basler Stadtgeschichte zum Ziel gesetzt hat. Auch das bleibt wohl ein frommer Wunsch.

Im Leonhardsgymnasium ist Inglin der Mann der Projekte. Der Konrektor ist verantwortlich für den immersiven Unterricht und den Schüleraustausch mit Boston. Der «Mister Immersion» unterrichtet selbst Geschichte auf Englisch. In drei Jahren geht er in Pension. Bereits heute spricht er von einer erneuten Kandidatur bei den Grossratswahlen 2016. Kein Zweifel, mit Inglin ist in der Politik weiter zu rechnen.

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