Das Bundesamt für Strassen (Astra) sieht als primäre Massnahme für die Osttangente zwischen Verzweigung Gellert und Landesgrenze einen neuen lärmreduzierenden Strassenbelag. An mehreren Stellen – wie auf der Schwarzwaldbrücke – sollen neue Lärmschutzwände entstehen oder bestehende erhöht werden. An beiden Portalen des Schwarzwaldtunnels sollen Stützmauern eingekleidet werden. Der Kanton plant über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus die Einhausung der Osttangente auf Höhe Breite sowie die Finanzierung von 1350 Schallschutzfenstern.

Eine Situation hatte an diesem Informationsabend von Bund und Kanton Symbolcharakter. Kantonsingenieur Roger Reinauer erläuterte die Einhausung der Osttangente auf Höhe Breite von der Westseite her als kantonale Massnahme zum Lärmschutz. Rund 40 Millionen Franken liesse sich der Kanton die neue und die Sanierung der bestehenden Einhausung auf der Ostseite kosten. Doch die Freude währte bei den Anwohnern nur kurz. Denn noch sei nicht klar, wann das Projekt in Angriff genommen werden kann.

Es liege beim Astra zu entscheiden, ob nächtliche Bauarbeiten möglich sind. Müsste tagsüber gebaut werden, würde der Verkehr auf der Nationalstrasse zu stark eingeschränkt. Ist die nächtliche Arbeit nicht möglich, sei eine Realisierung erst nach Fertigstellung des Rheintunnels möglich, stellte Reinauer klar.


Astra lehnt Temporeduktion ab

In der Aula des Sandgruben-Schulhauses herrschte unter den gegen 150 Anwesenden Entsetzen. «Jetzt hört doch auf», rief ein Mann nach vorne. «Das ist jetzt peinlich.» Eine Frau liess ihrem Ärger freien Lauf. «Machen Sie sich nicht lächerlich. Sie sagen, was Sie uns vor 20 Jahren versprochen haben, kommt erst in 30 Jahren?»

Grosse Erwartungen hatten die Anwohner der Osttangente an die Informationsveranstaltung von Bund und Kanton zum Thema Lärmsanierung wohl ohnehin nicht. Zu oft sind sie schon enttäuscht worden. Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) und Kantonsingenieur Reinauer von Seiten Kanton sowie Richard Kocherhans und Urs Aeschlimann vom Astra hörten sich die kritischen Voten geduldig an.

Während die Bundesvertreter mit gesetzlichen Lärmimmissionsgrenzwerten und der Wirtschaftlichkeit von Lärmschutzmassnahmen argumentierten, zeigte Wessels durchaus Verständnis und signalisierte immer wieder, dass dem Kanton aus mehreren Gründen die Hände gebunden sind. Höhere Lärmschutzwände seien teilweise aus statischer Sicht, manchmal aber auch aus Gründen des Stadtbildes nicht möglich. Veronika Röthlisberger von der IG Osttangente warf Wessels deshalb fehlenden politischen Willen vor.

Den mehrfach von Anwohnern geäusserten Wunsch nach einer Temporeduktion habe der Kanton bereits vergebens beim Astra deponiert, bekräftigte Wessels. Das Nein wiederholte Richard Kocherhans an diesem Abend noch einmal. Um die Leistungsfähigkeit der Osttangente als Nationalstrasse zu erhalten, sei Tempo 80 zwingend. Auch verzichtet wird zum Ärger vieler auf gezielte Schutzmassnahmen für die Schulhäuser Gellert und Christoph Merian.

Dass nun mehrere einst versprochene Lärmschutzwände doch nicht realisiert werden, mutet für Bruno Keller, Präsident der IG Osttangente, wie «eine Geschichte der zerschlagenen Hoffnungen» an. «Man muss sich nicht wundern, wenn die Leute grausam sauer sind.» Ans Aufgeben denke er aber keinesfalls, stellte Keller klar.