Er war ein Pionier – und ist doch in Vergessenheit geraten: Otto Freundlich, Maler, Bildhauer, 1878 geboren, 1943 ermordet. Dazwischen: Grosse Kunst, grosse Ideen – aber auch grosses Leiden. 1908 zog Freundlich nach Paris, lebte mit jungen Künstlern wie Pablo Picasso unter demselben Dach, formte Plastiken und feilte an frühen Formen abstrakter Kunst.

Fast 40 Jahre ist es her, seit diesem frühen Wegbereiter der Modernen Kunst letztmals eine umfassende Retrospektive gewidmet worden ist. Warum so vergessen? Sicher auch, weil ein beträchtlicher Teil seiner Kunstwerke vernichtet worden ist.

Denn Freundlich verkörperte all das, was die fanatischen Nazis unter Hitler verachteten: Er war Jude. Er machte moderne, revolutionäre Kunst. Er schuf Plastiken mit exotischen Gesichtszügen. Und stand ein für ein modernes Weltbild.

Seine Plastik «Grosser Kopf» (1912) erinnerte an die Steinköpfe der Osterinsel. Für die Nazis ein Paradebeispiel für «entartete Kunst»: Undeutsche Kunst, die verboten gehörte. 1937 wurde Freundlichs «Grosser Kopf» in einer grossen Propaganda-Ausstellung missbraucht und abschätzig als «Antlitz des ‹neuen Menschen›» betitelt. Propagandaminister Goebbels diffamierte Künstler wie Freundlich als geisteskranke Nichtskönner und Kulturtbolschewiken.

Unterstützung aus der Schweiz

Auch an diese dunklen Jahre erinnert die neue Sonderschau im Kunstmuseum Basel, die in Kooperation mit dem Kölner Museum Ludwig entstanden ist. Damit kehrt Freundlichs Werk in eine Stadt zurück, in der die grösste Unterstützerin des mittellosen Künstlers lebte: Hedwig Muschg, die Halbschwester des bekannten Schweizer Autors Adolf Muschg.

Sie hatte Freundlich 1929 kennen gelernt. Die Basler Lehrerin bewunderte ihn, unterstützte ihn «aufopferungsvoll von ihrem mageren Gehalt», wie es im Katalog heisst. Sie kaufte ihm immer wieder Werke ab – und bildete so eine Sammlung, wie auch der Basler Kunstmuseumsdirektor Georg Schmidt, der ab 1939 Kunst, die die Nazis als «entartet» deklariert hatten, kaufte und so auch Werke von Freundlich rettete.

Der Künstler selber wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von den Franzosen verhaftet. Pablo Picasso erwirkte eine Freilassung, Freundlich floh in die Pyrenäen, hielt sich dort versteckt – bis er 1943 deportiert und in einem KZ im besetzten Polen umgebracht wurde.

Otto Freundlich «Kosmischer Kommunismus», Neubau des Kunstmuseums Basel, bis 10. September 2017.