«Er war für keinen der Jungen eine Bedrohung», insistierte der Verteidiger am Donnerstag vor dem Basler Strafgericht. Die drei Richter sahen es ähnlich. «Sie haben getestet, wie weit Sie gehen konnten. Aber wir gestehen Ihnen zu, dass Sie nicht sehr weit gegangen sind», sagte Gerichtspräsident René Ernst.

Der 66-jährige Mann hatte seit der Herbstmesse 2015 während rund drei Monaten immer wieder Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren zu sich nach Hause eingeladen, die Knaben posieren lassen und dabei fotografiert. Teilweise mit T-Shirt, teilweise ohne, manchmal Bauch und Beine, in wenigen Fällen auch nackt oder explizit nur den Penis.

In einigen Fällen kam es dabei auch zu Fummeleien, wobei die Jugendlichen jeweils deutliche Grenzen setzten. Ernst betonte am Donnerstag, lediglich die Penisaufnahmen seien strafrechtlich als verbotene Pornografie zu werten, auch wenn manche andere Fotos «im Stile David Hamiltons» durchaus ungute Gefühle hinterliessen. Das Gericht verhängte insbesondere einen Schuldspruch wegen versuchter und vollendeter sexuellen Handlungen mit Kindern.

Acht Monate Untersuchungshaft

Im vergangenen Januar reichte der Vater eines der Jugendlichen Strafanzeige ein, nachdem er bei seinem Sohn einen überraschend hohen Geldbetrag gefunden und ihn zur Rede gestellt hatte. Mindestens fünf Jugendlichen haben insgesamt 3000 Franken für die Fotos erhalten.

Der 66-Jährige sass danach fast acht Monate wegen Verdunkelungs- und Fortsetzungsgefahr in Haft. Das Gericht nannte dazu am Donnerstag keine Details, offenbar trug aber auch ein Besuch eines BaZ-Journalisten im Gefängnis zur Haftverlängerung bei, weil dabei über die Delikte gesprochen wurde. René Ernst hatte den Haftbefehl im September schliesslich aufgehoben.

Bereits in den 1970er Jahren fiel der Mann auf, berücksichtigen durfte das Gericht die Vorstrafen aus jener Zeit allerdings nicht. Ein Gutachten sprach schon damals von homosexuell-pädophilen Neigungen. Später kam die Diagnose einer Schizophrenie hinzu. Angeblich hatte er noch nie Sex. Ein aktuelles Gutachten spricht von Demenz, beginnender Verwahrlosung und attestierte dem Mann eine schwere Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit.

Wohnt in betreutem Heim

Die Richter hatten zwar massive Zweifel an dem Gutachten, wollten aber den Prozess nicht durch ein Zusatzgutachten weiter verzögern und nahmen daher zähneknirschend eine saftige Strafreduktion vor: Angemessen wäre für die Taten eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten gewesen, durch den vorgeschriebenen «Rabatt» wegen der schwer verminderten Schuldfähigkeit von 75 Prozent blieb noch eine Geldstrafe von 75 Tagessätzen übrig. Da der Mann formell als Ersttäter gilt, musste das Gericht die Strafe bedingt verhängen. Da er fast acht Monate in Untersuchungshaft sass, erhält der mittellose Mann für die überzähligen Tage sogar 20 000 Franken zurück. Allerdings betragen die Verfahrenskosten weit über 20 000 Franken, das Guthaben wird damit verrechnet. Inzwischen wohnt der Mann in einem betreuten Heim. Für ihn gilt weiterhin die Weisung, dass er in seiner Wohnung keinen Besuch von Minderjährigen haben darf.