Premiere

«Palazzo Colombino»: Akrobatik und Kulinarik im Spiegelzelt

Das Variété-Theater «Palazzo Colombino» begeistert auch dieses Jahr wieder mit kulinarischen Höhepunkten und extravagantem Entertainment.

Mehr als 1000 polierte Spiegel bieten die Bühne des «Palazzo Colombino» auf der Rosentalanlage. Im diesjährigen «Théâtre Du Paradis» reichen sich in bewährter Manier Kulinarik und Akrobatik die Hand. Vielseitige Nummern liefern die vier Artisten der «Barcode Company» ab – mal zusammen, mal einzeln. Am Luftring verknotet sich etwa Alexandra Royer auf alle möglichen Arten mit dem Reif.

Der kleine wirbelige Wuschelkopf gewinnt sofort die Lufthoheit im Zelt, wenn sie in ihre atemberaubenden Positionen wechselt. Mit dieser philosophischen Darstellung der Absurdität des Lebenskreislaufes gewann die Künstlerin in diesem Jahr die Goldmedaille am «SolyCirco Festival» in Paris.

Ihr Kollege Eric Bates jongliert derweil mit bis zu zehn Zigarrenkisten, auf die er noch einen Kerzenständer mit drei brennenden Kerzen stellt. Hohe Kunst, wenn er dann die Kisten einzeln aus dem Stapel «raushaut», ohne die Kerzen zu löschen.

Die zweite Hälfte des Quartettes, Tristan Nielsen und Eve Bigel, arbeitet «Hand auf Hand». Eine «Allegorie auf die Schlaflosigkeit» und den Moment, wenn der Mensch erschöpft den Tag beendet. Die beiden Artisten klettern aneinander hoch, mal auf den Füssen, mal auf den Händen, wirbeln sich über die Bühne und knallen auf die Bretter. Ein Hauch Wrestling im poetischen Spiel der Macht zwischen Mann und Frau. Mit dem russischen Barren gewann die Truppe die Silbermedaille am Nachwuchsfestival «Cirque de Demain 2018». Der Holzbalken, den die beiden Herren halten, ist beweglich wie eine Feder. Auf diesem anspruchsvollen und gefährlichen Zirkusrequisit springt Alexandra Royer ihre Saltos.

Die Nähe zur Bühne, das Knistern der Bretter, die die Welt bedeuten und die kurzen Windstösse, wenn die Akrobaten durch die Luft wirbeln, macht diese persönliche Atmosphäre im Spiegelzelt aus. Durch die Show führt der französische Conférencier Denis Jaquillard. Die Sänger Anna Cabaret und Juan Ricondo füllen mit ihren kräftigen Stimmen den Raum vollends aus. Begleitet werden sie vom «Palazzo Colombino Show Ballett». Die vier Damen und zwei Herren gleiten in immer wechselnden Kostümen elegant und extravagant über die kleine runde Bühne. Dazwischen treibt Dustin Nicolodi seine Spässe mit Jonglagen, Witzen und Tricks, die immer haarscharf daneben gehen.

Sonderapplaus für die Küche

Einer der Schlusspunkte ist der Magier und Illusionist Sergey Stupakov. Seinen Tüchern und Spielkarten entschlüpfen jeweils weisse Tauben – die Zuschauer sind verblüfft. Gar entzückt sind sie, als aus den farbigen Stoffen plötzlich zwei Papageien entfliegen und Runden im Zelt drehen. Einen Sonderapplaus verdienen sich auch Küchen- und Servicepersonal. Das exquisite Viergang-Menü von Peter Moser, der mit 18 Gault Millau-Punkte dekoriert ist, wird jeweils auf den Punkt auf die Tische kredenzt.

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