Biozentrum
Pannen beim Prestige-Bau haben Folgen: Uni Basel will künftig bei Neubauten das Sagen haben

«Bei den Neubauten des Departements Biomedizin übernimmt die Uni den Lead», sagt Uni-Sprecher Matthias Geering. Dies, nachdem gestern publik gemacht wurde, dass es beim Biozentrum-Neubau bereits zum dritten Mal zu Verzögerungen kommt.

Samuel Hufschmid
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Dauert länger und wird teurer: Bau des Biozentrums in Basel.

Dauert länger und wird teurer: Bau des Biozentrums in Basel.

Martin Toengi

Recherchen der bz zeigten gestern: Der Neubau des Basler Biozentrums dauert nicht nur länger, sondern er wird auch teurer. Zwei Dinge, die kein Bauherr gerne hört. Auch die Universität Basel nicht, denn dort hat man bereits Professuren eingerichtet, für die es im Altbau keinen Platz hat und die jetzt mit provisorischen Zwischenlösungen vertröstet werden müssen. Doch die Uni hat noch ein weiteres Problem: Sie ist gar nicht Bauherrin, sondern «nur» Besitzerin des 73-Meter-Turms auf dem Schällemätteli-Areal. Als Bauherr tritt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) auf, das seinerseits die Oberaufsicht an den Generalplaner «B+P Baurealisation AG» weitergebeben hat.

Ein vertraulicher Bericht der Kantonsregierungen von Basel-Stadt und Baselland zuhanden der Finanzkommissionen der beiden Parlamente, in den das «Regionaljournal» Einsicht hatte, zeigt: Der Generalplaner scheint überfordert, im Bericht ist von mangelhaften Leistungen und ungenügendem Termin- und Kostenmanagement seitens des Generalplaners die Rede. Allerdings halten die Regierungen auch fest, dass sie keine Alternative sehen, als mit dem beauftragten Generalplaner den Neubau fertigzustellen.

Bereits die dritte Verzögerung

Die Firma nimmt gegenüber der bz keine Stellung und verweist auf ein weiterhin laufendes Verfahren gegen einen Sub-Planer im Sanitärbereich, dessen angebliche Verfehlungen Ende 2016 aufgefallen waren und dazu führten, dass der Umzug ins neue Biozentrum erneut verschoben werden musste. Gemäss aktuellem Stand soll der Lehrbetrieb im Herbstsemester 2019 aufgenommen werden.

An diesem Termin soll trotz der erneuten Verzögerung, es handelt sich insgesamt um die dritte, festgehalten werden, wie Uni-Sprecher Matthias Geering auf Anfrage sagt. Auch das nächste Grossbauprojekt auf dem Areal, das Gebäude für Biomedizin, soll laut Geering nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies, obwohl mit dem Bau erst begonnen werden kann, nachdem das Biozentrum abgerissen worden ist. Gleichwohl muss Geering eingestehen, dass zumindest der ursprünglich geplante Termin für den Abrissbeginn des Biozentrums nicht eingehalten werden kann.

Das Vertrauen, dass beim nächsten Mal alles besser wird, gründet darin, dass es kein «nächstes Mal» ist, sondern ein Neuanfang. Im Gegensatz zur komplizierten Aufteilung der Verantwortung beim Biozentrum geht die Uni beim Gebäude für Biomedizin davon aus, dass sie selbst als Bauherrin auftreten wird, wie Geering betont. «Die Universität wird mit dem neuen Finanzierungsmodell der Kreditsicherungsgarantie bei den Neubauten des Departements Biomedizin und Departements Sport, Bewegung und Gesundheit die Verantwortung für den Bau bezüglich Kosten, Qualität und Terminen haben.»

20 Millionen Franken teurer

Wenn sie diese Verantwortung habe, müssten auch die entsprechenden Kompetenzen und Aufgaben bei ihr liegen, weshalb sie bei diesen Neubauten in der Projektorganisation den Lead übernehme. Das bestätigt BVD-Sprecherin Nicole Stocker: «Mit dem neuen Finanzierungsmodell ist die Universität auch frei bei der Entscheidung, wer das bauherrenseitige Projektmanagement übernehmen soll. Beim Neubau für Biomedizin ist die Universität im Lead.»

Auswirkungen hat das neue Finanzierungsmodell auf die Kantonsfinanzen. Denn die Mehrkosten, aktuell wird von 20 Millionen Franken ausgegangen, würden damit nicht mehr von den Kantonen, sondern von der Universität gedeckt. Denn diese besorgt sich künftig das Geld selbst auf dem Kapitalmarkt, die Kantone treten nur noch mit Garantien in Erscheinung.

Dass das Biozentrum wegen höherer Kosten nochmals ein Thema in Gross- und Landrat wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Denn die Regierungen haben bei der Budgetierung des Darlehens genügend Spielraum eingerechnet. Stocker sagt: «Das Darlehen von Basel-Stadt und Baselland wird trotz Überschreitung der Gesamtprojektkosten nicht überschritten, weil die Höhe des gemeinsamen Darlehens den zu Beginn geschätzten Gesamtprojektkosten entspricht.»

Sprich: Das Darlehen wurde so hoch angesetzt, damit das Biozentrum auch ohne die damals noch nicht definitiv gesprochenen 70 Millionen des Bundes hätte errichtet werden können. Die Kantone müssen die Mehrkosten also zwar nicht zahlen, sie erhalten aber weniger Geld zurück.