Natürlich fragt man sich, was man mit den Gemeinden in den Randregionen machen soll», meint Heinrich Schweizer, Gemeindepräsident von Titterten und Geschäftsführer der Stiftung Wasserfallen. Diese war damals, als vor zehn Jahren das Projekt eines Naturparks Nordwestschweiz geboren wurde, neben dem Verein Erlebnisraum Tafeljura eine tragende Säule der Idee, gemeinsam mit dem Fricktal und dem Solothurner Thal einen regionalen Naturpark zu gründen.

Die Initianten schafften es zu spät, den Bauernverband, die Wirtschaftskammer Baselland, Gastro Baselland und Tourismus Baselland hinter sich zu scharen. Das Projekt scheiterte nach intensiven Diskussionen daran, dass Eptingen und Diegten nicht Mitglied des Parkvereins werden wollten.

Damit zerfiel der angestrebte Parkperimeter in zwei Teile, was den Bedingungen des Bundes widerspricht. Den entscheidenden Stimmungsumschwung hatten einige Bauern bewirkt, die sich vor Einschränkungen fürchteten. Sie spielten die Rolle der dreizehnten Fee, und der Trägerverein Jurapark Baselland versank in den Dornröschenschlaf.

Prozess mit vielen Beteiligten

Wer diese schlummernde Randregionen-Prinzessin wachküssen möchte, stünde unter Termindruck: Nur alle vier Jahre können die Kantone beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) ein Gesuch zur Mitfinanzierung einreichen – das nächste Mal 2019. Simone Remund, im Bafu Koordinatorin für das Programm Pärke, zählt die formalen Bedingungen auf: Die Park-Gemeinden müssen sich zu einer Trägerorganisation zusammengeschlossen haben und einen tragfähigen Managementplan für die Errichtung des Parks vorlegen.

Der Kanton tritt gegenüber dem Bafu als Gesuchsteller um Finanzhilfen auf. Er garantiert die Finanzierung sowie die Sicherung im kantonalen Richtplan. Mit Vorteil soll ein Naturpark in eine kantonale Strategie eingebettet sein. Remund: «Sehr wichtig ist der frühzeitige Dialog mit dem Kanton. Ergibt dieser, dass eine bestimmte Region für einen Park infrage käme und der Kanton dafür die Finanzmittel bereitstellen würde, soll die Machbarkeit abgeklärt und ein Managementplan ausgearbeitet werden. Dazu sind die verschiedenen Interessengruppen einzubeziehen.»

Remund empfiehlt, die aus dem Jahr 2010 stammenden Projektunterlagen unter der Berücksichtigung der aktuellen Situation weiter zu entwickeln: «Heute gibt es mit dem Jurapark Aargau und dem Naturpark Thal direkt benachbarte, funktionierende Pärke. Da muss man sich gut überlegen, wie sich ein weiterer Park in dieser Region positionieren will.» So habe sich zum Beispiel der Naturpark Pfyn-Finges VS auf Wein spezialisiert, der Naturpark Diemtigtal BE auf Käse. Zudem seien mittlerweile 15 Naturpärke in Betrieb: «Die Finanzmittel des Bundes sind begrenzt, je mehr Pärke es gibt, desto weniger fällt für jeden einzelnen ab.»

Seither Alternativen entwickelt

«Die Baselbieter Bauern haben mit der Teilnahme am Programm ‹Biodiversitätsförderung in der Landwirtschaft› über Jahre ökologische Voraussetzungen geschaffen, die für einen Naturpark wichtig wären. Auch mit dem Programm ‹Naturschutz im Wald› hat man wertvolle Schutzziele erreicht», betont Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain.

Mit dem Programm Spezialkulturen sei die Landwirtschaft eingebunden in die Baselbieter Wirtschaftsförderung und könne innovative Produkte wie Aronia- oder Goji-Beeren fördern, die nicht nur Park-typisch wären. Die 2016 lancierte Marke «Genuss aus Baselland» sei zudem für die bäuerliche Wertschöpfung interessanter als ein Parklabel, denn damit könnten alle Baselbieter Bauern ihre Produkte vermarkten. Kilcher: «Regionalität ist für die Landwirtschaft interessanter als ein Naturpark. Die Park-Lücke zu schliessen zwischen dem Aargauer Tafeljura und dem Solothurner Thal wäre jedoch aus naturschützerischer Sicht attraktiv.»

«Ein Naturpark und das Genusslabel schliessen sich gegenseitig nicht aus», meint auch Martin Rüegg, Präsident des ruhenden Trägervereins Jurapark Baselland. Der Termin 2019 wäre jedoch sehr sportlich. «Ist aber der politische Wille von den Gemeinden bis zur Regierung vorhanden, wäre das zu schaffen», ist der SP-Landrat überzeugt. Gerade die Diskussion um die Sparmassnahmen beim öffentlichen Verkehr würden zeigen, dass die Gemeinden an der Peripherie eine Perspektive brauchen.

Politischer Prozess bräuchte Zeit

Dies sieht auch Kantonsplaner Martin Kolb so: «Im Rahmen des Verfassungsauftrags Gemeindestärkung suchen wir in einem Projektteam mit Vertretern des Verbands Baselbieter Gemeinden nach Wegen, wie Gemeinden und Regionen Erfolg haben und auch in Randregionen ihre Lebendigkeit bewahren können.» Die Jurapark-Idee sei dabei bisher nicht zur Sprache gekommen. «Sollte sie aber aufgegriffen werden, können wir Fachwissen beisteuern. Sobald es aber um Geld geht, wird es schwierig.»

Mit anderen Worten: Solange nicht die damaligen Parkgemeinden aktiv werden, passiert nichts. Da ist aber keine Bewegung zu spüren: «Wir haben das weder im Gemeinderat noch in der Stiftung Wasserfallen in letzter Zeit besprochen», berichtet Schweizer aus Titterten. Gleich tönt es in Reigoldswil. «Wir haben uns mittlerweile mit Baselland Tourismus anderweitig organisiert», erklärt Gemeindepräsident Urs Casagrande.

Hans Buser, Geschäftsführer des Gelterkinder Planungsbüros Nateco, das damals die Jurapark-Machbarkeitsstudie erstellte, ortet denn auch den Zeitbedarf vor allem im politischen Prozess. Bezüglich einer neuen Studie würde er sich dagegen weniger Sorgen machen: «Viele der damals eruierten wissenschaftlichen Daten könnte man in nützlicher Frist aktualisieren.»