Districtsrat
Parlament setzt sich für Beseitigung der Altlasten im Südelsass ein

Das trinationale Parlament der Region Basel setzt sich für die Beseitigung der Altlasten im Südelsass ein. Derzeit wird der ehemalige Standort aufwendig von Novartis saniert.

Peter Schenk
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Im Oktober 1972 lagerte Ugine Kuhlmann das Lindan in Huningue (F) sorglos im Freien.

Im Oktober 1972 lagerte Ugine Kuhlmann das Lindan in Huningue (F) sorglos im Freien.

Manche wirkten wie erschlagen. Die Gewählten des Districtsrats, des Parlaments der Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB), hatten sich auf ihrer letzten Plenarversammlung am vergangenen Freitag über die chemischen Deponien im Oberelsass informieren lassen. Schwerpunktmässig ging es dabei um die beiden Sundgaudörfer Hagenthal-le-Bas und Hagenthal-le-Haut, wo Feldwege mit Lindan-haltigem Beton betoniert worden waren.

Wieder bei null anfangen

So erinnerte sich der Weiler Johannes Foege (SPD) daran, dass Lindan schon in den 70er-Jahren in Weil Thema war. Damals habe man auf der deutschen Seite viel unternommen. «Es wundert mich, dass wir in Frankreich praktisch wieder bei Null anfangen müssen», merkte Foege kritisch an.

Gaston Latscha, Districtsratspräsident und Maire von Hésingue, wollte dies nicht so stehen lassen und betonte: «Es wurden auch im Elsass schon Deponien saniert.» Er räumte allerdings ein: «Man hat sicherlich zu wenig gemacht.» Dass dem so ist, hatte vorher Brice Kaszuk, Mitglied der Industrie- und Handelskammer Elsass, eindrücklich nachgewiesen. Der Chef einer Umweltfirma hatte von der Kammer den Auftrag erhalten, eine Art Inventar der im Oberelsass bekannten Chemiemülldeponien zu erstellen.

37 Standorte sind bekannt

Die Studie wurde von 2013 bis 2014 erstellt und kommt auf 37 Standorte, mit einem Schwerpunkt im Süden des Departements, also im französischen Teil des Raumes Basel.

37 Chemiedeponien sind im Departement Haut-Rhin bekannt. Sie konzentrieren sich insbesondere auf die Region Basel

37 Chemiedeponien sind im Departement Haut-Rhin bekannt. Sie konzentrieren sich insbesondere auf die Region Basel

Studie CCI Alsace

Es wurden dabei keine neuen Messungen und Analysen vorgenommen; es handelt sich viel mehr um einen Überblick über alle bereits bekannten Standorte.

Bezeichnenderweise befinden sich von den sechs Deponien, die als besonders gefährlich eingestuft werden, fünf ganz in der Nähe von Basel. Es handelt sich um das Stadion von Huningue, in Hagenthal-le-Bas um die Standorte Klepferhof, Losgraben und Galgenrain sowie in Hagenthal-le-Haut um den Ort Rosshimmel.

«Man kann das nicht so lassen. Im angrenzenden Lertzbach gibt es schon seit den sechziger Jahren keine Fische und Krebse mehr», kommentierte Kaszuk. Der Basler Altlastenexperte Martin Forter wies daraufhin, dass Hexachlorcyclohexan, kurz HCH, dort ausgeschwemmt wurde.

HCH entsteht bei der Produktion des heute verbotenen Insektizids Lindan. Dies wurde von 1947 bis 1975 von der Firma Ugine Kuhlmann im elsässischen Huningue produziert und dort im Freien gelagert (siehe Foto). Derzeit wird der ehemalige Standort aufwendig von Novartis saniert. Die Firma Ugine Kuhlmann selbst ging 1976 in den Konkurs und gehört heute dem australischen Bergbaukonzern Rio Tinto, der allerdings nur ethisch für die von Ugine Kuhlmann angerichteten Umweltschäden haftet. Rechtlich steht heute der französische Staat in der Pflicht, diese zu beseitigen.

Entsorgung im Beton

Bis 1975 hat Ugine Kuhlmann um die 100'000 Tonnen HCH-Abfall in elf Kiesgruben versenkt. Beliebt war auch die Idee aus drei gleichen Teilen von Kies, Zement und HCH Beton herzustellen und damit die besagten Feldwege zu betonieren. Dass es Probleme bei den erwähnten Standorten gibt, ist nicht wirklich neu, viel geschehen ist dort allerdings bisher nicht.

Andrée Buchmann, grüne Regionalrätin, betonte, dass die französischen Behörden schon seit langem über die Deponien informiert seien: «Die Studie der Kammer hat nun allerdings Wirkung gezeigt und der Präfekt hat auf Anfragen dazu zumindest reagiert – wenn auch sehr förmlich.» So teilte Brice Kaszuk mit, dass die Umweltbehörde ADEME sich zweier Standorten angenommen habe.

Buchmann setzte sich dafür ein, nicht nur die besagten Feldwege zu sanieren, sondern auch die Deponien zu berücksichtigen. Sorgen bereitete den Dreilandpolitikern auch, dass das Grundwasser durch die Lindanablagerungen gefährdet sei. So berichtete der Maire von Kappelen von einem Lindanlager in Sierentz, dass nur ungenügend gesichert sei.

Kein Budget für Analysen

Auf Aufforderungen, weitere Analysen und Untersuchungen in Auftrag zu geben, reagierte der Districtsrat nicht, und zwar deshalb, weil er laut Präsident Gaston Latscha als Konsultativorgan gar kein Budget dafür habe. Als nächsten Schritt will das Gremium nun den TEB-Vorstand bitten, in einem Brief an die Präfekten die Lindanproblematik zu thematisieren. Denkbar ist auch, auf der nächsten Plenarversammlung eine Motion dazu zu verabschieden.

Explizit kein Thema waren am Freitag überraschenderweise etwaige Probleme, die sich durch die Lindanauswaschungen in den Lörtzbach für Allschwil ergeben könnten.