Basels hippste Adresse? - Das ist derzeit die Lady Bar, die vor Wochenfrist eröffnete Zwischennutzung an der Ecke Feldbergstrasse/Klybeckstrasse. Während der Art feierten im ehemaligen Bordell Galeristen, Künstler und Szenegänger bis tief in die Nacht.

Die «amtlich erwünschte Zwischennutzung», wie die «Tageswoche» treffend titelte, ist ein Pionierprojekt – auch deshalb, weil im ersten bis dritten Stock seit dem 11. Juni Flüchtlinge leben. Der Kanton will in den einfachen Wohnungen oberhalb von Bar, Restaurant und Club (im Erd- und Untergeschoss) insgesamt 25 Menschen einquartieren. Darunter sind sowohl Einzelpersonen als auch Familien, anerkannte Flüchtlinge, vorläufig Aufgenommene und Asylsuchende, deren Verfahren läuft.

Asylbewerber können sich nicht wehren

Nun wird Kritik laut an der Doppelnutzung Szenetreff und Flüchtlingsheim: Er finde es ja cool, dass es in der Stadt einen neuen Ort gebe, wo in der Nacht Lärm gemacht werden dürfe, sagt ein Bargast und Quartierbewohner zur bz. «An diesem Standort ist dies allerdings nur möglich, weil oben drin Asylbewerber leben, die sich nicht wehren können.»

Für ihn ist die Haltung des Kantons «zynisch». Immobilien Basel-Stadt vermietet als Eigentümerin der Liegenschaft an der Feldbergstrasse 47 Bar und Restaurant an die Zwischennutzer und die oberen Stockwerke an die Sozialhilfe.

«Hier kann man nicht wohnen»

Der Befund eines anderes Partygängers: «So, wie es letzte Samstagnacht zu und her gegangen ist, kann man dort nicht wohnen.» Bis weit nach Mitternacht hätten Leute im Innenhof an der Klybeckstrasse laut geredet und gelacht. Derweil habe der Bass aus dem Keller gewummert, wo DJs auflegten.

Die kantonale Asylkoordinatorin Renata Gäumann sieht wegen des Partylärms indes (noch) keinen Handlungsbedarf. «Bei uns sind bisher keine Reklamationen der Bewohner eingegangen.» Sie betont, dass der Eröffnungsabend und die Party am Art-Wochenende nicht dem vorgesehenen Normalbetrieb entsprechen.

Die Lady Bar ist jeweils von Dienstag bis Samstag geöffnet und verfügt über eine Betriebsbewilligung bis 4 Uhr. «An welchen Tagen es wie lange laut sein darf, ist zwischen Sozialhilfe und Barbetreibern abgesprochen. Eine Dauerbeschallung ist kein Thema», stellt Gäumann klar. Sie will nun abwarten und beobachten, wie sich Barbetrieb und Wohnen vertragen.

Beschäftigungsprogramm

Andere wie Pascal Biedermann sehen in der Doppelnutzung gar eine grosse Chance. Biedermann ist Sprecher des Vereins Unterdessen, der bei der Lady Bar als Vermittler zwischen Immobilien Basel-Stadt und den Betreibern fungiert.

Er könnte sich vorstellen, dass im Waschsalon, der in der länglichen Baracke im Innenhof eingerichtet werden soll, Flüchtlinge beschäftigt werden. Asylkoordinatorin Gäumann hält dies im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms für «denkbar.» Die Entschädigung hierfür beträgt 20 Franken pro Tag.

Einige dürfen lärmen, andere nicht

Der Lärm der Zwischennutzer ist nicht «nur» wegen der Flüchtlinge ein Thema. «Konventionelle» Beizer in der Umgebung befürchten, dass sie gegenüber der Lady Bar benachteiligt werden.

Helmut Zankl, seit über 25 Jahren Wirt im Restaurant zem Stänzler am Erasmusplatz, muss seinen Garten gemäss Urteil der Baurekurskommission um 20 Uhr schliessen. «Und 150 Meter weiter vorne wird im Hof der Lady Bar bis nach Mitternacht gelärmt. Das ist eine Schweinerei», wettert Zankl.

Maurus Ebneter, Vorstandsdelegierter des Wirteverbands, will nicht, dass die Angebote gegeneinander ausgespielt werden. «Freuen wir uns, dass die einst berüchtigte Feldbergstrasse durch Nutzungen wie die Lady Bar belebt wird.» Schön wäre ein bisschen mehr Toleranz auch anderen Lokalen gegenüber, findet er.

Was denken Sie zu den Kritikpunkten? Sind Sie berechtigt? Oder ist die Kombination von Zwischennutzung und Asylwohnheim gar eine profitable Situation für beide? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit und kommentieren Sie diesen Beitrag.