Bauprojekt

Passerelle soll Klybeck-Bewohner näher an den Rhein bringen

Das Klybeck-Quartier und der Verein Shift Mode forcieren ein Bauprojekt: «Die Passerelle vom Klybeck zum Hafen ist schon seit Jahren ein Bedürfnis und ein Thema», sagt Katja Reichenstein von Shift Mode.

So nah und doch so fern. Nur 150 Meter Luftlinie trennt die Bewohner des Klybeck-Quartiers vom Rhein. Doch das bringt ihnen nicht viel. Bahngeleise stehen zwischen den Bewohnern und dem Rhein. Eine Brücke gibt es weit und breit keine. Die Folge: ein gewaltiger Umweg. Über einen Kilometer muss man vom Klybeck-Quartier zurücklegen, bis man die Uferstrasse erreicht. Dabei wäre der Hafen ein idealer Erholungsraum. Dies soll sich ändern. Das Quartier will endlich von ihrer Nähe zum Rhein profitieren. Möglich machen soll dies eine Passerelle, die das Quartier mit dem Klybeckquai verbindet. Dafür setzt sich das Quartier Klybeck ein; nicht zum ersten Mal.

«Die Passerelle vom Klybeck zum Hafen ist schon seit Jahren ein Bedürfnis und ein Thema», sagt Katja Reichenstein von Shift Mode. Der Verein plant am Hafen den Holzpark Klybeck, einen Messe- und Kulturpark. Bereits jetzt betreibt der Verein die Café Bar «Patschifig». Auch Shift Mode ist an einem direkteren Zugang interessiert. Rund einen Kilometer ist die Bar von der nächsten Tramstelle entfernt. Shift Mode und das Quartier gehen das Projekt nun gemeinsam an. «Wir bündeln unsere Kräfte und versuchen das Projekt Passerelle gemeinsam möglichst schnell voranzubringen», sagt Reichenstein.

Viertägige Bauzeit für Passerelle

Die Idee ist eine Fussgänger-Passerelle, die von der Inselstrasse über die Bahngeleise bis zum Klybeck-Quai führt. Martin Brändle von der Wohngenossenschaft Klybeck begründet die Inselstrasse als optimaler Ausgangspunkt für die Passerelle mit dem direkte Tramanschluss und der zentralen Lage. Er hofft, dass die Brücke bereits im nächsten Frühling Tatsache ist. «Bei einem allgemein grossen Willen könnte es sehr schnell gehen», sagt er.

Sind sich einmal alle einig, kann die Bauzeit ganz kurz sein, davon ist auch Katja Reichenstein überzeugt: «Theoretisch wäre es möglich, eine simple Passerelle innerhalb von vier Tagen aufzustellen.» Mit einem allgemein grossen Willen ist in erster Linie die Basler Regierung angesprochen. Das Quartier ist mit ihr unzufrieden. «Mir ist es ein Rätsel, wieso die Regierung die Brücke nicht selber angeht», sagt Martin Brändle. «Je schneller man die Brücke baut, desto mehr lohnt sie sich.» Denn: Es ist noch nicht klar, was mit dem Klybeckquai zukünftig geschehen wird. Möglich, dass eine allfällige Passerelle in 20 Jahren am falschen Ort steht.

Man kenne die Idee einer Passerelle, sagt Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartementes. «Wir erachten sie als prüfenswert – und sind bereits dabei sie zu prüfen.» Eine Antwort zur Realisierbarkeit muss die Verwaltung spätestens bis Ende Oktober liefern. Dies fordert ein von der Grossrätin Heidi Mück (BastA) eingereichter Anzug. 2013 legte sie dieser im Grossrat ein. Mit 63 zu 9 Stimmen wurde er an die Regierung überwiesen. Marc Keller begründet die lange Beantwortungsdauer mit der Lage der angedachten Brücke: «Sobald Starkstromleitungen überquert werden, braucht es aufwendige Sicherheitsmassnahmen. Alle Risiken auszuschliessen braucht seine Zeit.»

Ein Beispiel für ein Sicherheitsrisiko sind von der Brücke pinkelnde Passanten. Die Starkstromleitungen dürfen von oben nicht mit Flüssigkeiten in Berührung kommen. Die zu ergreifenden Massnahmen, um die Risiken auszuschliessen, würden teuer werden, sagt Keller. «Dann stellt sich immer die Frage: Wer zahlt?»

Bereitschaft zur Kooperation

Die Initianten zeigen sich durchaus bereit, die Finanzierung mitzutragen. «Wir können uns vorstellen, der Regierung auch einen eigenen Finanzierungsplan vorzulegen», sagt Katja Reichenstein von Shift Mode. Und Martin Brändle von der WG Klybeck: «Ich werde bei der Versammlung der Wohngenossenschaft Klybeck der nächsten Woche, einen Beitrag von 5000 Franken beantragen. Er soll der Tatbeweis sein, dass wir auch bereit sind, etwas dafür auszugeben.»

Erste Ideen für eine Passerelle bestehen bereits. Architektur-Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz haben im Auftrag des Quartiers erste Entwürfe entwickelt. Betreut hat sie der Architektur-Dozent Bruno Trinkler. Rund zehn Ideen sind zusammengekommen. Die verschiedenen Visualisierungen zeigen, wie eine solche Passerelle aussehen könnte. «Die Studenten haben dauerhafte Varianten entwickelt», sagt Brändle. «Wir könnten uns auch ein Provisorium vorstellen.» Auch Shift Mode sucht eher nach einer simpleren Lösung, als solche, wie sie die meisten Entwürfe der Studenten zeigen. «Die meisten Vorschläge der Fachhochschule wären für die Stadt oder uns wohl zu teuer», sagt Reichenstein.

Das Bau- und Verkehrsdepartement kennt die Entwürfe der Studenten und zeigt sich offen für Vorschläge aus der Bevölkerung. Der Lösungsvorschlag der Regierung ist bis spätestens Ende Oktober fällig. Marc Keller: «Bis dahin haben wir eine Antwort.»

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