Basel

Patricia von Falkenstein: «Die Mediterranisierung der Stadt hat ihre Grenzen»

Patricia von Falkenstein: «Man muss Basel, wo es schön ist, wirklich Sorge tragen.» (Archivbild)

Patricia von Falkenstein: «Man muss Basel, wo es schön ist, wirklich Sorge tragen.» (Archivbild)

LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein über die Abstimmungen vom Wochenende, die Einsicht der Baslerinnen und Basler, dass nicht automatisch gut ist, was viel kostet und die Grenzen des Sauglattismus.

Patricia von Falkenstein, das bürgerliche Referendumskomittee hat gewonnen, die Stimmbürger haben das Erlenmatttram abgelehnt. Warum haben die Stimmbürger «Nein» gesagt zum neuen Tram?

Patricia von Falkenstein: Der öffentliche Verkehr ist wichtig in Basel und das wissen die Leute auch aber sie sagen nicht einfach ja zu allem, vor allem nicht, wenn es so teuer ist. Vielleicht hat auch der eine oder andere gefunden, dass es genau dieses Streckenstück nicht unbedingt braucht.

Es herrscht im Moment eine grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen Privatverkehr und öffentlichem Verkehr in Basel - war das ein grundsätzliches Votum gegen den öffentlichen Verkehr?

Das war bei uns nie ein Thema. Wir haben immer gesagt, dass wir den öffentlichen Verkehr wollen und dass der ÖV in Basel sehr wichtig ist. Aber wir wollen den ÖV nicht überall und nicht, wenn es nicht sein muss. Man hat jetzt alle möglichen Massnahmen gegen den Autoverkehr eingeleitet. Mehr kann man nicht machen. Es hat nun mal Autos, man muss schauen, dass man aneinander vorbeikommt. Wenn jemand von Arlesheim mit dem Auto 20 Minuten braucht, um zu Novartis zu gelangen und mit dem Tram eine Stunde, ja was würden Sie dann machen? Der ÖV ist halt nicht immer die beste Lösung. Da kann man sogar einen Minutentakt einführen und es würde nichts helfen. Es braucht ein gutes nebeneinander von Auto und ÖV. Im Moment hat man einfach den Eindruck, es werde vor allem gegen das Auto gearbeitet. Das kann es nicht sein.

Ebenfalls abgelehnt haben die Stimmenden die Initiative für einen Rheinuferweg am Grossbasler Rheinufer unter dem Münsterhügel.

Das war eher eine emotionale Abstimmung. Der Slogan „Der Rhein gehört allen" war nicht sehr geschickt. Das tönt so nach links, das war aber nie das Thema. Ich glaube, die Leute haben gemerkt, dass man nicht überall feiern können muss. Man muss nicht überall durchgehen können, es muss nicht überall lustig sein, man muss nicht überall grillen können. Die Mediterranisierung der Stadt hat ihre Grenzen. Die Ansicht von Basel ist viel schöner ohne Steg, auch wenn er filigran geworden wäre.

Haben die Stimmbürger also eine Nutzen-Schaden-Rechnung gemacht und sind zum Schluss gekommen, dass es den Steg nicht braucht?

Ja, das ist es wirklich. Es ist ja genauso schön beim Münster wie unterhalb. Ich war schockiert, dass Basel Tourismus für den Steg Werbung machte. Eigentlich müsste man die Leute doch oben durch schicken, dass sie ins Münster gehen und dann in die Stadt. Ganz abgesehen davon, dass ein subventioniertes Unternehmen wie Basel Tourismus sich nicht in einen Abstimmungskampf einmischen sollte. Ich glaube, die Leute haben gemerkt: Der Steg muss nicht sein.

Was heisst das für eine künftige Auseinandersetzung mit dem Stadtbild, wenn man etwa ans Universitätsspital und den Bau des Klinkum zwei denkt?

Es ist nicht immer so, dass der Heimatschutz einfach alles verhindert. Man muss Basel, wo es schön ist, wirklich Sorge tragen. Beim Spital ist die Ausgangslage schwierig. Man hat ja immer gesagt, dass da kein Hochhaus gebaut werden soll. Das Projekt ist nicht sehr gut, aber offenbar von der Nutzung her das richtige.

Wie beurteilen Sie die Regierungsratswahlen und das erstaunlich gute Abschneiden von Martina Bernasconi?

Das waren Stimmen für die Frau. Die Linksgrüne Seite hat sich für eine Frau ausgesprochen.

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