Paul Rüst läuft pro Woche regelmässig 65 Kilometer, vor dem Polarmarathon im kanadischen Churchill stärkte er seine Lunge wöchentlich im Kühlhaus der Bell, um bestens auf die voraussichtlich Minus 40 Grad vorbereitet zu sein. Und dennoch hatte er Angst, dass er den Lauf nicht beenden könnte.

Herr Rüst, wie froh sind sie, dass Sie den Polarmarathon trotz Befürchtungen, es nicht zu schaffen, komplett absolvieren konnten?

Paul Rüst: Ich bin sehr froh, dass ich es geschafft habe. Es gab eine zeitliche Limite von sechs Stunden, in der der Lauf zu absolvieren war. Ich habe es in fünf Stunden und 45 Minuten geschafft. Das Risiko war ob der eisigen Temperaturen hoch, dass man viel Aufwand betreibt und den Lauf doch abbrechen muss. Das wäre ärgerlich gewesen.

Wie kamen Sie mit der Kälte zurecht?

Man läuft fast die ganze Strecke auf Glatteis, das schlägt enorm auf die Muskeln. Es war erheblich anstrengender als ein normaler Marathon. Phasenweise blies uns noch ein kalter Wind entgegen, der die Temperatur von Minus 25 in gefühlte Minus 42 Grad verwandelte. Während des Laufs hatte ich ein paar Probleme mit meinem Gesichtsschutz, weshalb ich ihn ausgezogen habe. Das hatte aber leider Frostbeulen im Gesicht zur Folge, worauf hin ich ihn wieder anziehen musste. Teilweise hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich es nicht schaffe. Ich musste mich einmal für ein paar wenige Minuten in einem Begleitfahrzeug aufwärmen.

Können Sie im Nachhinein sagen, dass Sie sich adäquat vorbereitet haben? Oder hätten Sie mehr tun müssen?

Nein, ich war gut vorbereitet. Viel anderes, als in ein Kühlhaus zu gehen und abwechselnd kalt und heiss zu duschen, wäre gar nicht möglich gewesen. Ausserdem war mein Material gut gewählt.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Der Reiz war natürlich, etwas, von dem man nicht wusste, ob man es schafft, durchzustehen. Was sehr eindrücklich war, war die Einsamkeit. Man lief sechs Stunden fast ganz alleine. Die zwölf anderen Teilnehmer waren kilometerweit vor oder hinter dir.

Haben Sie einen Eisbären gesehen?

Während dem Lauf habe ich keinen gesehen. Auf dem Hinweg war ich oft mehrere hundert Meter von den Begleitfahrzeugen entfernt, da wurde mir dann doch etwas mulmig. Denn was will man schon tun, wenn ein Eisbär auf einen zu rennt? Auf dem Rückweg war aber stets ein Fahrzeug in der Nähe, das mit Gewehren ausgestattet war. Dann fühlte ich mich sicherer.

Welche Marathons stehen dieses Jahr auf dem Programm?

Am 22. Februar nehme ich am Städtemarathon in Sevilla teil. Am 20. Juni folgt der Midnight-Sun-Marathon in Tromsø, bevor ich am 1. November am New-York-Marathon an den Start gehe.