Theaterfestival
Pech mit dem Wetter, Glück mit dem Theater

Basel sagt die Open-Air-Aufführung wegen Regen ab. Ein prominentes Wetter-Opfer war die Outdoor Performance «above under inbetween» der Cie. Dafür glänzt das Festival aber mit den Inszenierungen in Innenräumen.

Verena StoessingeR
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Enttäuschung: Für die akrobatischen Aktionen der Cie. Willi Dorner war es gestern zu nass. Martin Töngi

Enttäuschung: Für die akrobatischen Aktionen der Cie. Willi Dorner war es gestern zu nass. Martin Töngi

Willi Dorner am Theaterfestival Basel wurde gestern Nachmittag abgesagt – nachdem am Mittwochabend schon die Eröffnungsfeier vom Kasernenareal in die Bar verlegt werden musste. Willi Dorners subtil choreografierte akrobatische Aktionen von Menschen und Möbeln brauchen bessere Verhältnisse. Man versucht es aber heute Sonntag noch einmal (um 14 und 17 Uhr auf dem Kasernenareal, Eintritt frei) und behält die Ruhe; sie hätten «einfach nur die falsche Woche erwischt», meint Carena Schlewitt, die künstlerische Leiterin des Theaterfestivals.

Neben dem Wetterpech gibt es auch grosses Theaterglück. «Ein Stück über Mutter und Vaterland» vom Teatr Polski Wroclaw etwa. Jan Klatas Inszenierung eines Textes der polnischen Autorin Bozena Keff erzählt von einer Frau, deren Mutter den Holocaust überlebte und ihr Kriegstrauma auf sie übertrug.

Sperrig und wild poetisch ist dieser Text, der Zeiten und Räume aufmischt, Politik und Geschichte, Geschlechter- und Generationenkampf, Religion, Philosophie und Abenteuerliteratur, und der doch nicht vom Fleck kommt, denn eine Erlösung gibt es nicht. Sechs Darsteller in grotesken Kostümen singen, tanzen und sprechen ihn, oft chorisch, in immer wechselnden Rollen auf der halbdunklen Bühne, die ausser vier begehbaren Metallspinden nichts hat, was Halt gibt. Eine bildstarke, berührende Aufführung, klug, wund und mit verzweifelt bösem Witz.