Nun ist der neue Leiter der Schola Cantorum Basiliensis gewählt und bekannt: Es ist der in Buenos Aires geborene deutsche Dirigent, Flötist und Mediävist Pedro Memelsdorff. Dies teilt die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) mit. Memelsdorff tritt am 1. Januar die Nachfolge von Regula Rapp an, die Ende März als Rektorin an die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart gewechselt hat. Bis Anfang 2013 wird weiterhin Thomas Drescher interimistisch die Schola leiten.

Es ist gelungen, eine bedeutende Musiker- und Forscherpersönlichkeit für die neue Leitung des weltbedeutenden Basler Forschungs- und Lehrinstituts für Alte Musik zu gewinnen, das mit der Hochschule für Musik Basel zusammen den Komplex der Musikhochschulen der FHNW bildet und Teil des Campus Musik-Akademie Basel ist. Mit dem 53-jährigen Mittelalterspezialisten Memelsdorff kehrt ein ehemaliger Schola-Student nach Basel zurück. «Ich habe dieses Institut seit meiner Studienzeit ins Herz geschlossen», erklärt Memelsdorff auf Anfrage. Und er erklärt sein grosses Interesse für Basel: «An keinem anderen Institut für Alte Musik stehen Forschung und Kunstexperiment in einer so engen, wechselseitigen Beziehung wie in Basel.» Die Verbindung von Lehre, Forschung und künstlerischer Praxis sei einzigartig. Und er schätzt Basel als Stadt mit «ihrer grossen Kunsttradition.»

Musiker, Forscher, Wissenschafter

Blockflötist Memelsdorff spielte in Jordi Savalls Ensemble «Hesperion XX», im Duo mit dem Cembalisten und Pianisten Andreas Steier. 1987 gründete er sein Ensemble «Mala Punica», das auf die Polyphonie des Spätmittealters spezialisiert ist. Mit CD-Einspielungen gewann er verschiedene Preise. Memelsdorff wirkt neben seiner künstlerischen Tätigkeit als Professor an der Escola Superior de Musica de Catalunya in Barcelona. Zudem ist er als Forscher an der Utrecht University engagiert und leitet die Seminare für Alte Musik der Fondazione Giorgio Cini in Venedig.

Fürs Gesamte verantwortlich

Damit übernimmt ein Mediävist die Schola. In der Mittelalter-Forschung - aber nicht nur hier - nimmt das Basler Institut seit Jahrzehnten weltweit eine führende Stellung ein. Nicht dass Memelsdorff Mediävist ist, sei ausschlaggebend für seine Wahl gewesen. Er sei auch für den gesamten Bereich der Alten Musik verantwortlich, erklärt Stephan Schmidt, Direktor der Musik-Akademie Basel und der Musikhochschulen, gegenüber der bz. Seine Persönlichkeit und sein Konzept, die Schola Cantorum Basiliensis inhaltlich und strukturell in eine vielversprechende Zukunft zu führen, habe die Wahl-Kommission vollauf überzeugt. Damit habe er sich im Feld «teils prominenter Bewerbungen» durchgesetzt.

Seine eigene künstlerische und forschende Tätigkeit wird Memelsdorff in zeitlich konzentrierter Form weiterführen. «Mein Ensemble ist ein Teil meines Lebens.» Es gelte Kunst und Forschung mit seiner grossen Aufgabe als Leiter der Schola «zu harmonisieren», sie gar in den Dienst der Schola zu stellen.