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Pendler sollen mehr zahlen - wird das U-Abo schon bald teurer?

Mobilität hat ihren Preis. Von verschiedenen Seiten wird eine stärkere Beteiligung der öV-Nutzer an den entstehenden Kosten gefordert. Die Debatte um Kostenwahrheit bedroht das preisgünstige U-Abo – teurer wird der öV in der Region auf jeden Fall.

Zu Stosszeiten sind Sitzplätze in den Zügen rar, auf den Strassen Staus fast schon Normalität. Angesichts der stark gestiegenen Mobilität bei gleichzeitigen Finanzierungsengpässen verwundert es nicht, dass sich Bundesrätin Doris Leuthard Gedanken für ein neues Tarifsystem im Verkehr macht. «Mobility Pricing» heisst das Schlagwort. Kostenwahrheit herstellen - für Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel, klingt das verlockend. «Die Kosten der Verkehrsträger sind eine riesige Blackbox. Da wird nach Belieben mit Zahlen jongliert.»

An «konsequenter Kostenwahrheit» wäre der VCS interessiert. «Wir sind aber nicht bereit, isoliert nur über den öV zu reden,», sagt Fuchs. Oft werde unterschlagen, dass der motorisierte Individualverkehr (MIV) die verursachten externen Kosten - Luftverschmutzung, Lärm, Unfallfolgen - bei Weitem nicht decke. Ähnlich äussert sich BLT-Direktor Andreas Büttiker: Die Debatte müsse als Gesamtpaket über alle Verkehrsträger erfolgen. «Meiner Meinung nach ist Mobilität heute zu günstig», sagt der Chef des grössten Baselbieter Transportunternehmens. «Es sind Mehrerträge nötig, die nicht vom Staat kommen.»

U-Abo: Die Hälfte bezahlt der Staat

Mit anderen Worten: Der Fahrgast soll stärker zur Kasse gebeten werden. Auf nationaler Ebene wird derzeit über die Verteuerung des SBB-Generalabonnements (GA) für Pendler diskutiert. In der Region Basel gibt es ebenfalls ein «GA»: das U-Abo des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) - eine Erfolgsgeschichte. 2011 wurden 2,1 Millionen Monatsabonnements verkauft - fast doppelt so viel wie bei Einführung des heutigen Modells 1987. Der Preis für ein U-Abo ist im Vergleich zu Angeboten anderer Verbünde günstig.

Allerdings: Die Zahl der Autofahrten hat wegen des öV-Booms in der Region nicht etwa abgenommen. Das bessere Angebot hat zur Zunahme des gesamten Verkehrsaufkommens beigetragen. Im TNW trägt der Fahrgast rund die Hälfte der verursachten Kosten. Die andere Hälfte steuern die beteiligten Kantone via Leistungsvereinbarungen mit den Transportunternehmen sowie über die Vergütung von 25 Franken pro verkauftes Monats-U-Abo bei. Basel-Stadt bezahlt so im laufenden Jahr 81,8 Millionen Franken an den regionalen öV, davon sind 20,2 Millionen direkte Beiträge an das U-Abo. In Baselland sind es 70,4 Millionen (22,2 Mio. U-Abo-Subventionen).

Umsteigeeffekt zurück aufs Auto

Die Beiträge der öffentlichen Hand mag Andreas Büttiker, der zugleich den TNW leitet, nicht kommentieren. «Es ist an der Politik, hier Zielvorgaben zu formulieren.» Es ist offensichtlich: An einer erneuten Grundsatzdebatte über die U-Abo-Preise ist Büttiker nicht interessiert. Auf wiederholte Nachfrage schiebt er nach: Klar sei, dass das Tarifniveau in der Nordwestschweiz in den nächsten zehn Jahren über das Niveau der Teuerung hinaus angehoben werden müsse. Dies sei schon alleine wegen des Angebotsausbaus und umfangreicher Investitionen in neues Rollmaterial nötig.

Derweil lehnt VCS-Geschäftsführerin Fuchs einen Abbau der Staatsbeiträge für das U-Abo ab. Damit werde die Zersiedelung der Landschaft sicher nicht gestoppt. Wichtig sei, dass das U-Abo, das als Umweltmassnahme eingeführt wurde, preislich attraktiv bleibe. «Sonst droht ein verkehrter Umsteigeeffekt zurück aufs Auto.» Dies könne sich gerade die Stadt nicht leisten, sagt Fuchs und verweist auf den vom Volk gutgeheissenen Gegenvorschlag zur Städte-Initiative, der eine Reduktion des MIV um 10 Prozent bis 2020 verlangt.

Im Stadtkanton beurteilt man die Situation anders: So plädierte Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) vor Jahresfrist für eine verursachergerechtere U-Abo-Finanzierung und die Einführung einer Zonierung. In der aktuellen Debatte lässt sich Wessels' Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) so verlauten: Grundsätzlich sei eine verstärkte Kostenwahrheit sinnvoll. Mit Einführung der Parkraumbewirtschaftung werde beim MIV ein erster Schritt umgesetzt. Das Statement des BVD gegenüber der bz schliesst interessant: Zu berücksichtigen sei, dass der öV eine Service-public-Funktion innehabe, die in geeigneter Weise abgegolten werden müsse.

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