Rhein
Per Frachtschiff rheinabwärts - 2 Frauen sind zu Gast bei Matrosen

Zwei Baslerinnen reisten mit dem Frachtschiff von Basel nach Rotterdam und zurück. Dabei stellten sie fest, dass «lauter Gentlemen» sich auf dem Schiff befanden. Von ihrer Reise erzählt ein vielseitiger Bildband.

Miriam Glass
Merken
Drucken
Teilen
Basel, Wettsteinbrücke: Die Ufer sind nah, und doch lebt es sich auf dem Schiff wie in einer anderen Welt.

Basel, Wettsteinbrücke: Die Ufer sind nah, und doch lebt es sich auf dem Schiff wie in einer anderen Welt.

Frischkäse, Schokolade, Menthol-Zigaretten: All das fährt mit Frachtschiffen den Rhein hinunter. Mitten zwischen den Containern reisten im Herbst 2009 zwei Frauen mit Kamera und Notizblock mit, um die ihnen fremde Welt der Binnenschifffahrt kennen zu lernen.

«Lauter Gentlemen auf dem Schiff»

Zwei Wochen ohne Festland unter den Füssen auf einem Frachter – was war die grösste Überraschung auf dieser Reise? «Dass lauter Gentlemen auf dem Schiff waren», antwortet Autorin Sabine Theil, ohne zu zögern, «immer frisch rasiert, täglich ein sauberes Hemd!» Dann beginnt sie, zu lachen. Zeigt ihre Antwort doch, was für ein Bild sie von Matrosen bis anhin hatte: Seebären mit zerzaustem Bart und ruppigen Manieren.

Fotografin Elke Fischer stimmt in Theils Lachen ein. Beide Frauen hatten nur eine diffuse Vorstellung vom Leben an Bord, als sie im Herbst 2008 zum ersten Mal auf der «Grindelwald-Mürren» von Basel nach Rotterdam fuhren, um eine Ausstellung für die Rheinhafengesellschaft Weil vorzubereiten. Theil ist Projekt- und Eventmanagerin, Fischer freie Fotografin. Beide leben in Weil am Rhein, die Ausstellung war eines von vielen gemeinsamen Projekten.

Basel nach Rotterdam und retour

Die Faszination der Reise war so gross, dass sie ein Jahr später eine zweite, längere Schifffahrt unternahmen. Auf demselben Schiff der schweizerisch-niederländischen Reederei Danser. Von Basel nach Rotterdam und wieder zurück.

Entstanden ist daraus ein Buch, das soeben erschienen ist und das Einblick bietet in die Welt der Rheinschifffahrt. Ruhige, sich sacht verändernde Landschaften am Ufer stehen in reizvollem Kontrast zur hoch technisierten Welt der Containerterminals.

Weit weg von der «normalen Welt»

Im Restaurant Anker im Kleinhüninger Hafen erzählen Theil und Fischer von ihren Erlebnissen, und schnell wird klar, dass sie weit mehr überrascht hat als nur das gepflegte Auftreten der Crew. Wie die sechs Besatzungsmitglieder im Schichtbetrieb über Wochen 24 Stunden am Stück arbeiten. Wie weit weg man auf so einem Schiff von der «normalen» Welt ist, obwohl das Ufer an engen Stellen nur Zentimeter von der Reling entfernt liegt. Wie schnell ein Schiff nicht mehr manövrierbar ist, wenn der Schiffsjunge im Maschinenraum einen falschen Knopf erwischt. Das war einer der ganz wenigen Momente auf dem Schiff, wo kurz so etwas wie Hektik aufkam.

Ereignisloses Dahingleiten

Ein gutes Zeichen für die Professionalität der Schifffahrt, für den Text im Buch aber eher ein Handicap. Autorin Sabine Theil gliedert ihn nach Uhrzeiten und Rheinkilometern und hat eine Art Schiffstagebuch erstellt, das viele Details bietet, dem es streckenweise aber an Spannung fehlt. Der Reiz der Schifffahrt mag unter anderem im ereignislosen Dahingleiten liegen – einen Text würden Ereignisse oder Konflikte inhaltlich vorantreiben. Die Fotografie ist in diesem Fall das bessere Mittel, um die Faszination der Reise und das Staunen über die Präzisionsarbeit an Bord auch für Unbeteiligte erfahrbar zu machen.

Wohl einer der häufigsten Kommentare, den Sabine Theil und Elke Fischer zu ihrer Reise gehört haben: «Das wollte ich auch schon immer mal machen.» Eine Reise auf dem Frachtschiff ist für wenige Menschen tägliche harte Arbeit, für viele aber ein romantischer Traum. Fischer und Theil zeigen zwischen Buchdeckeln, wie es aussieht, wenn er wahr wird.

Elke Fischer, Sabine Theil: «Zeit im Fluss. Mit dem Containerschiff von Basel nach Rotterdam.» Benteli Verlag, Zürich 2013, Fr. 58.–. Vernissage am 15. Mai um 18.30 Uhr im Brasilea, Westquaistr. 39, Basel.