Persönlich
Basel, die fremde Stadt

Als gebürtige Baslerin habe ich in so manchem Quartier gewohnt, habe Freunde und Verwandte in allen Ecken und Enden der Stadt. Ich kenne Basel – das dachte ich zumindest. Doch ich irrte mich.

Aimee Baumgartner
Aimee Baumgartner
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Man glaubt, die Heimatstadt zu kennen, bis man umzieht und plötzlich wieder vor vielen ersten Malen steht.

Man glaubt, die Heimatstadt zu kennen, bis man umzieht und plötzlich wieder vor vielen ersten Malen steht.

Nicole Nars-Zimmer

Das wurde mir vor kurzem bewusst, als ich umzog. Da stand ich nun vor meiner neuen Bleibe, schaute mich um und stellte fest: Über diese Gegend weiss ich praktisch nichts.

Tatsächlich musste ich mich via Google Maps darüber informieren, wo der nächste Einkaufsladen ist und an welchem Ort ich mein Leergut entsorgen kann. Hast du dich gut eingelebt? – werde ich immer wieder gefragt. Zu Beginn kam es mir vor, als wäre ich in einer Ferienwohnung in einer anderen Stadt. Es folgten viele erste Male. Der erste Einkauf, unterdessen kenne ich sogar schon mehrere Läden, die vielen unbekannten Gesichter, der erste Besuch in der Quartierapotheke – ja sogar das Überqueren der Fussgängerstreifen wirkt fremd. Auch den Busfahrplan kenne ich längst noch nicht auswendig.

Ob ich mich gut eingelebt habe? Ich denke schon. Nach der Verlorenheit auf dem neuen Terrain erkenne ich aber schon gewisse Gesichter wieder und weiss, wo ich einen warmen Kaffee bekomme. Und meine Wohnung fühlt sich zumindest wie das an: meine Wohnung. Dass es aber so lange dauern wird, bis ich mich auch wirklich zu Hause fühle, hätte ich nicht erwartet. Sogar das kleine Basel ist auf einmal so gross, dass man sich darin manchmal fremd fühlt.

aimee.baumgartner@chmedia.ch