Persönlich
Für wen bin ich denn jetzt?

Bei einigen bringt Italien den Schweizer Nationalismus ins Schwanken. Bei anderen hat das Heimatland gegenüber den italienischen Wurzeln doch plötzlich mehr Einfluss als gedacht.

Laura Pirroncello
Laura Pirroncello
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Schweiz gegen Italien, für viele hierzulande wohl DAS Spiel der diesjährigen Europameisterschaft. Und doch für die meisten ein Dilemma. Immerhin haben manche Eidgenossen eine direkte oder indirekte Verbindung zu unseren südlichen Nachbarn. Sei es aufgrund eigener Wurzeln, die bis nach Italien reichen. Sei es durch die Ferien, die man in Italien verbringt. Oder sei es der Bekannten und Freunden wegen, die in Italien leben.

Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar: Die Italiener sind auf dem Blatt das stärkere Team, die Schweizer möglicherweise für eine Überraschung gut. Die Gefühlslage bei den Schweizer Fans: Hoffnung auf die eigene Nati, Sympathie aber auch für Italien. Sinnbildlich dafür der Wunsch einer 5-jährigen Kindergärtnerin nach einem Unentschieden: «Wenn d Schwiiz gönnt, wärs scho toll. Aber mer händ Bekannti in Italie, für die wärs halt au schön.»

Und dann gibt es noch mich: War ich einen Tag vor dem Spiel noch klar für Italien, so war es gestern doch etwas schwieriger. Ich war mir sicher, dass die Squadra Azzurra gewinnen wird. Doch je näher der Anpfiff rückte, desto schwieriger wurde es zu sagen, für wen ich nun wirklich bin.

Das Durcheinander der fussballerischen Gefühlswelt hat allerdings auch sein Gutes: Der Sieg war bei jedem Resultat, das am Schluss auf der Anzeigetafel stand, gewiss. Offen war bloss, wie sich Hoffnung und Sympathie die Punkte teilten.