Bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) rumort es. Viele der rund 1250 Mitarbeiter klagen über zunehmenden Druck von oben. «Es herrscht ein schlechtes Betriebsklima, der Umgang mit Mitarbeitenden ist zum Teil despektierlich», sagt ein BVB-Mitarbeiter. Diskussionen zu Betriebsfragen würden sofort abgeklemmt, es gehe zu wie im Militär.

So hätten auch Weiterbildungen schon abgebrochen werden müssen, weil die Diskussionen überhitzten. «Es wird Druck aufgesetzt auf die Mitarbeiter: Entweder man ist ruhig oder man ist weg.»

Ein wichtiger Grund für die Misstöne ist offenbar das Effizienzsteigerungsprogramm Avanti. Mit diesem wollen die BVB innerhalb von vier Jahren 20 Millionen Franken einsparen. Von der Regierung als Eigner der BVB wären allerdings lediglich vier Millionen vorgegeben. Die Idee hinter Avanti: In Workshops sollen die Mitarbeiter selber Sparpotenziale ausloten und ein Konzept erarbeiten.

Solche Massnahmen seien deutlich erfolgsversprechender, meint BVB-Direktor Erich Lagler. «Wir machen nicht einfach Sparvorgaben von oben», sagte er kürzlich im Interview mit der bz. Seine früheren Programme etwa im Industriewerk der SBB in Olten waren einer der Gründe dafür, dass Lagler vor zwei Jahren als BVB-Direktor geholt wurde.

Was auf dem Papier gut tönt, sorgt in der Praxis offenbar für rote Köpfe. Gemäss Recherchen der bz werden die Workshops unter massivem Druck durchgeführt. Zu Beginn wird das zu erreichende Sparziel vorgegeben. Was anschliessend abläuft, liesse sich wohl unter dem Begriff «Jeder ist sich selbst der nächste» zusammenfassen.

Dem Vernehmen nach seien die Diskussionen schon bis zu Beinahe-Schlägereien ausgeartet. Mehreren Personen soll am Ende ihres Workshops mitgeteilt worden sein, dass es ihren Jobs künftig so nicht mehr geben werde und sie in den sogenannten Avanti-Pool verschoben werden. Für solche Mitarbeiter wird dann versucht, eine neue Beschäftigung im Betrieb zu finden. «Offenbar versucht man so, Personal loszuwerden», sagt eine Quelle der bz.

Denn offiziell stellt sich die Geschäftsleitung auf den Standpunkt, dass die Sparmassnahmen nicht auf dem Buckel der Beschäftigten durchgeführt werden sollen. «Es wird keine Entlassungen aus Spargründen geben. Das kann ich garantieren», sagte Lagler im Interview.

Personalrechtliche Verfahren

Ins Bild passt, dass die kantonale Personalrekurskommission und das Verwaltungsgericht gemäss Recherchen der bz in den letzten Monaten eine deutliche Zunahme an BVB-Fällen verzeichneten. So hat das Verwaltungsgericht dieses Jahr bereits fünf Fälle behandelt, in denen sich Angestellte gegen eine Kündigung wehrten. In den vergangenen Jahren waren es jeweils ein oder zwei BVB-Fälle gewesen.

Auch die Ombudsstelle des Kantons ist dem Vernehmen nach stark involviert. Auch dies keine Überraschung. Als der Verkehrsbetrieb 2013 von mehreren Skandalen durchgeschüttelt wurde, spielte die Ombudsstelle eine entscheidende Rolle beim Aufdecken der Probleme. Die BVB teilen auf Anfrage mit: «Zu laufenden und einzelnen Verfahren dürfen wir uns aus rechtlichen Gründen nicht äussern.» Im Schnitt gebe es aber rund zehn Fälle pro Jahr.

Ein weiteres Indiz: Die BVB kämpfen mit einer sehr hohen Quote an krankheitsbedingten Ausfällen. Beim Fahrpersonal ist dies schon länger ein Thema. «Dies liegt daran, dass das Fahrpersonal seine verantwortungsvolle Arbeit – nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen – nur in einwandfreier gesund- heitlicher Verfassung ausüben darf», sagt BVB-Sprecher Benjamin Schmid.

Allerdings gab es zuletzt auch in der Verwaltung eine Reihe krankheitsbedingter Ausfälle. Der Bereich Controlling war sogar derart stark tangiert, dass die BVB für teures Geld externe Berater einsetzen mussten. «Tagessätze für externe Spezialisten können schnell doppelt so hoch sein, wie die Kosten eigener Fachexperten», sagt Schmid.

Gleichzeitig weisen die BVB darauf hin, dass die Absenzen in den letzten beiden Jahren erheblich reduziert hätten werden können, im Fahrdienst um 22 Prozent. «Wir sind aber noch nicht auf dem Stand von vergleichbaren Unternehmen und sehen weiteres Verbesserungspotenzial», sagt Sprecher Schmid.